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Nikolausstatue

Nikolausstatue

[01a]
in einer Nische an der Gassenfront des Pfarrhofs in der Kirchengasse 7

Der heilige Nikolaus, Patron der Pfarrkirche, war Bischof von Myra in Lykien (heute Ruinen bei Debre am Mittelländischen Meer, 70km südlich von Antalay). Sein Vater Euphemius war ein reicher, dabei sehr frommer und wohltätiger Mann, seine Mutter hieß Anna. Sein Onkel Nikolaus (der Ältere), Bischof von Myra, weihte ihn zum Priester. In dieser Zeit verlor er seine Eltern durch eine Pestepidemie. Er verteilte daraufhin sein ganzes ererbtes Vermögen unter den Armen. Nach dem Tod seines Onkels pilgerte Nikolaus ins heilige Land. Nach seiner Rückkehr wurde er vom Volk als neuer Bischof ausgerufen. In der letzten Christenverfolgung unter Kaiser Galerius (um 310) wurde er eingekerkert und musste viel leiden, weshalb er den Beinamen "Bekenner" erhielt.

Auf dem Konzil von Nicäa (325) verteidigte er mit vielen anderen Bischöfen die Wesensgleichheit der drei göttlichen Personen. Nach dem Zeugnis der alten Quellen war er auf dem Konzil einer jener Bischöfe, die die Spuren der Misshandlungen in den Kerkern der Christenverfolger an ihrem Leib trugen. Er starb im Alter von 65 Jahren an einem Freitag, dem 6. Dezember, im Jahre 345 (oder 351). Sein Kult ist in Myra und Konstantinopel seit dem 6. Jahrhundert nachzuweisen. Von dort aus verbreitete er sich in der ganzen griechischen Kirche, später auch in den slawischen Ländern. Besonders in Rußland ist er ungemein beliebt. In der Ostkirche gilt er nach der Mutter Gottes als der größte kirchliche Heilige.

Seit der Überführung seiner Gebeine von Myra nach Bari in Unteritalien am 9. Mai 1087, breitete sich sein Kult im ganzen Abendland aus und erreichte im Spätmittelalter eine Hochblüte. Seit dieser Zeit zählt er zu den 14 Nothelfern und er wurde Patron unzähliger Kirchen. Wunderbare Tatsachen bezeichnen in reicher Fülle den Lebensweg dieses Heiligen. Auf seiner Reise nach Palästina sagte er bei unbewölktem Himmel und ruhigem Meer das Herannahen eines heftigen Sturmes voraus. Als derselbe wirklich eintraf und das Schiff in ernster Gefahr schwebte, besänftigte er den Orkan durch sein Gebet.

Er gebot während einer Hungersnot in Myra einem Kaufmann in Sizilien im Traume, ein Schiff mit Getreide dorthin zu bringen, wodurch die Stadt gerettet wurde. Auch in unserer Gegend ist sein Todestag ein frohes Fest für die Jugend, vor allem für die Kinder, die vom verkleideten Nikolo mit Äpfeln, Nüssen und Zuckerzeug beschenkt werden. Er belohnt die Guten und weist die Schlimmen auf die rechte Bahn. In Purbach steht eine polychromierte Steinfigur des heiligen Nikolaus (um 1730) in einer Nische, links neben dem Hauptportal der Pfarrkirche. Er ist dargestellt als Bischof mit Stab, Mitra und aufgeschlagenem Buch, auf dem drei Brote liegen.

In der Pfarrkirche sieht man ihn auf dem Hochaltarbild neben Maria und der Heiligen Dreifaltigkeit, darunter eine Bauernfamilie in einem Kahn, die in einen Sturm auf dem Neusiedler See geraten war und gerettet wurde.

Eine zweite Nikolausstatue steht in der Nische an der Gassenfront des Pfarrhofs in der Kirchengasse Nr. 7, gegenüber der Pfarrkirche. Die dritte Steinfigur des heiligen Nikolaus kann man am Gebäude der "Nikolauszeche" in der Bodenzeile Nr. 2 sehen.

Im Gästezimmer hängt ein Votivbild aus dem Jahre 1647. Auf diesem Bild sieht man den heiligen Nikolaus neben der Muttergottes unterhalb der Heiligen Dreifaltigkeit über dem kleinen Andreas Grein schwebend, der von einem Tataren in die türkische Gefangenschaft verschleppt wird. Schon im Mittelalter gab es in Purbach eine "Nikolaus-Zeche", ein kirchliches Benefizium. Wohltätig fromme Purbacher hatten der Pfarrkirche Weingärten hinterlassen. Im Jahre 1705 besaß die "Nikolaus-Zeche" 4 Weingärten im Ausmaß von 2 1/2 Hektar. Alle drei Jahre wurde vom Pfarrer, mit Zustimmung des Archidiakons und des Herrschaftsverwalters, ein fähiger Zechmeister dies meist ein tüchtiger Halblehensbauer, der in diesem Zeitraum die Zechweingärten mit Hilfe von ständigen Taglöhnern bewirtschaftete. Mit dem Ertrag dieser Weingärten wurde der Bedarf der Pfarrkirche gedeckt, wie Ausgaben für Weihrauch, Baumöl für das Ewige Licht, aber auch für die Ausbesserung des Kirchendaches und Reparaturen. Überschüssiges Geld wurde an kreditwürdige Bauern und an die Gemeinde verliehen, der Zinsfuß betrug 5%. Bei Bedarf wurde das verliehene Geld fällig gestellt.

