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Purbach im Mittelalter
Die Geschichte Purbachs war bis zum Jahre 1526 - als die Habsburger nach der Schlacht bei Mohács Österreich und Ungarn unter einer Herrschaft vereinigten - durch zwei entscheidende Elemente geprägt: Durch seine Lage an der vielumkämpften Grenze zwischen dem Heiligen Römischen Reich bzw. Österreich einerseits und andererseits durch den Umstand, dass hier eine der wichtigten europäischen Handelsstraßen verlief, die schon seit prähistorischer Zeit Nordosteuropa mit dem Mittelmeerraum verband und unter dem Namen "Bernsteinstraße" in die Geschichte eingegangen ist.

Zu Ende des 9. Jahrhunderts waren die Magyaren - als letzte große Wellen der Völkerwanderung - in den pannonischen Raum eingedrungen und hatten sich in der Ebenen der Karpathenbeckens sesshaft gemacht. Durch die Offensiven ihrer schnellen Reiterheere waren sie über eine Generation lang der Schrecken ihrer Nachbarn, bis es durch die schwere Niederlage in der Schlacht auf dem Lechfeld 955 zu einem Entscheidenden Rückschlag kam. Die Magyaren waren nun zur Verteidigung ihres Siedlungsgebietes gezwungen. Die Enns-Linie, die bisher die Grenze ihres Herrschaftsgebietes war, musste aufgegeben werden und auch der Versuch die bewaldeten Täler des Wienerviertels als Sperrlinie zu halten erwies sich bald als illusorisch. So nützte man die damals breiten und durch viele Flussarme durchzogene Leithaauen sowie das durch viele enge Schluchten zerklüftete Leithagebirge als natürlichen Schutzwall des neu entstehenden Königreiches Ungarn. Der Neusiedlersee und das weite Sumpfgebiet östlich des Sees - der "Hanság" oder "Waasen" - der bis zur Mündung der Raab in die Donau reichte, bildete dabei eine "zweite Verteidigungslinie". Durchbrochen wurde diese Linie lediglich durch sogenannte Brucker Pforte im Osten und die Ödenburger bzw. Wiener Neustädter Pforte im Westen. Diese beiden strategisch wichtigen Stellen verband eine am Südhang entlanglaufende Straße, die auf weite Strecken mit dem Oberungarn (die heutige Slowakei), Polen und das reiche Schlesien mit dem wichtigen Adriahäfen Venedig und Triest verband. An der Engstelle, wo das Letihagebirge schon im späten 11. oder frühen 12. Jahrhundert von Bauern und Handwerkern aus dem deutsch-bajuwarischen Raum besiedelt wurde und eine Befestigung = Burg besaß. Wie die Wissenschaft einhellig meint, stammt der Name des Ortes von jenem "Burgbach", der heute noch durch das Ortsgebiet fließt.

Diese militärisch-strategische Lage prägte über Jahrhunderte das Leben von Purbach, wie auch zwei weitere Besonderheiten auf wirtschaftlichem Gebiet: der Weinbau, der an den Südhängen des Leithagebirges hervorragende Produkte lieferte und der reiche Fischfang im See.

Die erste urkundliche Erwähnung Purbachs finden wir in einer Urkunde König Stephan V. (1270-1272) von Ungarn, die am 10. Dezember 1270 ausgestellt wurde.1 Mit dieser Urkunde verlieh der König dem Banus Ponith dg.2 Miscolc, Gespan von Zala, für seine Verdienste - insbesondere seine Treue im Kampf Stephans gegen König Béla IV. (1235-1270) - die Besitzung des "Verräters" Nikolaus, einem Sohn des Grafen Arnold [von Buzád-Háhold]. Letzterem wird in dem Schreiben angelastet, dass er nicht zur Krönung Stephans erschienen war - also diesem nicht huldigte - und die Burg Peleske den Deutschen [Österreichern] hochverräterisch eingeräumt hatte. Unter den beschlagnahmten Besitzungen des Nikolaus befanden sich auch Purbach (castrum Purbach), das Dorf Kuesd [= Kövesd = Sopronkövesd] und ein Besitztanteil in Nykch [= Nikitsch].

Um den Inhalt dieser Urkunde zu verstehen, ist es notwendig das politische Umfeldes Jahres 1270 zu beleuchten: Im Frühjahr 1241 fielen die Mongolen, die vorher die südrussischen Steppen und die ganze Ukraine in ihre Herrschaft gebracht hatten, in Ostungarn ein. Sie schlugen bei Mohi vernichtend. In höchster Not bat König Béla IV. seinen westlichen Nachbarn, den Babenberger Herzog Friedrich II., "den Streitbaren", um Hilfe und versprach ihm dafür mehrere westungarische Komitate. Doch diese "Hilfe" erfolgte nur sehr lahm, half kaum und konnte nicht verhindern, dass die Mongolen 1242 bis Westungarn vorstießen. Der ungarische König musste bis Trogir in Dalmatien fliehen. die bis Wiener Neustadt vorstoßenden Mongolen dürften damals auch Purbach niedergebrannt haben. Doch dann zogen sich die Mongolen zur großen Überraschung aller - ohne militärisch geschlagen zu werden - zurück: Der Tod des Großkhans Ögedei bewog den in Ungarn operierenden Batu Khan mit seinem Heer nach Osten abzuziehen, um seine Thronfolge und Herrschaft im zentralasiatischen Kernland abzusichern.

König Béla IV. erlangte rasch die Souveränität über das schwer verwüstete Land zurück und forderte auch die von den Österreichern besetzen Gebiete wieder ein. Als sich der Bababerger Herzog weigerte, dem nachzukommen, kam es unweigerlich zum Krieg. Die am 15.Juni 1246 "an der Leitha" geschlagene Schlacht endete zwar mit einer Niederlage der Ungarn, kostete aber Herzog Friedrich das Leben. Der Tod des kinderlos gebliebenen letzten Babenbergers führte zu einer Aufteilung seiner Länder, wobei Niederösterreich an König Prezemysl Ottokar II. von Böhmen, die Steiermark jedoch an den ungarischen König kam. Aber schon wenige Jahre später waren große Teile des steirischen Adels mit der ungarischen Herrschaft unzufrieden. Als König Ottkar die ausbrechende Rebellion unterstützte, kam es 1260 zum Krieg mit Ungarn, in dessen Verlauf letzterer nach einer schweren Niederlage in der Schlacht bei Kroissenbrunn im Marchfeld alle österreichischen Gebiete verlor.

