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Purbacher Rundgang

Türkentor

Türkentor

[01]


Am Tor sind heute noch die Vorrichtungen für die Zugbrücke und die kleine Eingangstür erhalten.

1630 - 1634 wurde die Befestigungsanlage errichtet. Drei stark bewehrte Tore ermöglichten und schützten den Zugang.

Befestigungsanlage

Befestigungsanlage

[02]
mit 3 Wehrtoren

Neben dem Haupttor, dem sogenannten Türkentor, gibt es noch 2 weitere Tore:


Das Bruckertor, Richtung Breitenbrunn


Das Rustertor, Richtung Donnerskirchen;


Das Rustertor wurde 2007 vollständig renoviert.
Ursprünglich stand es im geschlossenen baulichen Verband,
wie auch das Bruckertor noch heute.

Rustertor - Zeichnung von 1925

Ruster Tor vor der Renovierung (1989); freigelegte Schießscharte; Teilansicht



Purbach mit Befestigungsanlage
Kupferstich von Justus van Nypoort, 1689

Der Schmied beim Tor

Der Schmied beim Tor

[03]
Hauptgasse 3

Hier gab es seit 1591 eine Schmiede. 1653 errichteten in diesem Hause der Purbacher Bärtlme Melzer die Purbacher Schmiedezunft.

Das Haus am alten Markttor, Hauptgasse 3, gehört der Familie Filz. Es zählt zu den schönsten alten Hofstatthäusern im Ort, ist stockhoch und besitzt einen Säulengang. Dieses Haus diente jahrhundertelang den Hufschmiedemeistern als Werkstatt und Wohnung.

Nach dem Herrschaftsurbar aus 1569 gehörte die Hofstatt Mathias Claus. Er starb 1595. Sein ältester Sohn Hans erbte das Gut. Im Jahre 1603, also noch vor dem verherrenden Einfall der aufständischen Haiducken Stephan Bocskays, starb Hans Claus. Seine Witwe Catharina hatte keine "Leibeserben". Sie heiratete den Schmiedemeister Leopold Wimmer, der 1629 als Besitzer der Hofstatt aufscheint. 1634 verstarb Leopold Wimmer. Seine Witwe überließ die Schmiede dem Meister Andre Ellnprein mit der Bedingung, daß sie "ihr Leben lang freie Herberg haben sollte".

1644 scheinen Georg Reichardt und seine Ehefrau Eva als Besitzer auf. Reichardt scheint auch als Ratsbürger auf und verstarb 1649. In seinem Testament setzte er seine Frau als Universalerbin ein. Sie heiratete 1650 Bärtlme Melzer.

1653 baten die Meister Bärtlme Melzer, Mathes Scherr zu Kleinhöflein, Hans Wollrab zu St.Margarethen, Jacob Schefer zu Donnerskirchen, Gregor Trukaschitz zu Gschiess und Paul Radonitsch zu Oslip den Fürsten Paul Esterhazy (1652 - 1713) um die Erlaubnis, in Purbach eine Zunft der Hufschmiede "aufrichten" zu dürfen. Der Fürst willigte ein und Bärtlme Melzer wurde "verordneter Vater und Zechmeister".

Bis zum Jahre 1700 gehörten die Meister, Gesellen und Lehrjungen aus Purbach, Kleinhöflein, St.Georgen, Gschies, Donnerskirchen, Oslip, Oggau, St.Margarethen, Trausdorf, Zagersdorf, Podersdorf und dem Schloßgrund Eisenstadt der Purbacher Zunft an. In den unruhigen und unsicheren Jahren 1658 und 1659 scheint Bärtlme Melzer als Hufschmied und bestellter Wachtmeister auf. Seine Frau Eva starb 1658.

1659 heiratete er die Tochter des Steinmetzmeisters Rauschmayr - Eva Rauschmayr. Meister Melzer starb 1683, noch vor dem Einfall der Türken in Purbach, im Alter von 77 Jahren. Nach seinem Tod ging es mit der Purbacher Schmiedezeche rasch bergab. Es folgten untüchtige Zechmeister, woraus dem Handwerk Schaden erwuchs. Die erbosten auswärtigen Meister wandten sich 1701 an Fürst Paul Esterhazy und baten um Erlaubnis, beim Schloß in Eisenstadt, eine neue Schmiedezunft "aufrichten" zu dürfen. Nach Errichtung der neuen Zunft verließen die meisten Meister die Purbacher Zeche.

1686 heiratete die Witwe nach Meister Melzer den Junggesell Paul Händl. Sie verstarb 1691. Paul Händl heiratete noch im gleichen Jahr Christine Graf. Er starb 1710. Seine Witwe heiratete 1712 den Schmied Thomas Zailler und verstarb 1715 im Alter von 40 Jahren. Thomas Zailler heiratete ein zweites Mal 1720 und starb 1746 im Alter von 78. 1751 kauften der Schmiedmeister Johann Georg Mayer und seine Frau Clara das Haus um 380 Gulden.

Im Jahre 1756 wandten sich die Purbacher Schmiedmeister an Fürst Paul Esterhazy (1721-1762) und baten ihn, ihre alten Handwerksprivilegien zu konfomieren. Im Einvernehmen mit der Eisenstädter Schmiedezunft genehmigte der Fürst, daß künftighin zwei Meister in Donnerskirchen und die drei Meister in Oggau der Purbacher Zunft einverleibt bleiben sollten.

1765 verstarb die Hufschmiedmeistern Clara Mayer. Im gleichen Jahr heiratete der verwitwete Georg Mayer die Tochter des Mattersburger Zimmermeisters Anna Maria Angerer. Georg Mayer verstarb 1771 und hinterließ seine Frau Anna Maria und 4 Halbwaisen. Die Witwe heiratete im gleichen Jahr den Hufschmied Leopold Pfeller aus Fischamend in N.Ö. Sie verstarb 1774. Im Jahre 1775 heiratete Leopold Pfeller die Jungfrau Magdalena Mötzl. Mit Leopold Pfeller endet die Reihe der Schmiedemeister in der Hofstatt beim alten Markttor.

Der nächste Besitzer war der Landwirt Franz Rauchbauer, der Sohn eines Hufschmieds. Mit 38 Jahren heiratete er 1823 die Witwe Anna Maria Tinagl. Dieser Ehe entsprossen zwei Kinder. Nach seinem Tod 1831 heiratete seine Witwe ein drittes Mal- den Landwirt Anton Lazarus. Der Sohn Joseph Rauchbauer erbte die Hofstatt und heiratete 1847 Elisabeth Wallhofer. Im Urbar 1872 scheint Joseph Rauchbauer noch als Besitzer der Hofstatt auf. 1874 kauften Stefan und Therese Filz aus Neusiedl die Hofstatt von Josef Rauchbauer und betrieben eine Landwirtschaft.
Sonnwendstein

Sonnwendstein

[04]
Ecke Hauptgasse / Schulgasse

Zur Zeit der Sommersonnenwende strahlt die untergehende Sonne durch beide Tore und erhellt dafür für kurze Zeit einen Randstein. aufgestellt von Roman Opitz, Obmann des Ortsvereines(1988).
Hauptgasse 10

Hauptgasse 10

[05]
Privatzimmer zu mieten

Dieses ehemalige Halblehenshaus gehörte zur Zeit des Stadtmauerbaus (1630 - 1634) dem Marktrichter Valtin Pauer - heute der Familie Moser.

Hauptgasse 14

Hauptgasse 14

[06]


Hier ist in einem der drei hintereinander liegenden Weinkeller ein Stein mit der Jahreszahl "1666" und den Initialen " M K" eingelassen. Damals gehörte das Halblehenhaus dem Bauern Mathias Kummer. 1668 ließ er gemeinsam mit seinem Bruder auf dem Schönberg eine Florianisäule errichten.
Hauptgasse 26

Hauptgasse 26

[07]


Das Haus gehörte einst dem Grafen Harrach in Bruck, sein Wappen war im Hausflur zu sehen. Um 1630 war das Halblehenshaus im Besitz des Gegenrichters Martin Kern (Krenn), der die Aufgabe hatte den tätigen Weinkauf und die Brandzeichen auf den Weinfässern zu kontrollieren und bei deren Weiterverkauf nach Niederösterreich einen Passierschein auszustellen.
Raiffeisenplatz

Raiffeisenplatz

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Ortsmitte

Früher hieß er "Orientplatz", benannt nach Josef Orient, dem wohl berühmetesten Purbacher. Er wurde 1677 geboren, studierte Malerei und starb 1747 als Vizedirektor der Akademie der bildenden Künste in Wien.