In heidnischer Zeit trieben Wassergeister ihr Unwesen auf dem Neusiedler See und verlangten alljährlich nach Menschenopfern. Nixen und verführerisch schöne Wasserjungfrauen lockten die jungen Fischer hinaus "aufs Flache" und zogen sie dann in die Tiefe. Im Mittelalter schützte der heilige Nikolaus die Fischer und die Schiffer vor den bösen Wassergeistern. Er half den in Seenot geratenen Wallfahrern, wenn sie ihn um Hilfe anflehten, und er beruhigte die gefährlichen Sturmwellen. In seiner Not versprach oft ein in Gefahr Geratener in einem Stoßgebet dem Heiligen eine hohe Geldsumme, wenn er ihm helfe und beistehe. War er der Gefahr entronnen, dauerte es manchmal längere Zeit, bis der Gerette dem Pfarrer die Summe übergeben konnte, denn er musste sich das Geld vom Mund absparen, das er versprochen hatte. Auf diese Weise soll auch das Hochaltarbild zustande gekommen sein. Der weiße Kirchturm ist auf dem See von weitem auszumachen, er hat schon vielen verirrten Bootsfahrern geholfen, die Einfahrt in die Schilfwand, in die "Schluichten", zu finden und das rettende Ufer zu erreichen. Im Winter, wenn der See zugefroren war, fuhren die Pferdefuhrwerke beladen mit Wein oder Rebenbürdel und Holz, hinüber nach Podersdorf und kamen zurück mit eingetauschter "Frucht", mit Weizen, Gerste oder Hafer . Der Weg war markiert und ausgesteckt mit Rohrbündel, damit man sich nicht verirren konnte. Hie und da brach ein Pferdefuhrwerk ein, wenn es vom ausgesteckten Fahrweg abgekommen war. Auch heute geht manchmal ein Traktor "baden", wenn die Eisdecke zu dünn ist. Auch Eisläufer sind gefährdet, wenn sie sich zu weit auf den See hinauswagen und an eine Stelle kommen, an der eine unterirdische warme Quelle sprudelt.

Das Hochaltarbild mit dem heiligen Nikolaus stammt vom Maler Stephan Dorfmeister, der um 1729 in Wien geboren wurde, dort an der Kunstakademie studierte und 1760 nach Westungarn kam. Im Jahre 1762 ließ er sich in Ödenburg nieder.

Der damals nach Ende der Türkenkriege einsetzende wirtschaftliche Aufschwung und die damit verbundene rege Bautätigkeit bot ihm ein reiches Betätigungsfeld, wie die Ausgestaltung von Kirchen, Schlössern und Bürgerhäusern. Er malte Fresken, riesige Altarbilder, Porträts und prägte so, bis zu seinem Tode im Jahre 1697 in Ödenburg, durch viele hundert Werke die Barockzeit in Westungarn, im Schatten seiner großen Vorbilder und Zeitgenossen Paul Troger, Franz Anton Maulbertsch und Franz Sigrist.

Zur Zeit des Purbacher Pfarrers und Ehrendomherrn Franz Festl wurde die Renovierung der Pfarrkirche in Angriff genommen. In der Zeit vom 17.August bis 3.Dezember 1788 waren der Maler Stephan Dorfmeister, der Vergolder und der Bildhauer mit ihren Gehilfen im Gasthaus in Purbach untergebracht. Die Unkosten dafür beliefen sich auf über 90 Gulden. Stephan Dorfmeister erhielt für das Hochaltarbild und das Ausmalen des Sanktuariums 400 Gulden, dafür konnte man sich in Purbach ein Haus kaufen. Der Bildhauer Georg Miller aus Ödenburg dürfte den Bildrahmen, die Engel, den Altaraufbau und den Tabernakel gemacht haben, er erhielt 185 Gulden. Der Vergolder Willibald Maurer kassierte 145 Gulden. Für die Bereitstellung des Gerüstes bekam der ansässige Zimmermeister Georg Gmeiner 10 Gulden. Die Ausgestaltung des Altarraumes kostete insgesamt 775 Gulden und 14 Kreuzer.

Woher kam nun das Geld?

Über 267 Gulden hatte testamentarisch der Pfarrer von Gols, Leopold Kiesling, ein Ortskind, der Purbacher Kirche vermacht, 100 Gulden stammten vom verstorbenen Gastwirt Matthias Moser, 151 Gulden erbrachte eine Weinsammlung, 196 Gulden eine Geldsammlung, 100 Gulden kamen von Elisabeth Hanikl für einen Altar. Bereits 1767 hatte Franz Reinprecht der Kirche 100 Gulden für einen neuen Hochaltar vermacht, 1777 Frau Elisabeth Meier 50 Gulden. Den Ausgaben standen somit 980 Gulden und 45 1/2 Kreuzer gegenüber.

Aus dieser Kirchenrechnung geht hervor, dass die Pfarre selbst alle Unkosten der Arbeiten getragen hat und sie auch vermutlich der Auftraggeber gewesen ist.
Halbrelief "Christus am Ölberg"

Halbrelief "Christus am Ölberg"

[01b]
um 1500 entstanden an der Außenwand der Sakristei der Purbacher Pfarrkirche

Zu den ältesten Sehenswürdigkeiten in Purbach gehört das Hochrelief "Christus am Ölberg " an der Außenseite der Purbacher Pfarrkirche (Sakristei). Es stammt noch von der alten gotischen Kirche, ist um 1500 entstanden und verhältnismäßig gut erhalten.