Die militärischen Niederlagen des Königs sowie mehrere innenpolitische Fehler ließen bei Teilen des ungarischen Adels den Wunsch laut werden, den "unfähigen" König abzusetzen und seinen Sohn Stephan V., der den Titel eines Herzogs von Siedenbürgen trug, an seine Stele zu setzen einer Rebellion, die von Ostungarn ausging und in einem blutigen Bürgerkrieg endete. Béla IV., musste sich nach Westungarn zurückziehen, wo er sich mit seinen Anhängern nur mit österreichischer Unterstützung halten konnte. 1266 kam es zwar zu einem Waffenstilstand und einem brüchigen Ausgleich zwischen Vater und Sohn, als jedoch Béla IV. 1270 starb, ergoss sich die Rache Stephans über dessen Anhänger: Die als "Verräter" gebranntmarkten Adeligen flohen zu König Ottokar; während ihre Güter an "Getreue" des neuen Königs verteilt wurden. So kam auch Purbach - wie erwähnt - an den aus Ostungarn stammenden Banus Ponith.

Doch schon bald bewogen die ungarischen Emigranten König Ottokar zum Einfall in Ungarn. Dabei stieß ein mehrere tausend Mann starkes Heer ende März 1271 in Richtung Ungarisch Altenburg und Raab vor und eine Abteilung desselben sollte entlang der Straße südlich des Leithagebirges Ödenburg angreifen. Dieser Vorstoß blieb bei der Burg Purbach stecken, die von einem gewissen Sydou, "filius comitis Sydou nobilis de Miley" verteidigt wurde.3 Dabei fielen auf seiten der Angreifer ein Bruder des Otto von Haslau, der als "Zierde der Ritterschaft und Anführer des Heeres" bezeichnet wurde, weitere 50 "milites nominatos et electos" - Ritter bzw. Offiziere - und ungezählte einfache Soldaten. Die Verteidiger verloren zwei Verwandte von Sydou und weitere acht seiner Leute. Sydou selbst wurde durch einen Speer und zwei Pfeile durchbohrt und erhielt zahlreiche andere schwere Verwundungen. Durch die heldenhafte Verteidigung wurde - wie eine Urkunde vom 16. August 1271 erzählt - die Burg "der ungarischen Krone" erhalten.

Bereits am 2. Juli 1271 wurde in Pressburg Friede geschlossen und als König Stephan V. wenige Monate später starb, bemühte sich dessen Sohn und Nachfolger, Ladislaus IV., um eine dauerhafte Aussöhnung mit den ehemaligen Gegnern seines Vaters. Im Zuge dessen gab Bonus Pointh, der offenbar anderweitig entschädigt wurde. Purbach im September 1272 seinem vormalgen Besitzer Nikolaus dg. Buzád-Hádold zurück. Bei den dabei erfolgten Ausgleichsverhandlungen bekam Pointh unter anderem 10 Fass "heurigen Weines" (mit einem Gesamtvolumen von 100 Eimern, also etwa 9.000 l Wein) samt entsprechenden Wagen und 40 Ochsen, die wahrscheinlich als Zugtiere für den Weintransport nach Ostungarn benötigt wurden. - Dass dies extra hervorgehoben wurde, lässt darauf schließen, dass der Purbacher Wein damals besondere Qualität besaß und daher - wie wir später noch hören werden - hoch geschätzt wurde.

Ein unüberlegter Versuch des ungarischen Königs die seinerzeit verlorene Steiermark wieder zu gewinnen, führte im April 1273 zu einem Gegenschlag König Ottokars. Bömisch-mährische und österreichische Truppen fielen in Ober- und Westungarn ein und diesmal wurde neben den Befestigungen von Leithaprodersdorf und St. Margarethen auch die Burg von Purbach eingenommen und zerstört, ja das feindliche Heer drang bis Pannonhálma und bis zum Bakonyerwald vor. Den Großteil der eroberten Gebiete - unter anderen so wichtige Grenzfestungen wie Pressburg, Ungarisch Altenburg, Wieselburg und Ödenburg - behielt der Böhmenkönig bis weitgespannten Imperiums in der denkwürdigen Schlacht vom 26. August 1278 im Marchfeld durch König Rudolf I. von Habsburg, den Ladislaus mit Hilfstruppen unterstütze, brachte den Ungarn die vollständige Wiederherstellung der alten Reichsgrenze an der Leitha.

Während all dieser wirren konnte Nikolaus bzw. sein Sohn Arnold dg. Buzád-Háhold den Ort Purbach, der nun nicht mehr als "castrum" (=Burg) sondern nur mehr als "posessio" (=Besitzung) bezeichnet wurde, in Besitz halten. Allerdings hatten die Kämpfe die finanzielle Lage der Buzád-Háhold so schwer zerrüttet, dass Arnold knapp vor 1290 Purbach um 63 Mark Silber an den österreichischen Adeligen Albert Stuchs von Trautmannsdorf verpfänden musste. Die Verwandten Arnolds, Ivanka und Ladislaus dg. Gatal, protestierten gegen diesen Schritt, brachten die entsprechende Pfandsumme auf und kauften zwei Jahre später das Gut "mit allen Nutzungen" um 400 Mark Silber. Die Gatals, die weit gestreute Besitzungen in West- und Oberungarn hatten, besaßen zu diesem Zeitpunkt auch das benachbarte Donnerskirchen und die Burg Roy (Rovo). Die Lage dieser Burg ist nicht bekannt, doch dürfte diese mit Sicherheit im Raume der Burg Roy oder Stotzing gelegen sein. Der Umstand, dass Purbachs neue Besitzer die Burg Roy besaßen und hier auch residierten, dürfte mit ein Grund gewesen sein, dass man auf einen Wiederaufbau der zerstörten Burg von Purbach verzichtete.

Sicherlich war aber zu dieser Zeit das Dorf selbst befestig. Über das Ausmaß und die Art dieser Befestigung haben wir leider keine Nachricht, doch kann man annehmen, dass sie - wie übrigens die meisten Orte in unserem Grenzgebiet - aus Wall und Graben bestand und einen sogenannten "Speltenzaun" besaß. Dieser bestand meist aus Palisaden, Flechtwerk aus Holz und aus Dornengestrüpp, das die Annäherung an einfache Toranlagen sperrten den Zugang ins Dorfinnere und wurden bei Einbruch der Dunkelheit mit Querbalken geschlossen. Natürlich konnten diese Anlangen den angriff eines Heeres kaum verhindern oder auch nur nennenswert verzögern, doch gaben sie den Verteidigern des Dorfes gegen Räuberbanden oder kleineren Horden von marodierenden Söldnern genügend Schutz. Dass es solche immer wieder gab berichtet uns ein Schreiben der Stadt Ödenburg aus dem Jahre 1390 wo berichtet wurde, dass eine Bande von etwa 40 Mann von Österreich her über die Grenze kam und zwischen Purbach und Schützen Ödenburger Kaufleute, die vom Jahrmarkt von Petronell nach Hause fuhren, überfiel und ausraubte.4 Die "Umzäunungen" schützten auch gegen Wölfe und anderes Raubzeug, die sich im Winter häufig den menschlichen Behausungen näherten. Diese frühe Befestigung wurde geschleift, als man nach 1630 eine steinerne Wehrmauer um das Dorf zog.