In der Mitte des Platzes steht eine Mariensäule, die Frauensäule. Hier stand früher der Pranger, das Zeichen der Marktgerechtigkeit.
Das Baderhaus / Schebekhaus

Das Baderhaus / Schebekhaus

[09]
Raiffeisenplatz 3; Pestsäule

Pestsäule aus dem Jahre 1713. Auf einer mit Weinlaub umrankten korinthischen Säule stehen die Himmelskönigin mit den Pestheiligen Sebastian und Rochus.

Zu den interessantesten Häusern am Raiffeisenplatz in Purbach zählt das Haus Nr.3, das von den Besitzern, der Familie Schebek, vorbildlich und liebevoll gepflegt wird. Das Haus steht unter Denkmalschutz.



Vor dem Einfall der aufständischen Haiducken des Fürsten Stephan Bocskay im Jahre 1605 besaß Mattes Müllner das Viertelhaus. Er starb 1607. Wegen der übermäßig großen Schulden des unschuldig veramten Müllners wurde es verkauft und als Achtelhaus mit einem Achteilweingarten eingestuft.

Es wurde von dem "ehrenfesten Herrn Franz Dury, Diener des Erzherzogs Maximilian von Österreich (1558 - 1618) und Bürger zu Neustadt " erworben. Bei diesem Haus läßt sich also der Wiederaufbau mit dem Jahre 1613 fixieren. Franz Dury scheint im Purbacher Waisenbuch bei einigen Bauern in den Abhandlungen auf - er dürfte Geld verliehen haben, das damals in Purbach knapp war.

1636 starb Anna Kiesling und das Achtelhaus wurde auf 520 Gulden geschätzt. 4 Überlandweingärten wurden mit 452 Gulden bewertet, nach Abzug der Schulden verblieben dem Witwer und den 4 Halbwaisen 544 Gulden. 1640 starb Ander Kiesling. Er hatte ein zweites Mal geheiratet - die Witwe Magdalena blieb mit 3 Halbwaisen zurück. Sie heiratete Thomas Leytkopf, der nicht katholisch war. Magdalena Leytkopf starb 1643. Der Witwer heiratete ein zweites Mal 1644.

Nach dem "Gwöhrbuch" erwarben 1665 Georg und Maria Sandhofer die Achtelwirtschaft um 600 Gulden rheinisch von Thomas Leytkopf. Georg Sandhofer, "Sohn des Gregor Sandhofer, gew. Mitnachbar zu Purbach und Ena, seine Hausfrau, beider eheleiblicher Sohn " hatte 1660 die "ehrentugendreiche Anna Maria, Tochter des ehrenfesten Herrn Michael Pauer, Ratsbürger und Ena, seine Ehefrau" geheiratet. Georg Sandhofer starb 1704 im Alter von 70 Jahren. Die Witwe Maria und 6 Halbwaisen erbten den Besitz. Als die Witwe 1710 starb, übernahm der Sohn Michael Sandhofer die Wirtschaft. Er starb 1736.

Im Urbar 1750/1767 scheinen Michael und Maria Sandhofer als Hausbesitzer auf, sie hatten die Wirtschaft in den Jahren 1736 und 1737 geerbt. Als nächster Besitzer scheint Bindermeister Franz Seeberger auf. 1785 hatte er Gertraud, die Tochter des Breitenbrunner Landwirts Johann Mayr und seiner Ehefrau, Elisabeth, geheiratet. Sie starb 1798, das Söllnerhaus wurde auf 150 Gulden geschätzt. 1806 verstarb Franz Seeberger. An die Familie Seeberger erinnert die bekannte Haussage vom "Bootsunglück auf dem Neusiedler See 1822 ", bei der der 17-jährige Sohn Mathias neben zehn anderen jungen Leuten ertrank.

Bindermeister Seeberger heiratete ein 2. Mal. Nach seinem Tod 1806 heiratete seine Witwe 1806 den Bindermeister und Junggesellen Simon Suttner, der aus Auerbach in der Oberpfalz stammte. Er war schon als Lehrjunge nach Purbach gekommen, um das Binderhandwerk zu erlernen. Als Meister ließ er dann Lehrjungen aus Auerbach nachkommen, die er dann ausbildete. An diese Zeit erinnern die Initialen und die Jahreszahl an der eisernen Kellertür " KSU 1828 SSU ". 1847 starb der Bindermeister Simon Suttner. Da noch Geschwister in Auerbach lebten, wurde das Haus versteigert.

Der "Chyrurg" Bernhard Meditsch ersteigerte das Haus mit dem Meistgebot von 3121 Gulden. Er hatte 1829 Catharina, die Tochter Catharina Suttner aus erster Ehe geheiratet. Mit Bernhard Meditsch kam ein "Chyrurg" in das Haus und richtete im Hof eine kleine Apotheke ein. Er erwarb sich große Verdienste um die Gemeinde, als 1830 eine verheerende Choleraepidemie ausbrach und er alle Erkrankten behandelte. Als Dank für seine Bemühungen und seine Hilfe sollen die Bewohner der Überlieferung nach die alte Pestsäule aus dem Jahre 1713 vor seinem Haus aufgestellt haben, wo sie noch heute steht. Er starb 1858 im Alter von 60 Jahren, seine Frau Catharina erreichte ein Alter von 82 Jahren und starb 1885.
1872 heiratete die Tochter Franziska Meditsch Franz Schebek, der aus Bruck/Leitha stammte.

Seit dieser Zeit besitzen Nachkommen der Familie Schebek das Haus.
Gemeindehaus

Gemeindehaus

[10]
Hauptgasse 38

Nach dem Urbar aus dem Jahre 1527 gehörte das Lehenshaus dem "Schmucker zu den Scharpffenegkh", sein Hold hies Bartl Pamer. Die Burg Scharfeneck war zur Zeit König Sigismunds (1410 - 1437) um 1417 auf einer der schönsten Anhöhen des Leithagebirges erbaut worden. Zur Herrschaft Scharfeneck gehörten die Gemeinden Mannersdorf, Sommerein, Hof und Au. Das Herrschaftsgebiet lag diesseits der Leitha, gehörte aber noch zur Zeit der Regierung Kaiser Josefs (1780 - 1790) zum Bistum Raab.

Als die Purbacher Fleischhauersgattin Gertrud Wurm 1661 starb, hinterließ sie neben einem Halblehenhaus ("Zum Purbacher Türken") im Wert von 845 Gulden, eine "Ganzlehensbehausung in die Herrschaft Scharfenegg gehörend" im Wert von 1120 Gulden. Bei einer erwähnten Ganzlehensbehausung handelt es sich um das sog. "Hölzl-Haus" in der Hauptgasse 38. Im Urbar aus dem Jahre 1675 scheint der "kaiserliche Untertan" Michael Kummer als Besitzer auf. Er ließ, zusammen mit seinem Bruder Mathias 1668 die Florianisäule auf dem Schönberg errichten.

Der Oggauer Fleischhauermeister Lorenz Hölzl heiratet die Witwe Ethofers und erwarb auch die zweite Hälfte des Hauses - Hölzl-Haus. Die Ehe blieb kinderlos. Sein Neffe Martin Hölzl, ebenfalls Fleischermeister aus Oggau, erbte die Wirtschaft. Er heiratete 1896 Magdalena Neumayer, eine Purbacher Bäckermeistertochter. 1898 legte eine Feuersbrunst die ganze Häuserseite, darunter auch das Hölzl-Haus, in Asche. Dazu kamen mehrere Mißernten, sodaß die Familie gezwungen war, die Wirtschaft zu verkaufen.

Die Gemeinde Purbach erwarb das Haus und begann mit dem Umbau. Sie richtete im 1.Stock dem ersten akademisch ausgebildeten Gemeindearzt Dr. Adolf Gerö eine Wohnung und eine Ordination ein. Dann richtete sie eine Schulklasse ein, die aus dem Schüttkasten adaptiert wurde. Diese Schulklasse wurde 1905 feierlich eingeweiht. 1912/13 wurde eine weitere Schulklasse im Haus aus einer Kammer und einem Stall errichtet. Diese beiden Klassen verwendete man von 1916 bis 1918 als Rekonvaleszentenheim für verwundete Soldaten. Nach dem Anschluß des Burgenlandes an Österreich 1921 fand die Gendarmerie im 1.Stock eine Unterkunft. Die Schule wurde geschlossen und 1927 wurde der Bau einer neuen Volksschule beschlossen.

Dank der zentralen Lage wurde eine Milchsammelstelle eingerichtet. Die Gemeidehebamme hatte im Haus ihre Wohnung und es gab eine Mütterberatungsstelle. Im 1.Stock hatte der Kreisarzt Dr.Adalbert Czadilek seine Wohnung und Ordination. Deshalb wird dieses Gebäude auch "Doktor-Haus" genannt. Zum ältesten Teil des Gebäudes gehört der Weinkeller.