In der Mitte des Bildes sehen wir den knieenden Christus im Garten Gethsemane, die Hände zum Gebet gefaltet. Ein Engel, links oben im Bild, hält den Kelch, Symbol des seligen Todes, in der Hand. Die drei Jünger im Vordergrund, Petrus, Jakobus und Johannes, die Jesus gebeten hat mit ihm zu wachen, sind eingeschlafen. Jakobus und Johannes waren Brüder, die Söhne des Fischers Zebedeus. Jakobus erlitt später als erster Apostel den Märtyrertod, Johannes war der Lieblingsjünger Jesu.

Interessant ist die Bemalung des Halbreliefs, die den grauen Stein belebt. Die dunklen Farben betonen den Ernst des Geschehens. Eine ähnliche Ölbergplastik, ebenfalls um 1500 entstanden, ist an der Außenseite der Breitenbrunner Pfarrkirche zu sehen und am Eisenstädter Bischofsdom, in der neuerrichten Vorhalle und so vor den Unbilden der Witterung geschützt. Ähnliche Arbeiten findet man am Wiener Neustädter Dom und an der Wiener Stephanskirche. Alle diese Arbeiten befinden sich an der Außenseite der Kirchen.

Zu dem Ölbergrelief paßt die Stelle aus einem alten Apetloner Gebet vom "Leiden Christi":

"Als Jesus in den Garten und auf den Ölberg ging,

Daselbst mit Angst und Trauer sein Leiden anfing.

Er schwitzte Blut und bat: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe,

Daß der Kelch des Leidens von mir gehe!

Ein Engel stärkte seinen Geist und Judas von ferne

Führte eine bewaffnete Schar mit Fackel und Laterne".


Und in der Litanei "Vom bitteren Leiden Christi" heißt es in einem altenGebetbuch:

"Durch Deine Todesangst am Ölberge,

Durch Dein dreimaliges Angstgebet zum Vater,

Durch Deine Geduld mit den schlafenden Jüngern,

Durch Deine Sanftmuth gegen Judas, den Verräther,

Durch Deine ehrwürdige Majestät bei Annäherung der Gerichtsdiener,

Erbarme Dich unser!"


In der Zeit um 1500 gab es in vielen Gemeinden "Todesangst-Christi-Bruderschaften", die in den Friedhöfen, die um die Kirche herum angelegt waren, Darstellungen der "Todesangst-Christi am Ölberg" anfertigen ließen. Die Errichtung der "Todesangst-Christi-Bruderschaft" dürfte mit dem Auftreten der Pest im Zusammenhang stehen, zur Abwehr der Seuche und Mehrung der Andacht. Seit dem 17. Jahrhundert galt das "Todesangst-Christi-Bild" als Schutzschild für ein seliges Ableben.


Gegenüber der Pfarrkirche steht der Pfarrhof (Kirchengasse Nr. 7). Im Keilstein des Torbogens sieht man einen vergoldeten "Kelch" und die Jahreszahl "1742". Die Jahreszahl bezieht sich auf den Wiederaufbau des Pfarrhofs nach einem Brand. Im Gebäude sind Reste eines gotischen Sterngewölbes erhalten geblieben.
Mariensäule - Frauensäule

Mariensäule - Frauensäule

[02]
aus dem Jahr 1860 auf dem Raiffeisenplatz

Papst Pius II. (1846 - 1878) verkündete am 8. Dezember 1854 in seiner Bulle "Ineffabilis Deus" das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis Marias. Am 16. August 1860 wurde die neuerrichtete Mariensäule auf dem Platz in Purbach von dem Hochwürdigen Herrn Probst zu Eisenstadt und den beiden Dechanten feierlich eingeweiht. Pfarrer Johann Koller zahlte dem Steinmetzmeister in Eisenstadt, Karl Pongratz, 500 Gulden für die Mariensäule, nachdem der Gemeindevorstand schon 300 Gulden "als Darangabe früher hingegeben"hatte.

Die Säule ist ein sich viermal nach oben verjüngender achteckiger Pfeiler mit gotisierenden Ornamenten, gekrönt von Maria mit dem Strahlenkranz, auf der Weltkugel stehend. Die Frauensäule trägt folgende Inschrift: "Hl. Maria, Du Königin ohne Makel der Sünde".

Früher stand an dieser Stelle der Pranger, das Zeichen der Marktgerechtigkeit, in der Mitte des Ortes. Purbach hat schon vor 1500 sein Marktrecht erhalten. Früher wurden kleinere Vergehen vor dem Pranger abgebüßt. Das Prangerstehen fürchteten die Dorfbewohner wegen der Schande. Als nach dem Jahre 1848 die Grundherrschaft Eisenstadt aufgehoben wurde, sollen, nach mündlicher Überlieferung, aufgebrachte und erboste Bauernburschen eines Nachts den Pranger umgeworfen haben, vor dem sie vorher mit Stockschlägen abgestraft worden waren.

Nach einem alten Purbacher Hochzeitsbrauch darf die weißgekleidete Braut mit ihrem Bräutigam und dem Hochzeitsgefolge einmal um die Frauensäule herumgehen, bevor sie feierlich in die Pfarrkirche einzieht. Dabei feuern einige Zuschauer mit ihren Jagdflinten mit Platzpatronen in die Luft, andere werfen Böller, damit es ordentlich kracht auf dem Raiffeisenplatz. Der Lärm soll dem jungen Paar Glück bringen. War die weißgekleidete Braut aber keine Jungfrau mehr, gab es oft üble Bemerkungen der Zuschauer, vor allem von den Dorfburschen, weshalb nicht alle Brautpaare diesen Gang um die Frauensäule wagten. Im Jahre 1896 setzte der Gemeindewächter Johann Opitz die Lindenbäume bei der Frauensäule. Sie stehen noch heute und spenden Schatten.
Pestsäule

Pestsäule

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aus dem Jahre 1759 vor dem Scheweck-Haus am Raiffeisenplatz Nr. 3

Die schönste Säule in Purbach steht vor dem "Scheweck-Haus" am Raiffeisenplatz Nr.3. Pfarrer Georg Reuter (1755-1784) ließ die Pestsäule im Jahre 1759 auf dem "Platz" aufstellen. Nach mündlicher Überlieferung wurde sie nach der Choleraepidemie im Jahre 1834 vor das Haus gestellt, das damals dem Wunderarzt und "Chyrurgen" Bernhard Meditsch gehörte, als Dank für seinen Einsatz bei der Behandlung und Betreuung der Erkrankten. Seine Frau kochte damals täglich das Essen für die kranken Leute und ließ es beim Fenster im Korb an einem Strick auf den "Platz" hinunter.