Innerhalb der Umzäunung standen die Bauernhäuser dich gedrängt. Diese waren lange Streckhöfe, die sich in ihrer äußeren Form vielfach ins 20. Jahrhundert erhalten haben. In Fortführung römischer Bautradition waren Häuser zumindest im Wohnbereich aus Steinmauern gebaut, zumal es im Leithagebirge in relativer Nähe reichlich Sandstein gab, der sich ausgezeichnet als Baustein eignete. Stallungen, Schuppen und Scheunen waren meist in einer Art Fachwerk (mit Lehm verschmiertes Weiderutengeflecht zwischen Holzpfeilern) errichtet, deren Fundamente aber ebenfalls aus Stein waren, damit das Holz nicht durch unmittelbare Bodenberührungen früh zu faulen beginnen. Die Mauern waren mit einem Anstrich aus gelöstem Kalk "geweißt", um sie möglichst vor Ungeziefer oder rascher Verwitterung zu schützen. Gedeckt waren die Häuser in Purbach wahrscheinlich mit dicken Schilfdächern, aus denen der gemauerte Schornstein ragte. In Weingegenden hatten viele Häuser bereits im Mittelalter gewölbte Keller, die in der Regel unter den Wohnräumen lagen. Wir haben übrigens eine schöne Beschreibung eines solchen Bauernhauses aus der Feder eines berühmten Minnesängers Neidhart von Reuenthal, der in der ersten Hälfte seines des 13. Jahrhunderts am Hof des Babenberger-Herzogs Friedrich II. in Wien lebte: Der Wohnbereich bestand häufig aus drei Räumen, wobei der mittlere eine Rauschküche war, die man direkt, oder über einen kleinen Vorraum, vom Hof aus betreten konnte. Hier befand sich der gemauerte Herd, auf dem gekocht und in dessen Rauchabzugsteil Fleisch und Speck geräuchert wurde, sowie ein Heizofen mit einem gemauerten Kaminteil in der angrenzenden Stube. Letzterer war aus Lehm und Stein gemauert und so aufgestellt, dass er mit seiner Heizöffnung in die Küche, mit seinem Gewölbe aber in den Stubenraum hineinragte; so wurde die Stube optimal beheizt, blieb aber selbst rauch- und aschenfrei. Den Heizofen umgab eine Ofenbank darüber ein umlaufendes Holzgerüst zum Trocknen von Wäsche und Kleidern. Entlang der Wände der Stube, die besonders im Winter den Mittelpunkt des Lebens und der Geselligkeit bildete, waren schlichte, oder einfach beschnitzte Bretter angebracht, wo kleinere Haushaltsgeräte, Teller, Schlüsseln und Krüge standen und wo an eingeschlagenen Holzpflöcken Kleider aufgehängt waren. Den Mittelpunkt der Stube bildete ein großer Tisch, der von Bänken und Schemeln umgeben war. Entlang der Wände standen Truhen, in denen man Kleider, wertvolleres Geschirr und kostbare Gegenstände verwahrte. Seltener und nur in größeren Bauernhäusern fand sich auf der anderen Seite der Küche eine Schlafkammer, in der Betten mit Strohsäcken sowie weiter Truhen - meist für die Wäsche - standen. In ärmeren Häusern schlief man in der Stube auf Bänken, die abends mit Strohsäcken gepolstert wurden, oder man legte sich einfach auf Strohschütten in der Nähe des Ofens zur Nachtruhe nieder. Das Gesinde schlief üblicherweise in den Viehställen oder am Heuboden. Damit waren auch diese bei Nacht vor Dieben geschützt, oder konnten vor dem Ausbrechen von Feuerbrünsten bewahrt werden. an den Wohnbereich schlossen sich Vorratskammern, die mit massiven, versperrten Bohlentüren gesichert waren. Dahinter folgten die Stallungen. Den Abschluss - meist an den Schweinestall anschließend - bildete der Misthaufen mit Abort. Die Scheunen waren wegen der Feuergefahr deutlich vom Haus getrennt aufgestellt. Man pflanzte dazwischen Obstbäume, um durch deren Baumkronen im Falle eines Brandes Funkenflug möglichst zu verhindern. Dem Brandschutz diente auch die Verordnung, dass trotz einer Verbauung im Dorfverband zwischen den einzelnen Häusern ein abstand von 3 Fuß (etwas 1m), eine sogenannte "Reiche", frei gelassen werden musste, Zum Schutz gegen das Überspringen vom Feuer von Gassenzeile zu Gassenzeile dienten dicht stehende Obstbäume deren Blätterkronen zumindest während der Vegetationszeit eine gewisse Barriere bildeten. Da die engen Streckhöfe ein Wenden von einfahrenden Wagen nicht möglich machten, erfolgte ein die Durchfahrt vorne durch die Hoftore, hinten jedoch durch die Scheunen, die abschließend - ähnlich den Häuserfronten straßenseitig - eine geschlossene Front bildeten. Da die Scheunen zumindest an ihrer hinteren Seite hohe Giebeln aus Steinmauerwerk hatten, bildete diese Linie einen weiteren Schutz der Wohnhäuser gegen Beschuss von außerhalb des Dorfes. Entlang der Scheunenfront gab es "hintaus" einen rund um das Dorf laufenden Weg, der nicht nur dem täglichen Verkehr, sondern auch - da er noch innerhalb der Befestigungen lief - eine rasche Bewegung der Verteidiger bei Bedrohung ermöglichte.

Die Anlage von Purbach lässt vermuten, dass zumindest ein Teil des zwischen der heutigen Hauptstraße und Kirchengasse gelegenen Dorfzentrum ursprünglich ein Anger war, durch dessen Mitte der Dorfbach floss. Hier hatte man auch die Kirche errichtet, die dem Schutzpatron der Fischer, dem Hl. Nikolaus, geweiht war. Wir kennen eine urkundliche Erwährung einer Pfarrkirche erst aus dem Jahre 1418, doch kann man auf Grund der Bedeutung des Ortes mit Sicherheit annehmen, dass Purbach eine solche bereits seit dem 11. oder 12., aber zumindest seit dem 13. Jahrhundert besaß.

