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Der Purbacher Türke
Die Legende des Wahrzeichen Purbachs
Purbacher Türke An der Bundesstraße, und zwar vom Haupttor Richtung Breitenbrunn, erhebt sich bei den rechts gelegenen kleinen Häusern ein Rauchfang mit einer aus Stein gefertigten Gestalt, die aber nur den Oberkörper zeigen läßt.

Näher angesehen, entdecken wir, dass diese dem Scheine nach aus dem Rauchfange hervorragende Gestalt mit einem Turban versehen, einen Türken darstellt.


Im Jahr 1532, als die Türken neuerlich Wien belagern wollten, geschah es, dass sich einige Horden in der Gegend des Neusiedler Sees herumtrieben. Eine Reiterschar gelangt auch nach Purbach. Als die Purbacher das Herannahen der Türken erfuhren, verbargen sie all ihr Hab und Gut und flüchteten in das nahe Leithagebirge, wo sie sichere Schlupfwinkel wussten. Die Türken fanden das Dorf ganz entvölkert vor und durchsuchten die Häuser nach Nahrungsmitteln.

Ein türkischer Soldat kam in den Weinkeller und gönnte sich einen guten Tropfen Purbacher Wein. Er ließ ihn sich gut munden und trank so viel, dass er nur mehr taumelnd über die Stiege hinaufgehen konnte. Hierauf wollte er noch einiges im Hause suchen . Dabei kam er in eine Kammer und lehnte sich dort an einen Sack, dann seine Füße vermochten ihn kaum mehr zu tragen. Und nun schlief er ein.
Er schlief lange und sein Schlaf hätte noch länger gedauert, wenn ihn nicht ein im Hof überlaut geführtes Gespräch aufgeweckt hätte. Er horchte. Ja, das war nicht seine Muttersprache. Wo waren nur seine Kameraden? Sogleich wurde ihm alles klar. Während er schlief, waren seine Kameraden abgezogen, die Bewohner hingegen heimgekehrt. Da er bei Tageslicht an eine Flucht nicht denken konnte, versteckte er sich. Gleich darauf wurde die Türe geöffnet und es traten zwei Männer ein. Sie hielten Nachschau; da sie aber nichts Verdächtiges bemerkten, entfernten sie sich wieder.

Als es finster geworden war, tastete er sich an den Wänden entlang und erreichte schließlich die Küche, wo der Mond durch den Schornstein schien. Er stieg auf den Herd und hoffte, durch den Rauchfang zu entkommen. Aber es war ihm nicht möglich, die oben im Rauchfange quer liegenden Stangen zu erreichen. Daher kehrte er in die Kammer zurück und suchte nach einem Stricke - und richtig fand er einen. Diesen warf er nun über die Stangen und half sich so hinauf. Mühsam erreichte er den obersten Teil des Rauchfange, bis er endlich seinen Kopf hinausstecken vermochte.

Er war froh, dass er endlich frei atmen konnte. Als er aber Umschau hielt, wie er hinuntergelangen könnte, hörte er draußen von der Gasse ein Laufen und Schreien. Wie eine Schnecke zog er seinen Kopf zurück und wartet, was nun geschehen werde. Nicht lange, da öffnete man unten im Hause die Tür. Die herbeigeeilten Bauern deuteten aber jetzt unter zornigen Rufen nach dem Rauchfang. Der gefangene Türke wollte hinausklettern, um zu entfliehen. Kaum hatte er jedoch seinen Kopf beim Rauchfang hinausgesteckt, da sah er mit Entsetzen, dass die Gasse voll bewaffneter Bauern war. Sie schrien und drohten ihm mit den Fäusten. Da zog er sich wieder in den Rauchfang zurück und rührte sich nicht, trotzdem sie ihm später zuredeten und ihn ermunterten herunterzusteigen.

Zuletzt gab einer den Rat, man möge den Flüchtling ausräuchern. So geschah es auch. Man machte Feuer, der Rauch wurde dem Türken unerträglich und da musste er aus dem Rauchfange heraussteigen. Man holte ihn nun mittels einer Leiter von dem Dache herab und führte ihn in das Gefängnis. Jetzt versammelte sich der Gemeinderat, um zu beraten, was mit dem Soldaten geschehen solle. Das Urteil lautete: Es geschieht ihm nichts, wenn er den christlichen Glauben annimmt. Damit er aber der Gemeinde nicht zur Last fällt, wird er dem Besitzer des Hauses, in dem er gefangen wurde, als Knecht ins Eigentum übergeben. Der Türke war mit dem Urteil zufrieden. Er ließ sich taufen, lernt deutsch und blieb fortan im Hause seines neuen Herrn.

Nach dem Tode des Knechtes ließ der Bauer einen Türkenkopf aus Stein meißeln und setzte diesen auf den gleichen Rauchfang, wo der türke gefangen worden war. Der Purbacher Türke, so wurde das Steinbild genannt, ist heute noch am Hause Schulgsse 9 zu sehen.


Der historische Hintergrund der Sage läßt sich nicht mehr erfassen. Von einer Taufe des Türken ist nichts bekannt. Wohl aber wurde am 7. Dezember 1669 im Hause des Johann GABRIEL in Purbach ein Türke getauft. Am 15. November 1669 wurde eine Türkin getauft, deren Pate der Richter Johann HACKSTOCK war.