Auf einem abgetreppten Sockel steht eine korinthische Säule mit Weinranken umwunden. Nach christlicher Vorstellung gilt Maria als die edle Weinrebe, an der Christus, ihr Sohn, als göttliche Traube wuchs und reifte. Die Weinranken schlagen eine Brücke nicht nur zum Geheimnis des Altarsakraments, sondern auch zum Weinbau in unserer Gegend.

Wir sehen Maria als Himmelskönigin, mit Krone und Szepter, mit dem gekrönten Jesuskind am Arm, auf der Weltkugel stehend, um welche sich die von der Mutter Gottes überwundene Schlange des Sündenfalles windet. Maria gilt als eine der mächtigsten Helferinnen wider alle pestartigen Seuchen.

Neben ihr stehen die beiden Pestpatrone, links der von Pfeilen durchbohrte heilige Sebastian und rechts der heilige Rochus.

Der heilige Rochus stammt aus Südfrankreich, er wurde am Ende des 13. Jahrhunderts als Sohn wohlhabender Eltern in Montpellier geboren. Von Anfang an verzichtete er auf Reichtum und bequemes Leben, er widmete sich den Armen und Kranken. Er verlor früh seine Eltern, verschenkte sein ererbtes Vermögen und zog in die Welt, die heilige Stadt Rom war sein Ziel. Immer nahm er sich vor allem der Pestkranken an und pflegte sie aufopferungsvoll. Doch als er auf seiner Rückreise von Rom 1320 in Piacenza, in Oberitalien, selbst an der Pest erkrankte, wies man ihn aus dem Spital. In einer armseligen Waldhütte vor der Stadt lag er auf den Tod darnieder. Hieher brachte ihm, der Legende nach, der Hund eines leichtlebigen Bürgers, täglich Brot. Als er wieder gesund war, kehrte er in seine Heimat nach Frankreich zurück. Dort wurde er als Spion verdächtigt und eingekerkert, weil er aus Demut seine vornehme Abstammung verschwieg. Er starb nach fünfjähriger Haft am 16. August 1327. Erst an dem kreuzförmigen Muttermal, das während seines heiligenmäßigen Lebens immer schöner und größer geworden war, erkannte man ihn wieder.

Auf der Säule sieht man den heiligen Rochus mit dem breitkrempigen Pilgerhut, mit dem Pilgerstab und der Kürbisflasche. Er zeigt mit der rechten Hand auf seine offene Pestbeule am linken Oberschenkel. Neben ihm sitzt der kleine Hund mit dem Brot im Maul. Rochus war der Patron der Wundärzte und "Chyrurgen". Als Fürbitter wurde er nicht nur gegen die Pest, sondern gegen alle auftretenden Seuchen angerufen. Der Rochustag, der 16. August, war früher Feiertag in Purbach. Die Pestsäule, 1996 restauriert, wird von der Familie Scheweck, die mit dem Wundarzt verwandt ist, liebevoll gepflegt und mit Blumen geschmückt. Leider wurde die Säule vom Restaurator "verschönt" und vergoldet, das schlichte Blau der Weintrauben ist verschwunden.
Türkentor

Türkentor

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aus dem 17. Jhdt.

Am Tor sind heute noch die Vorrichtungen für die Zugbrücke und die kleine Eingangstür erhalten.


1630 - 1634 wurde die Befestigungsanlage errichtet. Drei stark bewehrte Tore ermöglichten und schützten den Zugang. Doppeltor mit Rondell
Der Purbacher Türke

Der Purbacher Türke

[05]
An der Bundesstraße - das Wahrzeichen Purbachs

Im Jahr 1532, als die Türken neuerlich Wien belagern wollten, geschah es, dass sich einige Horden in der Gegend des Neusiedler Sees herumtrieben. Eine Reiterschar gelangt auch nach Purbach. Als die Purbacher das Herannahen der Türken erfuhren, verbargen sie all ihr Hab und Gut und flüchteten in das nahe Leithagebirge, wo sie sichere Schlupfwinkel wussten. Die Türken fanden das Dorf ganz entvölkert vor und durchsuchten die Häuser nach Nahrungsmitteln.


Ein türkischer Soldat kam in den Weinkeller und gönnte sich einen guten Tropfen Purbacher Wein. Er ließ ihn sich gut munden und trank so viel, dass er nur mehr taumelnd über die Stiege hinaufgehen konnte. Hierauf wollte er noch einiges im Hause suchen . Dabei kam er in eine Kammer und lehnte sich dort an einen Sack, dann seine Füße vermochten ihn kaum mehr zu tragen. Und nun schlief er ein.