1301 starb König Andreas III. als letzter männlicher spross der Arpaden-Dynastie. Schin in den vergangenen Jahrzehnten war Ungarn immer mehr in Bürgerkrieg und Anarchie versunken. Während die Autorität der Könige Schritt für Schritt schwand, gewannen einzelne Adelsfamilien zusätzlich an Macht. In Westungarn waren es insbesondere die Güssinger Grafen, die nicht nur große Besitzungen anhäuften, sondern bald so etwas wie ein "Staat im Staat" wurden. Zu ihren Anhängern und Verbündeten gehörten auch die Gatal, die Grundherrn von Purbach. Sie gerieten nun in den Kampf der Güssinger gegen den neuen König von Ungarn, Karl I. Robert aus dem Hause Anjou, der mit Zähigkeit und Geschick daran ging, die Königsmacht wieder zu steigern und die rebellischen Adelscliquen zu entmachten. Schon 1317 wurden Güter in Ödenburg und Wolfs (Balf bei Ödenburg), die dem "ungetreuen Grafen Stepahn" (Sohn eines Jeclein von Purbach) gehörten, vom König beschlagnahmt und an seinen treuen Parteigänger Rudolf von Pottendorf übergeben. Als die königlichen Truppen die Güssinger in der Schlacht bei Güns im Jahre 1327 entgültig niederwarfen, gehörten auch die Gatal zu den Besiegten und dürften ihren Besitz verloren haben. Was damals mit Purbach passierte, liegt im Dunkeln. Die in der älteren Literatur vorkommende Behauptung, dass der Ort 1329 an Nikolaus Zara, der sich in eben dieser Schlacht auf der Seite des Königs Verdienste erworben hatte, gegeben wurde, beruht ganz offensichtlich auf einer Verwechslung mit einem ähnlich klingenden Dorf im Eisenburger Komitat.5 Aus dem Jahre 1318 kennen wir aber eine Urkunde in der vom Verkauf eines relativ großen Weingartenareals "der da leit ze Puerpach an dem perig"6 durch Friedrich von Wallsee und seine Frau Adelheid an die Brüder Rudolf und Hartneid von Stadeck um 250 Pfund Wiener Pfennige die Rede ist.7 Mit dieser Nachricht treffen wir auf ein Phänomen, das sich in den Orten am Leithagebirge häufig antreffen lässt: Den erstaunlich großen Besitz an Weingärten österreichischer Herren (Adeligen, Klöstern und Bürgern der benachbarten niederösterreichischen Städte).

Um dies verstehen zu können, sei ein kurzer Blick auf die Geschichte des Weinbaues im Raum um den Neusiedler geworfen: Wir wissen, dass die Anfänge des Weinbaues in den klimatisch bevorzugten Gebiet um den Neusiedlersee bereits im 8. vorchristlichen Jahrhundert nachweisbar sind und dass der Weinbau in der Römerzeit einen qualitativen Höhepunkt erreichte. Die nachfolgenden Jahrhunderte der Völkerwanderungszeit brachten aber eine "Verwilderung" sodass der "heunische" (=pannonische) Wein zur Zeit Karls des Großen einen schlechten Ruf hatte. Eine Wende trat erst zu Beginn des 13. Jahrhunderts ein. Diese wurde eingeleitet, dass König Emmerich von Ungarn im Jahre 1199 dem Zisterzienerstift Heiligenkreuz im Wienerwals Land im Bereich der Brucker Pforte (Gebiet heutigen Gemeinden Kaisersteinbruch, Winden, Mönchhof und Podersdorf) übergab. Die Mönche, dies aus dem burgundischen Kloster Morimond gekommen waren, erkannten sehr rasch die hervorragende Lage dieses Landstreifens für den Weinbau und brachten sowohl durch ihr Wissen und technisches Können und wahrscheinlich auch durch neue Rebsorten aus Burgung den bald hier produzierten Wein zur höchsten Qualität. Natürlich übernahmen auch die Bauern der benachbarten Orte sehr rasch diese Kenntnisse und brachten den Wein erneut zu beachtlicher Blüte und Bedeutung. Bald erlangten die Weine, insbesondere die durch Spätlese gewonnenen Süßweine, internationalen Ruf, was sich natürlich auch in entsprechenden Preisen niederschlug. Allerdings sperrten die unmittelbaren Nachbarn im Westen, Steiermark und Niederösterreich, wo man sich anfangs einen guten Absatzmarkt erhofft hatte, schon ab der Mitte des 13. Jahrhunderts weitgehend die Einfuhr des "Ungarweines". Vor allem die niederösterreichischen Nachbarn wandten sich gegen die "gefährliche Konkurrenz". Sie erreichten bei ihren Landesheeren eine Reihe von Verordnungen, die den Transport von "Ungarwein" durch Einfuhrverbote und hohe Zölle weitgehend erschwerten, um ihre eigenen Weinproduzenten vor der starken westungarischen Konkurrenz zu schützen. Zahlreiche Österreicher übersprangen nun diese Hürde indem sie Weingärten in den westungarischen Gebieten erwarben und so die dort gelesenen Produkte als "Eigenwein" zollfrei nach Hause führen konnten. Das dabei immer wieder auch dem Schmuggel Tür und Tor geöffnet wurde, bewiesen jahrhundertlange Streitereien zwischen den "Importeuren" und den niederösterreichischen Zollbehörden. In manchen Orten gab es im Spätmittelalter mehr "ausländischen" Weingartenbesitz als einheimischen. Dies war dadurch leicht möglich, da Weingärten nicht wie die meisten Acker- und Wiesenflächen an das Lehen8 gebunden und daher freiverkäuflich waren. Leider liegen uns über die Situationen in Purbach keine genauen Angaben über die detaillierten Besitzverhältnisse aus der Zeit vor 1500 vor.

Die Weingärten der "auswärtigen" Besitzer wurden von ortsansässigen Kleinbauern, den "Häuslern" ("Hofstättlern"), oder Handwerkern im Nebenerwerb als "Weinzierl" ("Weinzettl") gegen entsprechende Entlohnung bearbeitet. Diese verpflichteten sich dabei jeweils auf ein Arbeitsjahr vom Vorfrühling bis nach der Weinlese im September oder Oktober gegen Lohn oder Teilpacht alle notwendigen Arbeiten in den Weingärten zu verrichten. Dabei wurden die Bearbeiter am Ertrag prozentuell beteiligt. Wahrscheinlich geht die Anlage eines Großteils der außerhalb der geschlossenen Siedlung von Purbach angelegten Keller in der Kellergasse auf diesen "auswärtigen Besitz" zurück. Hier wurden nämlich die Trauben gepresst und der Most zu Wein verarbeitet. Der Transport zum Eigentümer des jeweiligen Weingutes, der oft viele Tage dauerte, erfolgte meist erst mit dem fertigen Wein.