Nach drei Jahren Renovierung (1991-1994) ist dieses Haus heute das "Gemeindezentrum", wo die Verwaltung untergebracht ist, ein Museum, und die Touristinformation.
Gemeindekeller

Gemeindekeller

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Hauptgasse 27

Scheint im Urbar aus dem Jahre 1675 auf. Die Gemeinde besaß damals Weingärten, die sie jeweils von zwei "Weinherren" bewirtschaften ließ. Der Gewinn kam der Gemeinde zugute, sie verwendete das Geld zum Bezahlen der jährlichenh Zinsen für ausgeliehene Gelder.
Hauptgasse 58/60

Hauptgasse 58/60

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In diesem Haus wurde 1940 ein Krug mit 18.112 Silbermünzen gefunden, der im Jahre 1456 dort vergraben wurde. Der Tonkrug mit den Silbermünzen wird im Burgenländischen Landesmuseum in Eisenstadt aufbewahrt und ausgestellt.
Hauptgasse 62

Hauptgasse 62

[13]
(visavis)
Rückseite der Nikolauszeche


Stiefelgasse

Stiefelgasse

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1696 erlaubte Fürst Paul Esterhazy (1652-1713) die Errichtung von 32 Kleinhäusern an "unterschiedlichen Orten" innerhalb der Marktmauern. Damals entstand die "Stiefelgasse" nahe dem "Ruster Tor" mit 18 "Klein-oder Neuhäuslern". Der Name der Gasse hängt mit ihrem winkeligen Verlauf zusammen - mit einiger Phantasie kann man Schuh, Absatz und Schaft unterscheiden.



So wie die Häuser der Lehenbauern im Ort, stehen auch die Kleinhäuser eng aneinandergereiht, da die Zeit damals noch unsicher und kriegerisch war und die Baufläche im Ort knapp. Brach aber ein Feuer aus, so waren die Folgen verheerend, denn die Schilfdächer brannten wie Zunder. Neben den 18 Häusern in der Stiefelgasse wurden 9 Kleinhäuser beim "Brucker Tor", 3 beim "Türken-Tor" und 2 beim "Ruster-Tor " an die innere Marktmauer gebaut.

Ein solches Kleinhaus umfaßte, wie der Name schon sagt, eine kleine Küche und eine Stube, eine Kammer, einen Keller, einen Stall und darüberliegend einen Heuboden. Der Hof war ziemlich schmal. Das Kleinhaus bot Raum für eine Familie samt den Kindern. Die Erbauer und Besitzer, meist ehemalige Inwohner, auch "Holden" genannt, fütterten im Stall eine Kuh oder Ziege und ein Schwein. Meist besaßen sie ein oder zwei Überlandweingärten, die sie bewirtschafteten und wovon sie recht und schlecht leben konnten. Nebenbei gingen sie noch in den Taglohn. Nach drei Freijahren, also 1699, wurden die "Neuhäusler" der Grundherrschaft dienstbar und es waren 5 Gulden Kontraktgeld im Jahr zu bezahlen.

1702, also knapp vor Beginn des Kuruzzenkrieges (1703 - 1712), gestattete der Fürst den Bau von weiteren 32 Kleinhäusern, "außer des Markts gegen den See hin" - sie stehen in der heutigen "Unteren Bahngasse". Die Gasse wird im Volksmund auch "Bodentürlgasse" genannt, weil der Bodeneinstieg wegen der Enge des Hausplatzes von der Gassenseite her über eine Leiter erfolgte. Auch diese Häuser waren aus Sicherheitsgründen eng aneinandergebaut. Bei einem Feindüberfall konnten die Bewohner rasch durch das nahegelegene "Ruster-Tor" hinter den Marktmauern Schutz suchen.

Man unterschied nun "innere" und "äußere " Neuhäusler im Dorf. Das "Ruster-Tor" wurde nun auch "Kleinhäusler- oder "Häusler-Tor" genannt. Die Neuhäuser außerhalb der Marktmauer waren etwas geräumiger, vor allem der Hof war breiter angelegt. Als diese "Neuhäusler" 1705, also während des Kuruzzenkrieges, der Grundherrschaft dienstbar wurden, waren pro Haus 1 Gulden 15 Kreuzer Quartalsgeld im Vierteljahr zu bezahlen.

Im Urbar aus dem Jahre 1710 sind alle 64 "Neuhäusler" namentlich angeführt. Für die 64 Kleinhäusler wurden jährlich 320 Gulden an die Herrschaft in Eisenstadt an Hauszins abgeführt. Noch 1725 scheint dieser Betrag in den Abrechnungen der Gemeinde auf.

Die Witwen und Witwer waren begehrte Heiratspartner, wenn sie ein solches Kleinhaus hatten.

Als das Marktgericht von den 64 Neuhäuslern "Pfarr-,Wacht-und Rauchfangkehrergeld" einheben wollte, weigerten sie sich dies zu bezahlen und es kam zum Streit mit der Gemeinde, der erst im Jahre 1712 beigelegt werden konnte.

Am 2. Mai 1712 kam es im Schloß Eisenstadt, im Beisein " des wohl gestrengen Herrn Emmerich Madaross, des hochfürstlichen Palatino Güter-Präfekten und des Buchhalters, Herrn Stephan Josef Rharra " zu einer Einigung der Streitparteien über die Zahlungen der "Neuhäusler" an die Gemeinde. Demnach hatten die "Neuhäusler an Pfarrgebühren und Wachtungskosten" jährlich je 39 Kreuzer zu entrichten. Mit dem Rauchfangkehrer sollten sie sich "des Kehrens wegen in Sonderheit abfinden".

Das Marktgericht hatte während der Streitigkeiten, im Einvernehmen mit dem Rentamt in Eisenstadt, "bei den Neuhäuslern 15 Eimer Wein, jeden per 4 Gulden und 18 Eimer Wein, jeden per 4 Gulden 30 Kreuzer, zusammen also 140 Gulden " beschlagnahmt. Dieser Wein sollte nun bei der Schuldenbegleichung abgerechnet werden, der übrige Schuldenrest war in drei gleichen Jahresraten abzuführen. So schuldeten z.B. der 1712 verstorbene "Neuhäusler" Hans Pauer 3 Gulden "Wacht-und Pfarrgeld" und 42 Kreuzer "Rauchfangkehrergeld".

Ein "Neuhäusl" innerhalb der Marktmauern wurde 1698 auf 70 Gulden geschätzt. Man kennt auch die Namen der am Bau der Häuser beteiligten Handwerker. So schuldete die 1699 verstorbene Eva Elpogen dem Maurermeister Hans Roiss 6 Gulden und dem Zimmermeister Michael Wallner 3 Gulden.

1702 hinterließ der "Neuhäusler" Jacob Milner ein Haus im Wert von 140 Gulden, einen Weingarten in der "Breitmoos" um 170 Gulden, eine Kuh, ein "Nährschweindl" und einen Frischling. Unter den Hausbesitzern findet man vereinzelt Handwerker, vor allem Schuster-und Schneidermeister.

Die 1712 verstorbene Sophie Küssling hinterließ ein "Neuhäusl" im Wert von 100 Gulden, einen Weingarten in der "alten Winklerhut" um 170 Gulden, einen in den "Edelgrabern" um 100 Gulden, einen im "Osdorfer" um 102 Gulden, einen im "Saurießl" um 60 Gulden und einen öden Weingarten um 5 Gulden. Ferner einen Silberbecher, 12 Lot schwer um 9 Gulden, ein grün samtenes Mieder, ein schwarzes Mieder, einen übertragenen Weiberpelz um 10 Gulden - insgesamt also 696 Gulden. Nach Abzug der Schulden verblieben dem Witwer und den 4 Halbwaisen 495 Gulden. Diese Familie zählte zur wohlhabendsten unter den "Neuhäuslern".

Nach dem Kuruzzenkrieg, der auch Purbach in Mitleidenschaft gezogen hatte, brach die Pest aus. In Purbach trat sie im September 1713 bei den "äußeren Neuhäuslern" auf. Das erste Pestopfer war die 60 Jahre alte Christine Schüller. Schließlich erfaßte der Bader Jakob Wilt den Ernst der Lage und erkannte die Gefahr - helfen konnte aber auch er nicht.

Nach 1850 dürfte es in Purbach eine große Wohnungsnot gegeben haben. In manchen Kleinhäusern hausten bis zu 3 Familien in den engen Wohnungen. Es grassierten Infektionskrankheiten, die Kindersterblichkeit war außerordentlich groß und vor allem fand die Tuberkulose ideale Bedingungen zur Ausbreitung vor.

1852 verkaufte Paul Schüller sein Kleinhaus in der Stiefelgasse Nr. 10 und wanderte mit seiner Frau und den beiden Kindern aus.
Nikolauszeche / Das Bethaus

Nikolauszeche / Das Bethaus

[15]
ein Juwel aus der Renaissancezeit

Das Gebäude hat im Laufe der Jahrhunderte verschiedenen Zwecken gedient. Im Volksmund wird es auch als das "katholische Bethaus" oder "Kloster" bezeichnet. Bereits 1551 wird die Nikolauszeche urkundlich erwähnt. Es war eine geistliche Zeche, die zur Pfarrkirche Purbach gehörte und dem Kichenpatron geweiht war.