Er schlief lange und sein Schlaf hätte noch länger gedauert, wenn ihn nicht ein im Hof überlaut geführtes Gespräch aufgeweckt hätte. Er horchte. Ja, das war nicht seine Muttersprache. Wo waren nur seine Kameraden? Sogleich wurde ihm alles klar. Während er schlief, waren seine Kameraden abgezogen, die Bewohner hingegen heimgekehrt. Da er bei Tageslicht an eine Flucht nicht denken konnte, versteckte er sich. Gleich darauf wurde die Türe geöffnet und es traten zwei Männer ein. Sie hielten Nachschau; da sie aber nichts Verdächtiges bemerkten, entfernten sie sich wieder.


Als es finster geworden war, tastete er sich an den Wänden entlang und erreichte schließlich die Küche, wo der Mond durch den Schornstein schien. Er stieg auf den Herd und hoffte, durch den Rauchfang zu entkommen. Aber es war ihm nicht möglich, die oben im Rauchfange quer liegenden Stangen zu erreichen. Daher kehrte er in die Kammer zurück und suchte nach einem Stricke - und richtig fand er einen. Diesen warf er nun über die Stangen und half sich so hinauf. Mühsam erreichte er den obersten Teil des Rauchfange, bis er endlich seinen Kopf hinausstecken vermochte.


Er war froh, dass er endlich frei atmen konnte. Als er aber Umschau hielt, wie er hinuntergelangen könnte, hörte er draußen von der Gasse ein Laufen und Schreien. Wie eine Schnecke zog er seinen Kopf zurück und wartet, was nun geschehen werde. Nicht lange, da öffnete man unten im Hause die Tür. Die herbeigeeilten Bauern deuteten aber jetzt unter zornigen Rufen nach dem Rauchfang. Der gefangene Türke wollte hinausklettern, um zu entfliehen. Kaum hatte er jedoch seinen Kopf beim Rauchfang hinausgesteckt, da sah er mit Entsetzen, dass die Gasse voll bewaffneter Bauern war. Sie schrien und drohten ihm mit den Fäusten. Da zog er sich wieder in den Rauchfang zurück und rührte sich nicht, trotzdem sie ihm später zuredeten und ihn ermunterten heruanterzusteigen.


Zuletzt gab einer den Rat, man möge den Flüchtling ausräuchern. So geschah es auch. Man machte Feuer, der Rauch wurde dem Türken unerträglich und da musste er aus dem Rauchfange heraussteigen. Man holte ihn nun mittels einer Leiter von dem Dache herab und führte ihn in das Gefängnis. Jetzt versammelte sich der Gemeinderat, um zu beraten, was mit dem Soldaten geschehen solle. Das Urteil lautete: Es geschieht ihm nichts, wenn er den christlichen Glauben annimmt. Damit er aber der Gemeinde nicht zur Last fällt, wird er dem Besitzer des Hauses, in dem er gefangen wurde, als Knecht ins Eigentum übergeben. Der Türke war mit dem Urteil zufrieden. Er ließ sich taufen, lernt deutsch und blieb fortan im Hause seines neuen Herrn.


Nach dem Tode des Knechtes ließ der Bauer einen Türkenkopf aus Stein meißeln und setzte diesen auf den gleichen Rauchfang, wo der türke gefangen worden war. Der Purbacher Türke, so wurde das Steinbild genannt, ist heute noch am Hause Schulgasse 9 zu sehen.


Der historische Hintergrund der Sage läßt sich nicht mehr erfassen. Von einer Taufe des Türken ist nichts bekannt. Wohl aber wurde am 7. Dezember 1669 im Hause des Johann GABRIEL in Purbach ein Türke getauft. Am 15. November 1669 wurde eine Türkin getauft, deren Pate der Richter Johann HACKSTOCK war.
Tabernakelpfeiler (Spätgotische Lichtsäule)

Tabernakelpfeiler (Spätgotische Lichtsäule)

[06]
aus dem 16. Jhdt. über der Pestgrube in der Neusiedlerstraße 13

Unweit des Brucker Tores, außerhalb der Marktmauer, vor dem Haus der Familie Ludwig Graf in der Neusiedlerstraße Nr. 13, steht eine spätgotische Lichtsäule aus dem 16. Jahrhundert. Sie ist das älteste Flurdenkmal im Ort, das erhalten geblieben ist.

Der Tabernakelpfeiler besitzt ein Zeltdach und dürfte über einer Pestgrube außerhalb des Marktes errichtet worden sein, da bei Straßenbauarbeiten menschliche Knochen ausgegraben wurden. Die Skelettreste wurden dem Burgenländischen Landesmuseum in Eisenstadt zur Aufbewahrung übergeben. Da die Toten in ungeweihter Erde ruhten, wurde wahrscheinlich diese mächtige steinerne Totenleuchte über der Pestgrube errichtet.

Das kleine steinerne Haus auf dem Pfeiler hat zwei offene und zwei geschlossene Seiten.

Im Häuschen brannte früher ein Licht, das die Vorübergehenden und Vorüberfahrenden mahnte, ein kurzes Gebet für die armen Seelen zu verrichten. In der Dunkelheit wird es den Fuhrleuten auch den Weg zum Brucker-Tor gewiesen haben.

Seit der Renovierung der Totenleuchte im Jahre 1996 sind am Pfeilerschaft zwei große eingemeißelte Kreuze an der Vorderseite zu sehen.
Bruckertor

Bruckertor

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(Schlossertor)

Teil der 1630 - 1634 erbauten Befestigungsanlage
Wehrturm

Wehrturm

[08]
Am Bruckertor

Teil der 1630 - 1634 erbauten Befestigungsanlage
Paulussäule

Paulussäule

[09a]
aus dem Jahre 1721 vor der "Nikolauszeche" in der Bodenzeile Nr. 3

An der Hauptgasse und Bodenzeile steht vor der "Nikolauszeche" auf einer Säule die Statue des heiligen Apostels Paulus. Der Bildstock trägt die Inschrift "1720 Paul Scheibstock". Demnach hat der zünftige Hufschmiedmeister Paul Scheibstock zu Ehren seines Namenspatrons den Bildstock errichten lassen. Er besaß damals die Hofstatt in der Bodenzeile Nr. 3, in der eine Schmiedewerkstatt eingerichtet war.