Ein Kapital in der Geschichte Purbachs begann im Jahre 1366 mit der Erwerbung eines Großteils des Dorfes durch die Familie Kanizsai. Diese war eine Linie des weitverzweigten Geschlechts der Osl, die sich nach ihrer Stammburg Kanizsa im Komitat Zala benannten und die 1364 die westungarische Grenzherrschaft Hornstein erwarb, der sie zwei Jahre später die Hälfte des Dorfes Purbach hinzufügen konnte.

Die Kanizsai verdanken ihren kometenhaften Aufstieg zu einer der zeitweise mächtigsten Familien Ungarns zwei Bischöfen, die nicht nur einflussreiche Ämter besaßen, sondern zu den engsten Vertrauten der Könige Ludwig I. "dem Großen" (reg. 1342-1382) und Sigismund (reg. 1382-1437) gehörten. Stephan Kanizsai (?-1376) war Bischof von Agram (Zagreb), der in zwei diplomatischen Missionen zum Pästlichen Stuhl in Avignon und nach Paris der ungarischen Krone wertvolle Dienste leistete und bald zum engsten Berater und Vertrauten König Ludwigs wurde. Sein Neffe Johann, der ebenfalls Priester wurde, war Kaplan am Königshof von Buda, studierte und lehrte an der Universität von Padua, wo er für kurze Zeit sogar das Amt des Rektors bekleidete. Der hochgebildete Theologe und Jurist wurde später Bischof von Erlau (Eger) und schließlich Erzbischof von Gran (Estergom). Als Kanzler des Reiches - er war "Kanzler des Königs [Sigismund) und der Königin" [Maria] - er war einer der einflussreichsten Politiker in Ungarn. Diese beiden "geistlichen Heeren" förderten ihre Brüder und Neffen bei jeder Gelegenheit, verschafften ihnen hohe Hof- und Staatsämter und sicherten ihnen den Erwerb großer Güter zu. So wuchs auch die Herrschaft Hornstein zu einer ausgedehnten Territorialherrschaft an, die man 1392 teilte, wobei der östliche Teil - zu dem Purbach gehörte - zur Herrschaft Eisenstadt wurde.

Erzbischof Stephan verschaffte den "Kanizsai-Herrschaften" so manche wirtschaftliche Vorteile. Dabei war das im Jahre 1372 von König Ludwig I., der seit 1370 auch König von Polen war, erlassene "große Weinhandelsprivileg" für die Herrschaft Hornstein von besonderer Bedeutung. Mit diesem wurde nämlich dem Weinhandel bzw. Weinproduzenten die Möglichkeit eröffnet, ihren Wein weitgehend zoll- und mautfrei über Pressburg nach Oberungarn (heute Slowakei), Schlesien und Polen zu transportieren. König/Kaiser Sigismund bestätigte und erweiterte 1395 und 1396 dieses Privileg und eröffnete damit den Weg auch in seine Erbländer Böhmen und Mähren. Da der Weinhandel keine "Einbahn" war und die Weinhändler - sozusagen im Gegenzug - Waren aus den erwähnten Ländern ins Land brachten, entwickelte sich ein reges Marktleben, das allen Beteiligten Wohlstand - für manche sogar Reichtum - brachte. Einen schönen Beweis dafür bringt uns der "Purbacher Münzfund", der bei Umbauarbeiten eines Hauses im Jahre 1940 gemacht wurde und der jetzt im Burgenländischen Landesmuseum in Eisenstadt zu sehen ist. Der Münzschatz besteht aus 18.113 Silbermünzen (mit einem Gesamtgewicht von ca. 11 kg)), die in einem Tonkrug gefunden wurden. Die Münzen stammen aus der Zeit vor 1445 und wurden wahrscheinlich während der spätmittelalterlichen Grenzkriege vom damaligen Hausbesitzer versteckt, der jedoch starb und sein Wissen um den versteckten Schatz mit ins Grab nahm. Bei der überwiegenden Mehrzahl der Münzen handelt es sich um "Wiener Pfennige", der damals in unserem Raum üblichen Währung. Es befinden sich darunter aber auch Münzen aus oberungarischer, böhmischer und polnischer Prägung, was auf die oben erwähnten, weit verbreiteten Handelsverbindungen unserer Gegend im Spätmittelalter hindeutet.

Ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig in Purbach war natürlich der Fischfang im Neusiedlersee. Fischfang und Jagd waren nach dem mittelalterlichen Recht sein Regal9 des Königs. Dieser gab das Recht an Grundherrn weiter, die ihrerseits das Recht zur Ausübung des Fischfangs an einzelne Fischer gegen eine entsprechende Abgabe weitergaben. Aus dem Jahre 1366 erfahren wir über eine Klage der Stadt Ödenburg vor der Komiatsversammlung in Csepreg, dass Bischof Stephan Kanizsai und sein Bruder Magister Johann Kanizsai Fischereirechte im Neusiedlersee für Purbach und die am Südufer gelegenen Dörfer Hegykö, Hidegség, Homok und Boz diese Rechte "seit altersher als königliche Schenkung" der Stadt Ödenburg zugeteilt waren.10 Die nun folgende Prüfung der entsprechenden Dokumente durch den Palatin Nikolaus Konth hatte zur Folge, dass das angesprochene Fischereirecht bzw. die "Seemauth"11 bei den Kanizsais verblieb. Wahrscheinlich kann man dies als Basis für Fischer in Form einer Zunft war und der dann alle Fischer im Herrschaftsbereich der Kanizsai - also in erster Linie im Bereich Herrschaft Eisenstadt - angehört haben dürften.

Die Wirtschaftspolitik der Kanizsais, die dem bisher dominierenden Handelsplatz Ödenburg Konkurrenz machte, führte bald zu einem "Handelskrieg". Wie wir aus zahlreichen Klagen, die sogar an den königlichen Hof kamen, erfahren, erschwerte nämlich die Stadt Ödenburg insbesondere den Weinhandel und Weintransport in die südlichen Besitzungen der Kanizsais /in deren Herrschaften Lockenhaus und Bernstein bzw. in Komitat Zala), wobei sich die Königliche Freistadt Ödenburg auf ihr "Niederschlagsrecht"12 bezog und die königlichen Freibriefe der Magnaten nicht an einem neuralgischen Punkt des Handelsweges nach Pressburg und damit in die sogenannten "Oberländer" (heutige Slowakei, Mähren und Schlesien sowie Polen) lag, zu "Revancheakten". Häufig kam es hier - wie zumindest die Ödenburger Kaufleute klagten - zu Schikanen gegen Handelsreisende, die von Ödenburg kamen oder dorthin fuhren. Die Mautner von Purbach bezweifelten nämlich immer wieder die "Mautfreiheit" auf die die Ödenburger auf Grund alter königlicher Privilegien pochten. Es kam zu Streitereien, bei denen die Mautner von Purbach vielfach die Waren der Zahlungsunwilligen beschlagnahmten, was man in Ödenburg als Straßenraub betrachtete. Im Jahre 1385 sah sich sogar Königin Marina veranlasst einzuschreiten, da die Ödenburger klagten, dass sie von den Beamten und Zöllnern der Kanzsais "ausgeraubt, ausgeplündert und misshandelt" werden und nicht mehr ungehindert nach Österreich oder nach Pressburg reisen könnten. Die Königin, die auch etliche konkrete Beispiele solcher Übergriffe in ihrem Schreiben anführte, forderte Graf Nikolaus Kanizsai auf, seine Beamten zu ermahnen, dies abzustellen.13