Heute befindet sich dieses Haus in Privatbesitz, und ist nicht öffentlich zugängig. Nebenan wurden mietbare Appartments errichtet.

Angeblich war es ein Paulinerkloster und die Mönche besorgten damals in Purbach die Seelsorge. Es soll auch einen unterirdischen Verbindungsgang, einen Fluchtweg vom "Kloster" bis zum "Kloster am Spitz" gegeben haben.

Schriftliche Urkunden darüber fehlen, wie überhaupt die geschichtlichen Quellen wenig ergiebig sind. Auch in den Urbaren, den Häuserverzeichnissen, fehlen Hinweise. Sicher ist, daß der Renaissancebau, der zu den schönsten im Burgenland zählt, in der Mitte des Marktes, im ältesten Viertel Purbachs, steht. Man vermutet, daß anfangs handwerklich orientierte geistliche Bruderschaften im Haus wohnten.

Im Urbar des Jahres 1515 wird ein ödes "Frühmeßhaus" erwähnt. Damals gab es neben 79 "behausten" Gütern 18 öde. In dieser Zeit waren die Fischer in der naheliegenden Fischergasse ansässig. Der See reichte damals bis an den Dorfrand. Er war sehr tief und die haushohen Sturmwellen während eines Unwetters waren von den Fischern gefürchtet.

Der Sage nach war der Neusiedlersee von heidnischen Wassergeistern und Nixen bevölkert, die alljährlich nach Menschenopfern verlangten, um sie in die Tiefe zu ziehen. Der "Frühmesser" las täglich, zeitig in der Früh, bevor die Fischer mit den Netzen hinausfuhren, eine Messe, wofür er ein Benefizium genoß. Der Hl.Nikolaus ist nicht nur der Schutzpatron der Pfarrkirche, sondern auch der Schiffer und Fischer. Wenn die Fischer von ihrer Ausfahrt zurückkamen, reichten sie dem "Frühmesser" einen Fisch.

1550 soll der erste namentlich bekannte Purbacher Pfarrer, der Weltgeistliche Peter Schopf (Schabder) in dem "Gepäu" gewohnt haben. Er war vorher Pfarrer in Großhöflein und beherrschte neben der deutschen und lateinischen auch die kroatische Sprache. 1571 war er bereits Pfarrer in Wienerherberg und neigte dem Luthertum zu.

Im Stock des Hauses befindet sich eine Stube mit einem schönen Renaissanceportal, in der sich ein Lavabo aus Sandstein und darüber ein Holzkästchen befindet - vielleicht diente sie als Kultraum. Bereits 1551 war eine Nikolauszeche urkundlich erwähnt. Es war dies eine geistliche Zeche, die zur Pfarrkirche Purbach gehörte und dem Kirchenpatron geweiht war. Zu diesem Benefizium gehörten 3 Weingärten, die von einem Zechmeister bewirtschaftet wurden. Der jeweilige Zechmeister wurde vom Pfarrer bestellt.

Als 1556 der lutherische Pfarrer den Gottesdienst in der Kirche feierte, soll sich die klein gewordene katholische Glaubensgemeinde im "Bethaus" versammelt haben. Als das Blatt sich später wendete und die "Evangelischen" verfolgt wurden, sollen diese im "Bethaus" ihre Andachten abgehalten haben. An diese Zeit erinnert die steinerne Lutherrose oberhalb der alten Weinpresse.

1593 beschwerte sich der katholische Pfarrer Felix Grundtner, daß die Gemeinde dem Mitnachbarn Andreas Pölzl das "Frühmeßhaus" verkauft hatte, das eigentlich der katholischen Pfarre gehöre. In diesem Haus versammelten sich an den Sonntagen die evang. Glaubensbrüder, die Geschworenen und Vornehmen des Marktes und der Marktrichter selbst hielt die Predigt und las aus der Bibel vor.

Will man die Vorbesitzer des Hauses kennenlernen, muß man das "Purbacher Haus-Gwöhrbuch" zu Rate ziehen, das von der Eisenstädter Herrschaftsobrigkeit 1609 angelegt wurde, nachdem der Ort 1605 von den aufständischen Heiducken des Fürsten Stephan Bocskay verwüstet und niedergebrannt worden war.

1609 scheint Wolf Weninger als Hausbesitzer auf. Seine Witwe Gerdrauth heiratete 1629 Matheß Schwarz, der das Haus übernahm. Er starb 1645 an der Pest. 1651 scheinen Jacob und Agnes Grassinger als Hausbesitzer auf. Jacob Grassinger starb 1653. 1659 war Jacob Käppel Besitzer und verstarb 1662.
1675 kauften Martin und Maria Röhrter die Hofstatt um 80 Gulden von Paul Prickler. 1689 kauften Georg und Barbara Gängl die Hofstatt Martin Röhrter um 60 Gulden ab.

Graf Nikolaus Esterhazy (1622-1645), ein großer Marienverehrer, verhalf der Gegenreformation in der Herrschaft Eisenstadt mit Hilfe der Jesuitenmission zum Durchbruch. An diese Zeit erinnert die barocke Glockenmadonna, die Patrona Hungariae, Beschützerin Ungarns, die mit dem ungarischen Könisgszepter in der linken Hand und dem Jesuskind auf dem rechten Arm über dem Eingangstor thront.

1672 erwarb Paul Prickler das Haus durch Tausch gegen ein anderes. 1675 kauften Martin und Maria Röhrter die Hofstatt um 80 Gulden von Paul Prickler. 1689 kauften Georg und Barbara Gängl die Hofstatt von Martin Röhrter um 60 Gulden 1697 kauften der Hufschmied Hans Scheibstock und seine Frau Margarethe die Hofstatt von Georg Gängl um 100 Gulden und richtete eine Schmiedewerkstatt ein.

Paul Scheibstock erwarb das Haus von seinem Vater nach Hinauszahlung der Erbportion in Höhe von 55 Gulden um 170 Gulden. Am 28. April 1697 heiratete er Barbara, die Tochter des verstorbenen Halblehners Martin Hudy und seiner Ehefrau Anna. 1709 und 1710 scheint in den Pfarrmatriken ein "Paul Scheuchenstock" auch "Scheichenstock" als Kirchenvater auf. 1714 und 1719 war Paul Scheibstock Ratsbürger. 1718 ließ er am Weingartenweg nach Donnerskirchen, unweit der Waldpension Kloster am Spitz, eine Donatisäule errichten. Sie trägt folgende Inschrift:

"Gott und dem hl Donati zu Ehren, hab ich, Paul Scheibstock und Barbara, meine Ehewirtin, diese Säulen aufrichten lassen, daß uns Gott durch die Vorbitt des Hl. Donati vor Schauer und Gefriehr, Wassergisse und schedlichen gewitter gnediglich behieten wolle. Amen. 1718".

Links neben dem Eingang des Gebäudes in der Bodenzeile erinnert eine Paulusstatue mit der Inschrift "Paul Scheibstock, 1720" an den gottesfürchtigen "Gmainschmied".

1720 richtete Schmiedmeister Paul Scheibstock eine Werkstatt ein. Purbach war damals Sitz zahlreicher Handwerkszünfte. 1720 dürfte Scheibstock seine Frau verloren und wiedergeheiratet haben.
Im Mirakelbuch des Wallfahrtsortes Annaberg in Niederösterreich findet man folgende Eintragung: " Am 19. August 1728 berichtet Eva Scheibstockin, eine Hofschmiedin zu Purbach bei Eisenstadt, daß ihr siebenjähriges Töchterlein im Laufen hingefallen sei und sich ein spitzes Holz tief ins Auge gestoßen habe. Das Kind blutete heftig und es schien, als müsse es erblinden. Die Mutter, eine große Verehrerin der hl. Anna, ruft um Hilf auf dem hl. Annaberg und das Auge wurde geheilt."

Scheibstock war Zechmeister der Huf-und Wagenschmiede. Die Zechversammlungen, die mehrmals während des Jahres abgehalten wurden, fanden in seinem Haus statt. An diese Zeit erinnert ein Türspruch aus dem Jahre 1740, der in goldenen Frakurlettern im Renaissanceportal prangt:

"Hüte dich, Fluche nicht in meinem Haus
oder gehe bald zur Tür hinaus
es mögt sonst Gott im Himmelreich
beid straffen mich und dich zugleich"


An der bemalten Tür kann man den Hl Markus und den Hl. Johannes sehen. Eine Täufergruppe mit dem Hl. Johannes steht vor dem Gebäude.