Er bekleidete das Amt eines Ratsbürgers in der Gemeinde und war Kirchenvater in Purbach. Die Apostelgestalt mit dem Schwert wurde im Laufe der Jahrhunderte vom Zahn der Zeit arg angenagt, sogar der Kopf ging verloren. An den frommen Meister Paul Scheibstock erinnert ein Spruch an der Türe im Halbstock der "Nikolauszeche" aus dem Jahre 1740.

In goldenen Frakturlettern kann man lesen:
"Hüte dich, fluche nicht in meinem Hauss
oder gehe bald zur Thür hinauss!
Mögt sonst Gott im Himmelreich
beid straffen, mich und dich zugleich !"

Paul Scheibstock ist im Alter von 70 Jahren im Jahre 1747 in Purbach gestorben und begraben worden. Der Hufschmiedmeister hat zwei Denksäulen hinterlassen, die an ihn erinnern.

Der heilige Paulus, der Namenspatron des gottesfürchtigen Huf schmiedmeisters, wird im Kirchenjahr gleich zwei Mal gefeiert, am 25.Jänner ("Pauli Bekehrung"), als aus dem Saulus ein Paulus wurde und am 29. Juni ("Peter und Paul"), gemeinsam mit dem Apostel Petrus. Seine Fürbitte hilft gegen Blitz und Hagel, angerufen wird er für Regen und die Fruchtbarkeit der Felder und Weingärten.

Man muss diese Paulusstatue in Zusammenhang sehen mit dem Wetterkreuz, der Donatisäule, die der Schmiedemeister ebenfalls errichten ließ. Seine Weingärten lagen im Wetterwinkel von Purbach und waren besonders gefährdet. Der Apostel Paulus spielt auch eine Rolle im Bauernjahr, in den Wettersprüchen. Am 25. Jänner heißt es im Volksmund: "Paul Bekehri, draht si s`Wiazl in da Ead um" und "Paul Bekehri liacht, bringt a guids Weijoah". Am 29. Juni, zu "Peter und Paul", beginnt bei uns der Getreideschnitt
Glockenmadonna

Glockenmadonna

[09b]
aus dem 17. Jhdt. in einer Nische über dem Eingang zur "Nikolauszeche"

Im Jahre 1695 ließ der Eisenstädter Arzt Dr. Römer vor dem Erker seines Wohnhauses in der Hauptstraße Nr. 20 eine Mariensäule errichten. Diese steinerne Mariensäule ist der berühmten "Maria Einsiedeln" in der Schweiz nachgebildet.

Als Fürst Paul Esterhazy (1652 - 1713) während einer Fronleichnamsprozession diese Säule sah, war er so beeindruckt, dass er den Bildhauer Michael Felser beauftragte, diese Madonna zu kopieren. Die Bildsäule ließ der Fürst dann in seinem Badhaus in Großhöflein aufstellen, "sambt einer immerbrennenden Lampen,damit allda in Ansehung Gottes und der Jungfäulichen Himmels-Königin die darin badenden Menschen sich umbdesto aufferbaulicher verhalten möchten." Der Ort wurde während des Kuruzzenkrieges (1703 - 1709) niedergebrannt, aber die Mariensäule blieb unversehrt. Da wurde die Frau des herrschaftlichen Gärtners in Großhöflein, die sich mit einem inbrünstigen Gebet an die

Gnadenstatue gewendet hatte, von einer durch Jahre dauernden Fieberkrankheit plötzlich geheilt. Das war der Anfang einer Reihe von Gebetserhörungen. Die wundertätige Statue kam in die Pfarrkirche nach Großhöflein und wurde im Jahre 1711 in der Gnadenkapelle der neuerbauten Kalvarienbergkirche aufgestellt. Sie wurde das Ziel vieler Wallfahrer von nah und fern.

Auch auf dem Kalvarienbergplatz vor der Wallfahrtskirche steht auf einer mit Weinlaub umwundenen korinthischen Säule eine Glockenmadonna. Ihr zur Seite sieht man die beiden Pestheiligen Sebastian und Rochus, vor dem Sockel liegend die heilige Rosalia, errichtet im Jahre 1713.

Eine solche Barockmadonna, auch "Eisenstädter Madonna" genannt, steht in Purbach in der Bodenzeile Nr.3, in einer Nische oberhalb des Torbogens der "Nikolauszeche". Man sieht die Himmelskönigin mit dem Zepter in der rechten Hand und dem gekrönten Jesuskind auf dem linken Arm.

"Taufe Christi"

"Taufe Christi"

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aus dem 17. Jhdt. an der Westwand des Hinterhauses der "Nikolauszeche"

An der Westwand der "Nikolauszeche" sieht man in der Hauptgasse in einer Rundbogennische Johannes den Täufer, den bärtigen Asketen in härenem Bußgewand, wie er Jesus Christus tauft. In der linken Hand hält er ein Rohrkreuz (den Kreuzstab), in der rechten eine Muschel mit dem Jordanwasser. Der heilige Johannes, ein halbes Jahr älter als Jesus, war der letzte Prophet, die Stimme des Rufers in der Wüste, mit ihm geht das Alte Testament zu Ende, er gilt als Vorläufer Jesu und wurde der erste Märtyrer des Christentums.