Das Spätmittelalter war eine unruhige und von Kriegen heimgesuchte Zeit. Als Kaiser Sigismund im Jahre 1437 starb, wurde sein Schwiegersohn, Albrecht II. von Habsburg, sein Nachfolger. Dieser vereinigte zum ersten Mal die österreichischen Erbländer mit den Königreichen Böhmen und Ungarn, doch starb er schon zwei Jahre später an einer Seuche als er ein Heer zur Abwehr eines türkischen Angriffes sammelte. Angesichts der drohenden Türkengefahr wählte eine Mehrheit des ungarischen Adels im Jänner 1440 den erst fünfzehnjährigen König von Polen, Wladislaw III., zum neuen König von Ungarn. Zugleich wurde beschlossen, dass die Witwe König Albrechts, Elisabeth, die damals hoch schwanger war, den umfast 19 Jahre jüngeren polnischen König heiraten sollte. Elisabeth, die bald darauf einen Sohn gebar, weigerte sich, dies zu akzeptieren. Sie brachte mit Hilfe ihrer aus Ödenburg stammenden Hofdame Helene Kottanerin die Stephanskrone an sich und begann Truppen anzuwerben, um die Thronrechte ihres Sohnes Ladislaus ("Postumus") zu sichern. Um das dafür nötige Geld aufzutreiben, wandte sie sich anihre habsburgerischen Schwager, Albrecht VI. und Friedrich V. (später Kaiser Friedrich III.), und verpfändete diesen die Stadt Ödenburg, sowie mehrer westungarische Herrschaften. In dem nun ausbrechenden Bürgerkrieg, der mit Unterbrechungen bis zum Jaren1447 dauerte, geriet Purbach mehrfach in die Hände diverser Söldnerführer, wie Nikolaus de Zeech, Berthold von Ellerbach und die Grafen von St.Georgen-Bösing. Letztere schlossen Purbach - ohne wirkliche Rechtgrundlage - vorübergehend an ihre Herrschaft Ungarisch-Altenburg an, mussten den Besitz aber 1451 wieder abgeben.14

Die eigentlichen Herren von Purbach im rechtlichen Sinn die Kánizsai, hatten sich zunächst auf die Seite der Königin gestellt, doch wechselten sie nach deren Tod im Jahre 1442 zur Partei König Wladislaws, der jedoch schon 1444 in einer Schlacht gegen die Türken bei Varna fiel. Nun anerkannten sie - wie auch alle westungarischen Adeligen - Ladislaus "Postumus" als König von Ungarn, der damals noch unter Vormundschaft seines Oheims Kaiser Friedrich III. stand und - kaum in die Volljährigkeit entlassen - bereits im November 1457 in Prag (wahrscheinlich) vergiftet wurde.

Ungarn kam nicht zur Ruhe. Während nämlich eine Mehrheit des Adels bereits im Jänner des darauffolgenden Jahres Matthias Hunyadi, genannt "Corvinus", zum ungarischen König ausrief, wählten 24 Magnaten - darunter auch die Kánizsai - am 17. Februar 1459 Kaiser Friedrich III. zum Gegenkönig. Wieder drohte Krieg, wobei der Söldnerführer Ulrich von Grafenegg unser Gebiet mit kaiserlichen Truppen besetzte. Schließlich vermittelte Papst Pius II., der ein persönlicher Freund des Kaisers war, einen Kompromiss, der 1463 in den Friedensvertrag von Ödenburg mündete und die westungarischen Herrschaften Forchtenstein, Kobersdorf, Güns und Rechnitz, sowie auch Eisenstadt an Friedrich III. brachte.

Die Kanizsai, die schon bald nach der oben erwähnter Königswahl von Friedrich III. enttäuscht waren, hatte sich inzwischen zu König Matthias gewandt, doch hatten sie durch ihre Wechselpolitik bereits alle politische Glaubwürdigkeit verspielt und verloren endgültig die Herrschaft Eisenstadt, die nun der Kaiser an Johann Siebenhirter, den späteren Großmeister des St.Georg-Ritterordens, weitergab. Siebenhirter behielt die Herrschaft - und damit zumindest Teile von Purbach - auch nachdem Jahre 1477 ein neuer Krieg zwischen den beiden Nachbarstaaten entbrannte und König Matthias das Gebiet wieder für Ungarn eroberte. Ein durch einen Türkenangriff auf Siebenbürgen und auf Kärnten rasch vereinbarter Waffenstillstand hielt nur bis 1481. Wieder wurde unser Grenzland Schauplatz von Kämpfen, die letztlich mit einem Sieg des ungarischen Königs endeten und neben Westungarn auch weite Teile Niederösterreichs in die Hand des Corvinen brachten. Dieser belehnte seinen außerehelichen Sohn Johann mit den Herrschaften Eisenstadt und Forchtenstein. Dich dieser konnte sich nicht lange seines Besitzes erfreuen, da sein Vater, König Matthias Corvinus versuchte vergeblich seine Rechte zu sichern indem er seine Herrschaften dem ungarischen Stadtskommandanten von Wien, Stephan Zápolya, anvertraute. Er musste schließlich alle seine Besitzungen in Westungarn aufgeben und nach Syrmien im Süden Ungarns fliehen.

Da Matthias Corvinus ohne legitimen Nachfolger gestorben war, bewarben sich - unter Berufung auf alte Verträge - sowohl Kaiser Friedrich III. für seinen Sohn Maximilian, als auch der Polenkönig Kasimir für seinen Sohn Wladislaw um die ungarische Krone. Eine Mehrzahl des Adels - überwiegend jene Ober- und Ostungarns - wählten Wladislaw zum König. Erzherzog Maximilian I. (1493-1519), anerkannte diese Wahl natürlich nicht und marschierte in Westungarn ein, nachdem er die Ungarn aus den niederösterreichischen Festungen vertrieben hatte. Sein Heer Stieß bis Stuhlweißenburg vor, wo es aber zu einer Meuterei seiner Söldner kam, die der Kaiser wieder einmal nicht bezahlen konnte. Maximilian musste den Rückzug antreten, wobei die nachrückenden ungarisch-polnischen Truppen Purbach im Sommer 1491 plünderten und schwer verwüsteten.