Im Raum hängt ein Votivbild des Andreas Krenn, der als 12jähriger Bub von den Tataren 1647 bei Purbach gefangen und in türkische Gefangenschaft verschleppt wurde. Auf wunderbare Weise konnte er sich befreien und nach Hause zurückkehren.

In der keramischen Abteilung des Kunstgewerbemuseum in Budapest befindet sich ein Habaner Handwaschbecken aus dem Besitz des Paul Scheibstock mit der Inschrift "Purbach am Neusiedler See S 1721", das der spätere Bischof von Kaschau von einer Purbacher Schmiedefamilie 1892 erworben und dem Museum vermacht hatte. Auf dem Aquamanile kann man das Zunftzeichen der Schmiede - Amboß, Hammer und Zange - erkennen. 1720 dürfte Scheibstock seine Frau verloren und ein 2. Mal geheiratet haben.

1745 scheint der Name des Hufschmieds Scheibstock in einer Kirchenrechnung auf. 1747 starb er im Alter von 70 Jahren. 1748 heiratete seine Witwe den Hufschmied Johann Georg Kern. Nach ihrem Tode heiratete Kern im nächsten Jahr die Witwe Elisabeth Huber aus Gumpendorf. Kern starb kinderlos 1780. Seine Witwe Elisabeth heiratete 1782 den Hufschmied Franz Rauchbauer. Sie starb 1785. 1786 heiratete der Witwer Maria Fridholm, die Tochter des Söllners Johann und Anna Maria Fridholm.
Sie schenkte ihm einen Sohn und starb 1790. Der Witwer heiratete im nächsten Jahr Therese, die Tochter des Halblehnern Andreas Hanikel. Franz Rauchbauer starb 1806 und hinterließ die Witwe mit 6 Kindern. Im gleichen Jahr vermählte sie sich mit dem 22-jährigen Hufschmied Josef Präntl aus Stöttera.

An diesen Schmiedemeister erinnert der Keilstein über dem Kellerabgang in der Nikolauszeche mit den Initialen " J + P 1812 ". Josef Präntl verstarb 1829. Seine Witwe übergab ihrem Sohn Johann Rauchbauer das Haus mit der Werkstatt. Er wurde 1803 geboren und heiratete am 10.2.1829 Magdalena, die Tochter des Halblehners Josephus Tieber (Dieber). Rauchbauer war 1837 und 1846 bis 1848 Marktrichter und scheint 1862 als Geschworener auf.

Man erzählt noch heute im Dorf von seinem Fleiss. Wenn er verschlafen hatte, eilte er im Nachtgewand in die Werkstatt und hämmerte auf dem Amboß, damit die Nachbarn glaubten, er sei schon an der Arbeit. Er verbot seinen Gesellen streng das Fluchen und verwies dabei auf den Türspruch aus dem Jahre 1740 im Hause. Beide Eheleute erreichten ein hohes Alter von 89 Jahren. Der Meister starb 1892, seine Frau 1895.

Sein Sohn Johann Rauchbauer wurde Kurschmied. Er verstand sich also auf die Behandlung von Pferdekrankheiten und heiratete am 5.Juni 1806 Magdalena, die Tochter des Halblehners Johann Gussmann und seiner Ehefrau Anna Maria, einer geborenen Adelsberger. Er starb 1869 im Alter von 34 Jahren. Seine Frau starb 1876 im Alter von 37 Jahren. Sie hinterließen eine Tochter und das Haus kam durch ihre Heirat in bäuerlichen Besitz. Es wurden Inwohner in das Haus aufgenommen, die es im Laufe der Zeit abwohnten. 1900 zog ein Bäckermeister in das Haus, der einen Backofen einbauen ließ. 1908 folgte ihm Bäckermeister Gasch, der 14 Kinder aufzog.

Das Haus wurde schließlich 1915 von den Besitzern verpachtet.
Als 1945 zwei kinderreiche Taglöhnerfamilien einzogen, hatte der Bau schon viel von seinem ehemaligen Glanz verloren.

1963 stand das "Bethaus" fast völlig verfallen da. Der Landwirt Paul Fasching verkaufte das abbruchreife Haus in der Bodenzeile 3 dem Innsbrucker Hotelier Ing. Hans Hieszmayr. Der Bruder von Ing. Hiesmayr, Arch. DI Ernst Hieszmayr, restaurierte und revitalisierte das Gebäude mit viel Sachkenntnis und großem Einfühlungsvermögen. Es wurde ein Luxusrestaurant und erhielt den Namen "Nikolauszeche".

Heute befindet sich dieses Haus in Privatbesitz, und ist nicht öffentlich zugängig. Nebenan wurden mietbare Appartments errichtet.
Bodenzeile 4

Bodenzeile 4

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1609 gehörte die Hofstatt dem Michael Auer. Er besaß auch ein Erbfischwasser. Die Auer's befaßten sich demnach mit der Fischerei in Purbach.
Bodenzeile 6

Bodenzeile 6

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Liegt auf der Trasse der alten Römerstraße, die von Savaria (Steinamanger) über Scarbantia (Ödenburg) nach Carnuntum führte. Die Bodenzeile liegt am Ende der Hauptgasse, wenn wir nach rechts abbiegen.
Bodenzeile

Bodenzeile

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Ecke Hauptgasse

Kirchengasse 45

Kirchengasse 45

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Das Ganzlehnshaus Kirchengasse 45 gehörte zur Herrschaft Scharfeneck in Niederösterreich. Es zeigt an der Fassade die alten kaiserlichen Farben: schwarz-gelb. Im Haus steht eine der ältesten Weinpressen (Baumpressen) des Burgenlandes aus dem Jahre 1676 mit den Initialen "PW". Damals gehörte das 4/4 Lehen dem "kaiserlichen" Bauern Paul Weninger.
Kirchengasse 31

Kirchengasse 31

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Hier befindet sich ein schöner Weinkeller mit einem Gedenkstein aus dem Jahre 1673 und den Initialen "LK". Damals besaß der Halblehensbauer Leopold Kummer das Haus
Kirche

Kirche

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dem Hl. Nikolaus geweiht

Die Purbacher Kirche ist dem Hl. Nikolaus geweiht. Der heutige, barocke Neubau entstand 1674-1677. Die Kirche wird in Purbach bereits 1418 urkundlich erwähnt.

Der Kirchturm ist mit 53 m Höhe der zweithöchste Turm des Burgenlandes.

Die gotische Kirche wurde 1650 renoviert und fiel 1673 einer Feuersbrunst zum Opfer, dabei stürzte der Glockenturm ein. Bei den Löscharbeiten wurde auch der Friedhof verwüstet. Das Gotteshaus wurde in den Jahren 1674 - 1677 wieder aufgebaut. 1683 brannten es die Tataren nieder.



An der Ostwand der neuen Sakristei sind zwei Grabplatten vom alten Friedhof eingelassen. Darüber befindet sich ein Ölbergrelief aus 1500. In der Nische steht die um 1780 entstandene Statue des Kirchenpatrons, des Hl. NIKOLAUS.

Ferner ist noch ein Epitaph der "Prunnerischen Freundschaft" mit der Jahreszahl 1718 an der Kirchenmauer zu sehen. Die PRUNNER gehörten einem alten Purbacher Fassbindergeschlecht an.



Das Hochaltarbild malte der in Ödenburg ansässige Künstler Stephan DORFMEISTER im Auftrag des Fürsten Nikolaus III.Esterhazy (1762 - 1790), dem Patronatsherrn der Kirche. Auf dem Gemälde ist die wunderbare Errettung einer Purbacher Bauernfamilie aus einem schweren Unwetter auf See dargestellt. Über dem geretteten Boot schweben der Heilige Nikolaus, der Schutzpatron der Schiffer und des Ortes, die heilige Dreifaltigkeit und die Mutter Gottes.

Das Bild hat einen geschichtlichen Hintergrund:
Frauenkirchen war schon seit uralten Zeiten ein beliebter Wallfahrtsort. 1678, als die Kirche und auch das Franziskanerkloster nach den Verheerungen der Türken wiederum hergestellt war, strömten viele aus der Umgebung des Neusiedlersees, und zwar am Tage Maria Himmelfahrt am 15. August nach Frauenkirchen. Auch von Purbach eilten viele zum Ufer des Sees, welcher dazumal noch bis zum Rand des Dorfes reichte, um mit den Kähnen über den See nach Frauenkirchen zu gelangen. Unter den Ausflüglern war ein Wirtschaftsbürger mit seiner verheirateten Tochter und ihrem Säugling. In ihrer Gesellschaft waren noch drei Leute auf einem kleinen Kahn. Bei der Rückfahrt, in der Mitte des Sees, entstand ein leichtes Lüftchen, welches sich innerhalb kurzer Zeit zu einem heftigen Sturm entwickelte. Als dann der Blitz einschlug, empfahlen sie sich dem Schutz der Mutter Gottes und überließen den Kahn gänzlich dem Winde in der Hoffnung, daß sie vielleicht das Ufer doch noch bald erreichen werden. Der Bauer wandte sich in der größten Not in seinem Gebet an den Hl. Nikolaus und gelobte ihm im Falle der Rettung, 100 Taler. Sein Gebet wurde erhört und der Bauer mit seinen Gefährten gerettet. Auf den großen Kahn aber wartete man vergebens. Erst nach 8 Tagen fand man die Leichen der Ertrunkenen. Der gerettete Bauer hat sein Versprechen gehalten und übergab dem Seelsorger 100 Taler. Nach 4 Jahren ließ man daraus dann das auch heute noch sichtbare Altarbild durch einen unbekannten Wiener Maler malen.