Wahrscheinlich ließ der Hufschmiedmeister Johann Scheibstock diese Täufergruppe aufstellen. Er hat im Jahre 1696 die Hofstatt um 100 rheinische Gulden erworben und eine Schmiedwerkstatt eingerichtet.

Johannes der Täufer ist Zunftpatron der Schmiede, aber auch der Maurer und Steinmetze.

Am Namensfest Johannes des Täufers (24. Juni) scheint in Purbach die Sonne durch beide Tore, durch das "Türkentor" und das "alte Markttor". Dieses kosmische Ereignis kann man alljährlich am späten Nachmittag, beim Sonnenuntergang, beobachten und verfolgen. Die Schatten im Torinneren ziehen sich langsam zurück, und die letzten Sonnenstrahlen lassen das Innere der beiden Tore aufleuchten.
Ruster Tor

Ruster Tor

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Teil der 1630 - 1634 erbauten Befestigungsanlage
Antoniuskapelle

Antoniuskapelle

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aus dem Jahre 1759 gegenüber dem Gasthof "Zum Türkentor"

In Purbach steht schräg gegenüber zur Gaststätte "Zum Türkentor", neben dem "Lentsch-Haus", an der Eisenstädterstraße Nr. 2, eine Wegkapelle, die in der Burgenländischen Landestopographie und im Dehio-Burgenlandbuch als "Antoniuskapelle" aufscheint.

In der Ortsbevölkerung ist dieser Kapellenname unbekannt, sie wird "Greimel-Kreuz", "Schwendenwein-Kapelle" oder "Ehn-Kapelle" genannt. Michael Schwendenwein, der an der Türkenmauer wohnte, betreute diese Wegkapelle jahrelang, nachher übernahm die Familie Ehn, die an der Marktmauer ein Haus besitzt, diese Aufgabe. Die Wegkapelle ist ein einfacher quadratischer Bau mit einem Rundbogen und einem schmiedeeisernen Gitter. Im gesprengten Segmentbogen-giebel steht als Nischenfigur der heilige Antonius. Auf der Mensa in der Kapelle steht eine einfache Muttergottesstatue.

Diese Wegkapelle wird bereits im Jahre 1759 erwähnt und zwar unter dem Namen "Seidl-Kreuz" oder "Seidl-Kapelle". Im Jahre 1742 "erkauften" Michael und Elisabeth Seidl ein Kleinhäusl um 30 Gulden, das wahrscheinlich in der Hauptgasse Nr. 6 hinter der Marktmauer stand. Im Jahre 1755 erbte der ledige Sohn Paul Seidl das Kleinhäusl. Die Seidl dürften die Antoniuskapelle erbaut haben, zumindest wird sie zeitlebens von ihnen betreut worden sein. Im Jahre 1753 hinterließ Andreas Sandhofer der Pfarrkirche Pubach ein Legat in der Höhe von 100 Gulden. Andreas Sandhofer war ein sogenannter "äußerer Neuhäusler", sein Kleinhaus steht in der Unteren Bahngasse Nr. 36. Diese 100 Gulden wurden dann an den Mitnachbarn Mathias Prunner (Schulgasse Nr. 11) ausgeliehen, der dafür jährlich ca. 5 Gulden Zinsen zahlte. Mit diesen Zinsen wurde teilweise die "Seidlsche Kapelle" instandgehalten.

Dieses Legat wurde vom jeweiligen Zechmeister der "Sankt-Sebastiani- Zeche" verwaltet, und der Betrag mit den Zinsen scheint in den jährlichen Zechabrechnungen von 1759 bis 1795 regelmäßig auf. So findet man 1759 die Eintragung: "Zur sogenannten Seidelschen Capellen auf der Straßen, außer des Wirtshauses, in Empfang genommen, 10 Gulden". Der zum Inwohner gewordene Paul Seidl hinterließ 1770 in seinem Testament "zur Erhaltung unserrer lieben Frauen Kapellen zu Purbach 15 Gulden". Es handelt sich demnach um eine Marienkapelle. Nach münlicher Überlieferung stand früher eine Marienstatue aus der Pfarrkirche in der Wegkapelle, links und rechts sollen die Statuen der Pestheiligen Sebastian und Rochus gestanden sein.

Bis in die jüngste Zeit hielt der Pfarrer mit den Gläubigen am 15. August, zu Mariä Himmelfahrt, eine Andacht vor der Kapelle. Durch den immer stärker werdenden Durchzugsverkehr auf der Bundesstraße wurden die Teilnehmer in ihrer Sicherheit gefährdet. Überdies störte der Lärm der durchfahrenden Autos und Lastwagen die Andacht empfindlich.

Nachdem jährlich die Wallfahrer nach Loretto vor der Kirche vom Pfarrer verabschiedet und gesegnet wurden, zogen sie ebenso zur Antoniuskapelle. Dort wartete man stets auf die Nachzügler, dann ging es weiter nach Donnerskirchen.
Ecce-Homo-Säule

Ecce-Homo-Säule

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aus dem 17.jhdt. Eisenstädterstrasse 30

In Purbach steht vor dem Haus in der Eisenstädter-Straße Nr. 30 eine "Ecce-Homo-Säule". Sie stand früher gegenüber dem Restaurant Hoffman, an der Einbiegung in die Neubaugasse. Im Zuge einer Straßensanierung wurde sie an die jetzige Stelle versetzt.