Der am 7. November 1491 in Pressburg geschlossene Friede zwischen den beiden Thronbewerbern brachte eine folgeschwere Annäherung der Habsburger und der Jagellonen. Diese Aussöhnung sollte nämlich in der Doppelhochzeit in Wien im Jahre 1515 und schließlich 1526 nach dem Tod des ungarischen Königs Ludwig II. in der Schlacht bei Mohacs die endgültige Verschmelzung der beiden Nachbarstaaten Österreich und Ungarn bringen. Für Purbach brachte dies eine Ära, da nun die westungarischen Herrschaften Eisenstadt, Hornstein, Forchtenstein, Kobersdorf, Bernstein, Güns und Rechnitz an den Kaiser und damit unter "österreichische Verwaltung" kamen. Dies sollte bis ins 17. Jahrhundert andauern.

Die Übernahme unter habsburgische Herrschaft und Verwaltung führte dazu, dass im Jahre 1500 für die Herrschaft Eisenstadt ein neues Urbar, also ein Steuerverzeichnis, angelegt wurde, aus dem uns erstmals Familienname und Besitzverhältnisse Purbachs überliefert sind.15 Auffallend ist dabei, dass eine große Zahl an Bauernhäusern - wahrscheinlich als Folge der Kriege der letzten Jahre oder von Seuchen - öd. war. Die "Überlebenden" konnten sich die freigewordenen Grundstücke aneignen, mussten sie aber auch bearbeiten und entsprechende Steuern bezahlen. So kam es, dass Purbach um 1500 eine auffallend große Zahl an Halblehen aufweisen konnte und somit einen wohlhabenden Bauernstand genoss. 16 Im Detail betrachtet besaßen an abgabenpflichtigen Besitz: Hanns Schregkh [Schreck] einViertellehen, Jacob Pfandl ein Halblehen, Simon Hechtl ein Halblehen und die Grundstücke eines öden Nachbarhauses (Halblehen), Thomas Frannckh [Frank] ein Halblehen, Georg Wlich ein Viertellehen, Michael Swanebrger [Schwanberger] ein Dreiachtellehen, Mathes Pawngartner [Baumgartner] ein Dreiachtellehen, Hanns Halbpfaff ein Halblehen, Gilig Held ein Halblehen und die Äcker eines öden Dreiachtellehens, Adam Perger ein Halblehen, Georg Snaider [Schneider] ein Halblehen und die meisten Grundstücke eines öden Ganzlehens, Mert Gernny ein Halblehen, Michael Smugker [Schmucker] ein Halblehen und die Grundstücke eines öden Viertellehens, Paul Hanns ein Halblehen, Andre Halbpfaff ein Halblehen, Michael Arnest ein Halblehen, Wolfgang Ludl ein Halblehen, Hanns Haugin ein Achtellehen, Mathes Sanod eine Viertelhofstatt, Hanns Zillinger und Stefan Pauer eine Viertelhofstatt und die Grundstücke eines öden Viertellehens, Wolfgang Hanffein ein Viertellehen und die Äcker eines öden Halblehens, Wolfgang Hauer die Äcker eines öden Halblehens, Wenzel Tockl ein Halblehen, Georg Pernsch und Peter Pauer ein Halblehen, Zierfuss Murtgeb eine Viertelhofstatt und ein ödes Halblehen, Georg Auer die Grundstücke eines öden Halblehens, Georg Ortter ein Halblehen, Wenzel Rainer und Jörig Krabot ein Halblehen und die Grundstücke eines öden Halblehens, Sigmund Steyer ein Achtellehen, Caspar Pauer ein Halblehen, Thomas Schmid ein Halblehen, Michael Wolgemuet ein Halblehen und die Grundstücke eines öden Halblehens, Georg Zuckl ein Viertellehen und die Äcker eines weiteren Viertellehens, Andreas Hamfein ein ödes Viertellehen, Wolfgang Wolfhart ein Viertellehen und ein weiteres ödes Viertellehen, Stefan Freisinger eine Halbhofstatt und ein ödes Halblehen, Gilig Snabl [Schnabl] ein Halblehen, Mert Pauschenwein ein Halblehen, Georg Pfeiffer ein Viertellehen, Wenzel Smid [Schmid] eine Hofstatt und die Grundstücke eines öden Viertellehens, Sigmund Lechner eine Achtelhofstatt, Hanns Lechner eine Viertelhofstatt, Pröstl Satlspekh [Satlspeck] ein Viertellehen, Jacob Snabl [Schnabl] ein Halblehn, Mathes Litschauer ein Halblehen und ein weiteres ödes Halblehen, Lienhart Hertter eine Viertelhofstatt, Hans Locher eine Achtelhofstatt, Wolfgang Strobl eine Viertelhofstatt, Paul Cramer eine Viertelhofstatt, Georg Ungerl eine Halbhofstatt, Christian Schuester eine Achtelhofstatt, Peter Steffan eine Viertelhofstatt, Wolfgang Gravenwerder eine Halbhofstatt, Florian Waser eine Achtelhofstatt, Wolfgang Ratgeb eine Viertelhofstatt, Georg Schuester eine Viertelhofstatt, Wolfgang Awer [Auer] eine Viertelhofstatt, Bartlmä Frodendorffer, Wenzel Weinstein und Simon Zach eine Viertelhofstatt, Mert Zimmermann eine Achtelhofstatt, Hazl Frannkh [Frank] eine Achtelhofstatt und eine öde Viertelhofstatt und Hans Snayder [Schneider] eine Achtelhofstatt. Weiters gab es in Purbach eine abgabenpflichtige Fleischbank.