Der untere Teil des Bildes zeigt eben die glückliche Ankunft des Bauern mit seinen Gefährten an das Ufer des Sees.

Ein weiteres Bild Dorfmeisters, "Die heilige Familie" ist über dem rechten Seitenaltar zu sehen. Dieses Gemälde opferte der Künstler im Jahre 1780 der Pfarrkirche "Gott zur Ehre und dem Volke zur Andacht". Auf dem Altar stehen noch die Figuren des Hl. Sebastian und Hl. Rochus.

Der rechte Altar, der Marienaltar, ist mit einem Marienbild aus dem Jahre 1902 geschmückt, das von einer Raaber Malerin stammt.

Die Kanzel aus 1780 zeigt im Relief "Die Bergpredigt" und die "Verklärung Christi", an der Rückwand ist "der gute Hirte" zu sehen. Der Taufstein trägt die Jahreszahl 1710. Anläßlich der Kirchenrevierung 1948 schuf Prof. Landwehr drei große Deckengemälde und Fresken über den Fenstern.

1983 und 1984 wurde die Kirche innen neuerlich renoviert und ein an der Bachseite ein Kirchenzubau, der den neuzeitlichen liturgischen Anforderungen entspricht. 2000 wurde der Turm sowie die Außenfassade renoviert.

Gegenüber der Kirche steht der Pfarrhof. Ein "Meßkelch mit dem Brot des Herrn" und die Jahreszahl 1742 erinnern an den Pfarrer Christoph PRAUNSTEIN, der als Ortskind den Pfarrhof, zum Teil auf eigene Kosten, renovieren ließ. Im Pfarrhof sind u.a. Reste eines spätgotischen Sterngewölbes zu sehen. Im Pfarrhof selbst wird ein großes Ölbild, Kruzifix mit Engeln, aus dem Anfang des XVIII.Jhd. stammend, aufbewahrt.

Das Andreas Grein Haus

Das Andreas Grein Haus

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Schulgasse 15

Die Sage vom verschleppten Purbacher Buben Andreas Grein gehört neben der vom "Purbacher Türken" zu den schönsten und interessantesten Erzählungen im Ort. So wie der steinerne Türke am Rauchfang erinnern ein Votivbild des Andreas Grein und eine Dreifaltigkeitssäule mit der Jahreszahl "1647", die in der Ried "am Zelter" an der Straße nach Breitenbrunn steht, an die leidvolle Türkenzeit.

Im Jahre 1647 war Johann Strebele, ein Schwabe, Pfarrer in Purbach, Jacob Kiesling, ein Halblehner, Marktrichter und der Franke Johann Georg Schubert, Schullehrer, Kantor und Marktrichter.

Zwei Jahre vorher war die große Pestepidemie erloschen, an sie erinnert das "Purbacher Kreuz" in Loretto mit einer Inschrift und der Jahreszahl "1645". Da Andreas Grein, der Sage nach, als Zehn-oder Zwölfjähriger von den Tartaren verschleppt wurde, könnte man des Geburtsjahr zwischen 1635 und 1637, also einige Jahre nach dem Mauerbau annehmen.

Damals wagten sich die berittenen Streifscharen der Türken nicht mehr an die Marktmauer heran, denn sie war mit vielen Schießscharten versehen, dahinter lauerten gute Schützen. So begnügten sie sich, die auf den Feldern arbeitenden Menschen abzufangen und in die Türkei zu verschleppen und allenfalls hohes Lösegeld zu erpressen. Die Tartaren galten als besonders grausam und unberechenbar und waren deshalb sehr gefürchtet (- beheimatet auf der Halbinsel Krim in der heutigen Ukraine). Die Rückkehr des Andreas Grein aus der Gefangenschaft erregte im Dorf beträchtliches Aufsehen, da dies nur sehr wenigen gelang.

Das sog. "Greinhaus" steht in der Schulgasse 15. Als Besitzer im Jahre 1647 scheint der Halblehner Georg Schrämbl auf, der die Witwe des 1610 verstorbenen Gregor Huetter geheiratet hatte. Georg Schrämbl starb 1662 und hinterließ die Witwe Barbara mit fünf Kindern. Der älteste Sohn Michael übernahm mit 25 Jahren die Wirtschaft und heiratete eine Maria, die 1669 starb. Er selbst verstarb 1679.

In der Bodenzeile 18 stand das Halblehenhaus des Georg Grein. Als er 1680 starb, wurde sein Haus auf 655 Gulden geschätzt. Er hinterließ die Witwe Catharina und fünf Kinder. Unter diesen Halbwaisen scheint Andreas Grein im Alter von 14 Jahren auf. Dieser Andreas Grein heiratete als "Junggeselle" am 265.10.1687 die "tugendsame Wittib Catharina, weiland des in Gott ruhenden Hans Neupauer". Als Trauzeugen scheinen Georg Harether, Marktrichter und Hans Hackstock auf. Andreas Grein wird in der Pfarrmatrik als Sohn des 1687 verstorbenen Georg Grein geführt.

1689 erbte dieser Andreas Grein das bereits erwähnte Halblehenhaus des 1679 verstorbenen Michael Schrämbl in der heutigen Schulgasse 15. Am 18.10.1708 starb Catharina Grein und überließ ihrem Ehemann ihren gesamten Besitz. Er galt als wohlhabender Bauer.

Es fällt auf, daß die Dreifaltigkeitssäule, die die Jahreszahl "1647" trägt, stark der Pestsäule aus dem Jahre 1713 ähnelt, die auf dem Raiffeisenplatz vor dem Scheweck-Haus steht. Beide zeigen eine korinthische Säule, die mit Weinranken, Blättern und Trauben umwunden ist. 1716 kauften Jacob und Maria Praunstain das Halblehenhaus des Andreas Grein in der Schulgasse um 400 Gulden.

1722 erwarb es Jacob Grein-damals hatte die Verwandtschaft ein Vorkaufsrecht bei Veräußerung von Häusern und Grundstücken. 1726 kauften Georg und Maria Grein den Besitz. 1756 erwarben ihn Mathias und Eva Grein um 338 Gulden.

Joseph Adlesberger heiratete 1756 Eva, die Witwe nach Mathias Grein. Im Keilstein über dem Toreingang sind die Jahreszahl "1791", die Initialen "JK" und ein Krebs eingemeißelt. In diesem Jahr erwarb Johann Koppi das "Grein-Haus". Nach der Überlieferung im Dorf soll sich der abgebildete Krebs auf die Flucht des Andreas Grein beziehen, der sich im Krebsgang während der Nacht aus dem Lager schlich, um seine Verfolger irrezuführen. Der Sohn Mathias Koppi erbte das Haus, er war von 1849 - 1853 Marktrichter in Purbach. Im Jahre 1850 wohnten in dem "Grein-Haus" 16 Personen.

Die Koppis pflegten das Andenken an Andreas Grein, betreuten die Dreifaltigkeitssäule, auch Koppi-Kreuz genannt (zwischen Purbach und Breitenbrunn), und hüteten das Votivbild. Heute besitzt die Familie Raditsch das Haus in der Schulgasse 15. Das Votivbild hängt in der "Nikolauszeche".

Herr Msgr.Dr.Hillinger sammelte Geld in der Pfarre Purbach und ließ die Dreifaltigkeitssäule bei dem Mannersdorfer Steinmetzmeister und Bildhauer Robert Widhalm restaurieren. Dabei wurden am oberen Rand des Säulenschaftes die Initialen "G W " entdeckt, die noch gedeutet werden müssen.
Purbachhof

Purbachhof

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Schulgasse 14
Innenhof


Viele verwinkelte Korridore, Treppen und Ebenen... Ebenfalls ein Juwel aus alter Zeit!
Der Purbachhof ist heute eine Herberge, wo Sie Zimmer mieten können.
Schulgasse 8

Schulgasse 8

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Im Keller des Hauses ist ein Gedenkstein mit der Jahreszahl "1681" und den Initialen "GHM" angebracht. Damals war Georg Hoffmann, ein Schneidermeister, Besitzer dieses Hauses. Die Schneidermeister waren die ersten, die im damals "kaiserlichen Markt" Purbach 1599 eine Handwerkszunft errichteten.
Türkenkeller / Zum Purbacher Türk

Türkenkeller / Zum Purbacher Türk

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Schulgasse 9
Heuriger und Restaurant


Der "Purbacher Türke" - das steinerne Wahrzeichen, befindet sich auf dem Rauchfang des Hauses.

Der Überlieferung nach schlief ein Türke seinen Rausch aus, als seine Truppen Purbach bereits verlassen hatten (1532). Aus Angst vor den Purbachern flüchtete er in den Rauchfang, wo er jedoch entdeckt und ausgeräuchert wurde. Er nahm den christlichen Glauben an und wurde dem Besitzer des Hauses als Knecht übergeben. Nach seinem Tod errichtete der Bauer die steinerne Büste auf dem Schornstein.

Die bekannte Sage vom "Purbacher Türken" ist eine Haussage, deren es mehrere in der Gemeinde gibt. Der steinerne Zeuge am Rauchfang erinnert an die leidvolle Türkenzeit.

Nach dem Urbar aus dem Jahre 1569 dürfte Hieronymus Völkl der Besitzer des Halblehenhauses gewesen sein, nach dem Urbar 1580/89 Lorenz Lechner.

1605 hatten die "Rebellen" des Fürsten Stephan Bocskay ein heilloses Chaos im Ort hinterlassen. Viele Männer waren erschlagen, Frauen und Kinder in die Türkei verschleppt und die Häuser niedergebrannt worden. Erst 1609 war die Grundherrschaft in der Lage, für Purbach ein "Gwöhrbuch" anzulegen, in dem die Namen der Hausbesitzer eingetragen, die Hausverkäufe und die Höhe des Kaufpreises vermerkt wurden.

Als Hausbesitzer scheint der Halblehenbauer Thomas Clauss auf. Nach den Eintragungen im Purbacher Waisenbuch war er schon 1603, also vor dem Einfall der Bocskays, verstorben. Er hinterließ seiner Witwe ein Halblehenhaus im Wert von 425 Gulden. Den einjährigen Sohn sollte sie, "wie es einer treuen Mutter gebührt, in der Furcht Gottes zu aller Ehr und Ehrbarkeit" erziehen.

Der Einfall der "Rebellen" des Fürsten Gabriel Bethlens 1619 traf die Einwohner Purbachs wieder schwer.



Die erste Eintragung, die Besitzer des Halblehenhauses betreffend, erfolgte erst 1629. In diesem Jahr tauschten der Fleischhauer Paul Mayer und seine Frau das Halblehen gegen ein anderes Haus nach Aufzahlung von 60 Gulden, ein. Mayers Frau, Gerdrauth, war die Witwe des Hofstadlers Ulrich Klampfer und die Tochter des Gerichtsbürgers und Halblehners Caspar LEEB. Als LEEB 1639 verstarb, hinterließ er der zum 2.Mal verwitweten Frau und den 8 Kindern ein Halblehenhaus im Wert von 750 Gulden, 7 Überlandweingärten im Wert von 1626 Gulden, 232 Eimer 2jährigen Weines um 960 Gulden, 2 silberne vergoldete "Kändl", insgesamt also 3673 Gulden.

1644 heiratete die wohlhabende Witwe den Fleischhauer Hans Wurm aus St.Georgen. Das Ehepaar wirtschaftete sehr gut, denn als Gerdrauth Wurm 1661 starb, hinterließ sie neben dem Halblehenhaus im Wert von 845 Gulden eine "Ganzlehen-Behausung", in die Herrschaft Scharenegg gehörend, im Wert von 1400 Gulden und 16 Überlandweingärten im Wert von 3120 Gulden, drei vergoldete "Becherl", ein "Seitlkandel" und ein "Schalerl", 282 Eimer Wein im Wert von 705 Gulden, insgesamt 5551 Gulden. Bei der erwähnten Ganzlehenbehausung handelt es sich um das sog. "Hölzlhaus" in der Hauptgasse 22, das derzeit der Stadtgemeinde gehört und in dem vor der Errichtung des neuen Volksschulgebäudes eine zeitlang Schulklassen untergebracht waren.

Meister Wurm heiratete vermutlich 1662 ein zweites Mal, eine Veronica. Er wurde Ratsbürger und 1665 scheint er als "Zöchmeister" auf. Im Jahr 1669 war er Zechmeister der Fleischhauerzunft, die damals in Purbach ihren Sitz hatte.

Bis 1938 erinnerte ein in Majolika ausgeführter Ochsenkopf über dem Torbogen des Hauses an den Zechmeister. Im Zuge einer Gebäuderenovierung wurde der Kopf heruntergeschlagen. Offenbar wußten die Leute nicht,daß in diesem Haus zünftige Fleischer ihr Handwerk ausgeübt hatten - erkannten sie doch nicht das Zunftzeichen über dem Torbogen.

1673 starb der verdienstvolle Hans Wurm im Alter von 64 Jahren. Neben dem Halblehenhaus im Wert von 925 Gulden und dem Ganzlehenhaus von 1500 Gulden hinterließ er seiner 2.Frau noch "die Pürg samt dem Keller und Wiesen am Spitz" im Wert von 595 Gulden. Heute besitzt die Fam. Hölzl-Schwarz den Keller.

Seine Witwe mit den 5 Kindern heiratete 1674 den "ehrbaren" Junggesellen Fridrich Gossmann, den Sohn des "ehrenfesten und vornehmen Gregor Gossmann. Als Trauzeugen fungierten der Ratsgeschworene Georg Koch und der Schulmeister Jakob Herbarth, beide aus St.Georgen. 1701 verstarb Veronica Gossmann mit 64 Jahren. Der Witwer und 7 Kinder blieben zurück, der Stiefsohn Stephan Wurm "war beim Feind abgefangen". Während des "Kuruzzenrummels" (1703 - 1711), der auch Purbach nicht verschonte, starb 1708 Friedrich Gossmann im Alter von 56 Jahren. An ihn erinnert im Haus die Inschrift "17 FG 02", die in die steinerne Umrahmung zum Stiegenaufgang gemeißelt ist. Er hinterließ den 7 Kindern das Halblehenhas im Wert von 850 Gulden, 2 Weingärten im Wert von 465 Gulden und eine Überlandwiese in Schützen um 356 Gulden - nach Abzug der Schulden 674 Gulden.

Am Beginn des Jahres 1708 hatte der "ehrsame und bescheidene Junggeselle" Gregor Gossmann, die Jungfrau "Maria", Tochter des Hans Georg Reichardt, einem Halblehner, geheiratet.
Gregor Gossmann erbte das Halblehen, 1716 war er Ratsbürger, 1723 und 1728 bis 1730 scheint er als Marktrichter auf. Er starb 1733 im Alter von 52 Jahren. An ihn erinnert in der Toreinfahrt die Inschrift am "Grand" des Kettenbrunnens - "G G M 1731 ".

Die Witwe Maria Gossmann heiratete 1734 den Wittiber Georg Kress, Bürger in Oggau. 1749 wurde das Haus geteilt. Die Tochter Maria Gossmann heiratete Josef Räbitsch und erbte ein Viertellehen. Sie starb 1759 im Alter von 34 Jahren.

Der Sohn Hans Gossmann erbte das zweite Viertel. Er heiratete 1750 eine Maria, die 1760 im Alter von 29 Jahren starb. Im gleichen Jahr heiratete er Katharina Humann, die 1765 starb. Seine dritte Frau stammte aus Donnerskirchen und war die Tochter des Landwirtes Michael Suchentrunk. Sie schenkte ihm 4 Kinder und starb 1791. 1792 heiratete er die 26jährige Catharina Berger, die ihm 3 Kinder schenkte. Er scheint 1766 und 1770 als Ratsbürger auf und starb 1799.

Sein Sohn Michael, der 1771 geboren wurde, übernahm das Halblehen. Er hatte Elisabeth, die Tochter des Halblehners Paul Schüller 1793 geheiratet. Sie schenkte ihm 8 Kinder und starb 1809. 1810 heiratete er ein zweites Mal - Magdalena, eine geborene Pölzlbauer aus St. Georgen. 1821 und 1822 scheint er als Ratsbürger auf und starb 1825.

Sein Sohn Michael übernahm das Halblehen und heiratete 1832 Anna Adelsberger. 1850 wohnten 6 Familien mit ingesamt 24 Personen in dem Halblehenhaus: Michael Gussmann, Franz Semmelrock, Josef Wein, Josef Humann, Leopold Felsensteiner und Mathias Fasching. Die Inwohner, meist Taglöhner, waren verpflichtet, die in den Weingärten des Hausherrn anfallenden Arbeiten zu verrichten und so die Wohnungsmiete abzuarbeiten. Sie durften erst dann in andere Häuser arbeiten gehen, wenn die Arbeiten für den Hausherrn verrichtet waren.