Anmerkungen
  1. Urkundenbuch des Burgenlandes. Bs. I. (Bearb. v. Hans Wagner) - Graz-Köln: 1955. S. 377
  2. Dg. = de genere = "aus dem Geschlecht"; später wurde daraus das Adelsprädikat "von".
  3. Urkundenbuch des Burgenlandes. Bd. II. (Bearb. v. Irmtraud Lindeck-Pozza). - Graz-Köln 1965. S. 8 f.
  4. Házi, Jenö: Sopron szabab királyi város törénete. II/1, 1, S.2
  5. Urkundenbuch des Burgenlandes. Bd. IV. (Bearb. v. Irmtraud Lindeck-Pozza). - Graz-Köln 1985. S. 99 u. 100.
  6. "der da liegt zu Purbach am Berg"
  7. Urkundenbuch des Burgendlandes. Bd. IV. (Bearb. v. Irmtraud Lideck-Pozza u. Leonard Prickler). - Eisenstadt 1999. S. 243.
  8. Lehen= Leihgut. Nach frühmittelalterlichem Rechtsbegriffgehörte ein Land einem König, der Teile desselben als Lehen an Adeligen (Herzöge, Grafen etc.) übertrug. Diese gaben Grund und Boden an Bauern gegen bestimmte Leistungen (Natural- und Geldabgaben und Arbeitsleistung d. h. Robot) zur Bewirtschaftung ab. Im Laufe der Zeit entwickelten sich die Lehen zu Erblehen in männlicher Nachfolge. Erst wenn eine Familie ausstarb, konnte der Lehensherr das "Leihgut" neu vergeben. Die bäuerlichen Lehen hatten eine regional örtlich verschiedene Größe und wurden im Spätmittelalter bzw. in der Neuzeit auf Grund einer steigenden Bevölkerungszahl in Halb-, Viertel- und Achtellehen bzw. noch kleinere Einheiten geteilt.
  9. "Regal": lateinisch: "ius regale" = königliches Recht bzw. Vorrecht des Königs bestimmte Güter (wie z.B. Bodenschätze, Wasser etc.) ausschließlich nutzen zu dürfen. Dieses Recht ging später auf den Staat über.
  10. Házi, Jenö: Sopron szabab királyi város törénete. Oklevelek. Bd. I/1. (1162-1406). Nr. 205, S. 137.
  11. Maut = Abgabe
  12. Das Niederlagsrecht war das Recht eines Ortes, von durchreisenden Händlern zu verlangen, dass diese ihre Waren am Markt der Stadt "niederlegen", also zum Verkauf anbieten müssen.
  13. Házi, Jenö: a.a.O. Nr. 279, Seite 209 f.
  14. Nagy, Imre: Sopron vármegye törtenete. Oklevéltár. Bd. 23 (1412-1653). S. 365.
  15. Im Urbar waren nur die steuerpflichtigen Familienoberhäupter bzw. deren Besitzungen verzeichnet. Nicht abgabenpflichtig war der sicher in Purbach ebenfalls vorhandene Besitz von Kirche und Adel (sogenannte Edelhöfe). Dieser wurde daher im Urban auch nicht verzeichnet.
  16. Es gab ein Überangebot an Grundstücken bzw. Lehen, die alle im Eigentum des Grundherren blieben. Von diesen konnte man sich aber nur soviel an "freier" Fläche nehmen, wie viel die betreffende Familie dann auch bearbeiten konnte. Dies erklärt, dass nicht alle ihren Besitz auf ein Halblehen aufstockten.
Frühes Mittelalter: ca. 400 n.Chr.
Hoch-und Spätmittelalter: ca. 1.000 bis 1.500 n.Chr.


Markante Großereignisse:
  • Germanische Völkerwanderung
  • Arabische Völkerwanderung uns Ausbreitung des Islams
  • Das Reich Karl des Großen (814)
  • Kreuzzüge
  • Zeit der Staufer
Ereignisse in der Region des heutigen Burgenlandes:
  • Nach 453:
    herrschen die ostgotischen Fürsten Thiudimer und Widimer im Gebiet des heutigen Burgenlandes
  • 489:
    Hunwulf zieht mit den ihm untergebenen germanischen Stämmen aus Pannonien ab.
  • 600-800:
    Die Awaren sind die Herren Pannoniens. Slawische Besiedlungen des Burgenlandes. Um 750 bayerische Herrschaft und Zugehörigkeit zum Frankenreich.
  • 805:
    Die Awaren werden von Karl dem Großen zwischen Steinamanger und Petronell angesiedelt. Nordburgenland ist Awarenland.
  • 895:
    die Magyaren besetzen die Theißgegend, fünf Jahre später Pannonien.
  • 1000:
    Stephan I. erhält aus den Händen des Papstes Sylvester II. die Königskrone. Stephan organisiert die westlichen Burggrafschaften (Komitate).
  • Seit 1000:
    Deutsche und österreichische Adelsgeschlechter siedeln im Burgenland: Die Grafen Botho, die Jak,...
  • 1074:
    Der Neusiedler See wird das erste Mal genannt: "Vertowe"
  • Vor 1081:
    Unter dem ungarischen König Salomon werden die Petschenegen oder Bissener, ein Reitervolk aus dem Gebiet des Aralsee, am Neusiedler See angesiedelt.
  • 1203:
    Gründung von Klöster der Zisterziensern.
  • 1241:
    Der Mongolensturm setzt ein. Gegen Waffenhilfe erhält Herzog Friedrich II. die Komitate Ödenburg, Wieselburg und Eisenburg von König Bela IV. - erstmals Teile des Burgenlandes bei Österreich.
  • 1242:
    Abzug der Mongolen nach Osten.
  • 1246:
    Schlacht an der Leitha zwischen Bela IV. und Friedrich II. um die Komitate. Friedrich fällt und die Komitate fallen zurück an Ungarn (bis 1921!)
  • Um 1250:
    Die Grafen von Mattersburg-Forchtenstein schaffen sich einen ansehnlichen Herrschaftsbereich.
  • 27.09.1352:
    Ödenburg: Der Stadtrichter und die Ratsgemeinde setzen die Mautgebühren fest.
  • 1373:
    Eisenstadt erhält das Stadtrecht.
  • 1445:
    Kaiser Friedrich III. erobert einen großen Teil des Burgenlandes als Ausgangsbasis zur Erwerbung Ungarns für Habsburg.
  • Um 1520:
    Erstes Auftreten des Protestantismus.
Ereignisse in Purbach:
  • 1270:
    Purpach ("Burgpach") mit castrum (Burg), das dem Nikolaus Buzad-Hahot weggenommen und dem banus Ponych zugesprochen wurde.
  • 1271:
    wird die Burg von Graf Sidou gegen ein österreichisches Heer verteidigt.
  • 1272:
    Das erste Mal ist vom Purbacher die Rede.
  • 1273:
    griff Przemsyl Ottokar erneut die Burg an und zerstörte sie.
  • 1418:
    ist die Kirche im Testament des Jakob von Purbach genannt.
  • 1419:
    Mautstelle in Purbach.
  • 1440-1453:
    Purbach ist als Dorf der Herrschaft Ungarisch-Altenburg im Komitat Wieselburg angeschlossen.
  • 1450:
    18.113 Münzen gefunden (meist österr. Gepräge)
  • 1506:
    Ungarische Truppen ziehen gegen Maximilian I. und stecken Purbach in Brand.
  • 1515:
    ist der Ort Bestandteil der Herrschaft Eisenstadt.
  • 1527:
    Marktrecht Grünwald- oder Türkenschanze im Leithagebirge stammt aus dem Mittelalter oder der frühen Neuzeit.