Florian Gussmann heiratete 1860 Therese, die Tochter des Halblehners Josef Hackstock. 1874 scheint er noch als Besitzer des 4/8 Lehens auf.

1909 heiratete der Sohn Franz eine Maria Berger und erbte den Besitz. Nach der Landnahme 1923, scheint er noch als Besitzer auf. Der Sohn Johann Gussmann heiratete 1928 Maria Steindl und übernahm den Besitz. Johann Gussmann starb 1948, seine Frau 1958. Im Jahre 1952 heiratete Johann Weisz die Hausbesitzertochter Maria Gussmann. Die Familie Gussmann (Weisz) besitzen seit über 300 Jahren das Haus und hüten seine Tradition. Dank dem Verständnis und dem Interesse der Besitzer konnten die Restauratoren 1960 bis 1962 wertvolle Bausubstanz freilegen und sichern. Es kam an der Hofseite über dem Stiegenaufgang ein Sgrafittoband mit zwei gekrönten Doppeladlern zum Vorschein, die an den kaiserlichen Markt Purbach erinnern.

Im historischen Keller hat 1966 Prof. Paul Steindl, ein Ortskind, an einer Wand die betrunkenen türkischen Soldaten im Bild festgehalten (Sage Purbacher Türke).
Das Kellerviertel

Das Kellerviertel

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Kellerplatz

Wenn im Frühling im Leithagebirge die Schneeschmelze beginnt, steigt in Purbach der Grundswasserspiegel an. Früher sickerte dann das Grundwasser in die tiefer gelegenen Hauskeller und überschwemmte sie.

Die Leute halfen sich, indem sie "Schnitt" vom Leithagebirge in die betroffenen Keller karrten, die auf diese Weise immer niedriger wurden. Die Nässe tat weden den Fässern noch dem Wein gut. Als sich die Marktgemeinde 1873 von der Grundherrschaft löste, ergab sich die Möglichkeit, auf der weiten unverbauten Fläche außerhalb der Marktmauer, gegenüber dem Türkentor, neue Weinkeller anzulegen.



So entstand im Laufe der Zeit das Kellerviertel. Wegen des hohen Grundwasserspiegels im Frühjahr wurden die neuen Keller nicht tief in die Erde gegraben, sondern aufgeschüttet. Es wurde eine Grube ausgehoben, der Keller gewölbt, mit einer dicken Erdschicht überdacht und die Kellerfront mit zugeschlagenen Kalksteinblöcken gefügt. So entstand eine Kellerlandschaft mit sechs parallelen Kellerreihen. Diese Keller mit den Rücken zueinanderliegend, bildeten drei Gassen.

Es waren dies die Fellner-und die Kellergasse. Die dritte Gasse wurde von der Gemeinde in jüngster Zeit zu einem Kellerplatz ausgestaltet. Die meisten Keller entstanden um 1873 und 1900. Der größte Keller, schon 1852 von Andreas Schüller errichtet, wurde 1926 von den beiden neuen Besitzern geteilt. An Hand der noch vorhandenen und lesbaren Inschriften läßt sich die Entstehungsgeschichte des Kellerviertels zurückverfolgen.

Diese gewaltige Kelleranlage wurde so großzügig geplant, daß sie lange Zeit ihren Zweck voll erfüllte. Herrschte früher zur Weinlese bei den Markttoren großes Gedränge, gab es für die neuen Kellerbesitzer keine Behinderungen. Sie hatten nun kurze Verbindungswege zu ihren Weingärten - die Trauben konnten rasch abgeladen und gepreßt werden. Jeder Keller bestand aus 2 Teilen - dem Preßhaus und dem eigentlichen Faßkeller. Die Besitzer, die im Dorf wohnten, konnten rasch die neuen Keller gegenüber dem Türkentor erreichen, um nach dem Rechten zu sehen.

Viele Keller dienen heute nur mehr als Lagerraum für den Flaschenwein. In der Fellnergasse ist man noch einen Schritt weiter gegangen. Man errichtete über den Kellern Wohnhäuser und zerstörte so diesen Teil des Kellerviertels. Die Gemeinde hat aber der weiteren Zerstörung bzw. Verbauung einen Riegel vorgeschoben und ein Bauverbot verhängt. Heute wird der Kellerplatz für diverse Veranstaltungen genutzt und lädt mit seinen zahlreichen Buschenschenken zum Verweilen und Verkosten des "guten Purbacher Weines" ein.
Stadlreihe

Stadlreihe

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Obere Bahngasse

Entlang der Oberen Bahngasse verläuft die Stadlreihe mit den typisch burgenländischen schmalen Streckhöfen und Lagergebäuden der Bauern. Die Stadeln - oder auch ehemalig "Stadtzeile" - bildeten die Südseite der damaligen Befestigungsanlage, und wurden aus den gleichen Steinen wie die ehemalige Wehrmauer gebaut. Wenn Sie genau schauen, entdecken Sie auch noch die eine oder andere Schiess-Scharte ...!
Kloster am Spitz

Kloster am Spitz

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Waldsiedlung

Die ältesten Mauern des Restaurantgebäudes stammen zumindest aus dem 12. Jahrhundert und bildeten einen Wachturm für die "Feste Scharfeneck", lediglich 9 mal 9 Meter in der Grundfläche.

Ab dem 13. Jahrhundert dienten diese Mauern ein paar wenigen Pauliner-Mönchen als Wirkungsstätte, daher der Name "Kloster am Spitz".

Unter Joseph II. wurde auch dieses Kloster im 18. Jahrhundert aufgelassen und wurde danach von diversen Familien als Wirtschaftshof verwendet.

Im Jahr 1924 erwarb Martin Hölzl das Gebäude und gründete mit seinem Sohn Johann die erste "Waldrestauration am Spitz".

Heute ein Weingut und als Hotel und Restaurant ein beliebtes Ausflugsziel.

Das Spital in Purbach

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(1945 abgerissen)

In den Dörfern rund um den Neusiedlersee gab es schon sehr früh Bäder und Spitäler, vor allem in den Marktgemeinden. Das Dorfspital diente auch als Armenhaus, Alters-und Siechenheim, Lazarett und Herberge, so wie es die jeweilige Lage und der Bedarf während der Jahrhunderte erforderte.

Im Spital fanden kranke, arme oder alte Dorfbewohner Aufnahme. Die Kranken wurden vom Bader und seinem Badjungen versorgt und behandelt. Während der Pestzeit diente das Haus als Lazarett und erfüllte so eine wichtige gesundheitspolizeiliche Aufgabe.

In Purbach gibt es zwei Friedhöfe - den Kirchhof im Ort und den Gottesacker außerhalb der Marktmauer. Der Friedhof rund um die Pfarrkirche wurde um 1785 unter Kaiser Josef II (1780 - 1790) "kassiert". Der Gottesacker außerhalb der Martmauer dient noch heute als letzte Ruhestätte der Toten.

Die Lehensbauern und Hofstadler, auch die Kleinhäusler sicherten sich bei der Besitzübergabe ihren Lebensabend und ihr Verbleiben im Haus. Viele Lehensbauern, Hofstadler und Kleinhäusler, aber auch die Inwohner, hinterließen in ihren Testamenten dem Spital jeweils einige Gulden. Einige Spenden waren mit dem Wunsch verknüpft, die Spitalinsassen mögen für das Seelenheil des oder der Verstorbenen beten.

Auf diese Weise kamen im Laufe der Zeit ansehnliche Geldbeträge zusammen, die gewöhnlich bei der Gemeinde angelegt und mit 5% verzinst wurden. Mit dem Ertrag des angelegten Geldes, dessen Höhe im Laufe der Jahrhunderte schwankte, konnte der Spitalvater die Ausgaben für das Haus bestreiten. Er verrechnete jährlich mit dem Pfarrer und mit der Gemeinde, die Herrschaftsobrigkeit überwachte die Geldgebarung.

Nach der Bgld. Landestopographie errichtete die Gemeinde 1633, also während des Mauerbaues, ein Armenhaus, das vom Pfarrer verwaltet wurde. Dasselbe lag außerhalb des Ortes, gleich neben dem neuen Gottesacker und sollte der Beherbung der in die Gemeinde kommenden Bettler dienen.

Nach den Abhandlungen im Purbacher Waisenbuch hinterließ der 1620 in Purbach verstorbene Martin Lughart Schachner "für arme Leute im Spital 12 Metzen Traid"

Das Gebäude wurde von den Kuruzzen zerstört, aber wieder aufgebaut. Das im Gemeindebesitz befindliche desolate Gebäude wurde erst nach 1945 abgerissen.