Die Säule trägt keine Inschrift mehr, man weiß nicht wann und aus welchem Grund sie errichtet worden ist. Im Volksmund wird sie auch "Moser-Kreuz" genannt. Demnach gehört sie zum Haus in der Hauptgasse Nr. 10 und wurde von einem Vorbesitzer auf seinem Grundstück errichtet. Nach dem Dehio -Handbuch stammt die Säule aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Demnach kämen der Bindermeister Georg Goßman und seine Ehefrau Margarethe als Stifter der Säule in Betracht. Sie dürfte in der Werkstätte des Sankt Margarethener Steinmetzmeisters Martin Kugler hergestellt worden sein. Es stehen acht ähnliche Säulen in verschiedenen Ortschaften des Bezirkes Eisenstadt.

Wie in einem aufgeschlagenen Buch kann man die Bilder auf dem Säulenschaft betrachten und deuten. Der Steinmetzmeister hat ein Passionsgedicht mit vielen Strophen in den Stein gemeißelt und verewigt. Der Stein redet uns förmlich an, er schildert die Leiden des Herrn. Es liegt an uns, diese Stimme zu hören und die Botschaft anzunehmen.

Die Dorfleute plagten sich im Schweiße ihres Angesichts in den Weinbergen und auf den Feldern von früh bis abends. Sie waren gezeichnet von der schweren Arbeit, erfüllt von Gottesfurcht und Gottvertrauen und bedroht von Pest, Feuers- und Türkennot. Eine strenge und harte Gerichtspraxis mit Stock, Pranger, Kotter, Folter und Galgen hielt die Untertanen im Zaum, sie sorgte für Ruhe und Ordnung in der Dorfgemeinschaft. Die Marterwerkzeuge waren damals den Leuten nicht fremd. In den Fastenpredigten befasste sich der Pfarrer eingehend und ausführlich mit dem Leidensweg des Herrn.

Ein altes Gebet vom "Leiden Christi" aus Apetlon mit seinen schlichten und einfachen Worten aus einer vergangenen Zeit soll stellenweise zitiert werden und mithelfen, die Bilder und Zeichen auf der Säule zu beschreiben und zu verlebendigen.

Der quadratische Pfeiler trägt eine an ein Kruzifix angelehnte Maria, er zeigt auf drei Seiten, rhythmisch ausgewogen und übersichtlich angeordnet, die verschiedenen Leidenswerkzeuge, die "Arma Christi". Es werden meist jeweils zwei Leidenswerkzeuge gezeigt, die zusammenpassen.

Wenn man die Vorderseite der Säule betrachtet, wird man gleich mitten in das Passionsgeschehen gestellt. Geißel und Rute erinnern an Pontius Pilatus, der die Geißelung Jesu angeordnet hat.

Hammer und Zange waren Werkzeuge, die beim Einschlagen und Herausziehen der Nägel dem Gekreuzigten große Schmerzen bereitet haben.

"Als Jesus zum Richtplatz kam, legt man aufs Kreuz ihn nieder und heftete mit Nägeln an seine blutgefärbten Glieder. Drei volle Stund, Herr Jesu Christ, littest du Schmerzen."

Vier Leidenswerkzeuge zusammengefasst zeigen den Höhepunkt der Passionsgeschichte: Schwammstock, Leiter, Lanze und Strick. Leiter und Strick wurden bei der Kreuzaufrichtung und bei der Kreuzabnahme benötigt. Mit dem Essigschwamm wurde der Durst des Heilands gemildert.

"Er hat mit seinen sieben Wort den bitteren Durst beglaget und wurde dann mit einem Schwamm durch Essig-Gall gelabet".

Mit der Lanze des römischen Soldaten Longinus endet die Reihe der Leidenswerkzeuge auf dieser Seite der Säule.

"Da kam der Tod heran, sein Herz musste brechen, Longinuss mit dem Speer hat ihm das Herz durchstoßen, daraus ist kostbares Blut zu unserem Heil geflossen."

Der Totenkopf mit dem gekreuzten Gebein erinnert an das Haupt Adams, an den ersten Menschen und an Golgatha, die Schädelstätte.

Auf der linken Seitenfläche des Säulenschaftes erinnern Wasserkrug und Becken an Pontius Pilatus, der seine Hände in Unschuld wäscht und Jesus zum Kreuzestod verurteilt. Mit dem Soldatenhandschuh wurde Jesus ins Gesicht geschlagen.

"Ein Krieger wagte sich, ihn mit der Faust ins Angesicht zu schlagen."

Spieß und Schilfrohr erinnern an die Verspottung Jesu.

"Und als Geiseln ihm den Leib hat grauenvoll zerfetzt, da hat man eine Dornenkron ihm schmerzlich aufgesetzt. Statt des Zepters gab man ihm ein Rohr in seine Hände, Pilatus sprach das Urteil dann und brach den Stab behende".

Der Hahn erinnert an die Gefangennahme Jesu und an Petrus. Ehe der Hahn ein Mal gekräht, hat Petrus seinen Herrn drei Mal verleugnet. Der Hahn ist das einzige Tier, das in der Leidensgeschichte eine Rolle spielt. "Petrus,den sein Gewissen plagte, wollte nicht vom Meister gehen. In Kaiphas Hof hat ihn die Magd am Feuer dort gesehen, als er sich seine Hände wärmte. Da fing sie an zu fragen, ob er den Menschen kennt, die Wahrheit sollte er sagen. Petrus sprach:

"Ich kenn ihn nicht", fing gleich an zu schwören. Der Heiland sah ihn gnädig an, da ließ der Hahn sich hören".

Schließlich sieht man unten die Martersäule mit dem Ring, an den die Schergen Christus mit einem Strick gebunden haben.

"Pilatus konnte keine Schuld an ihm gar nicht finden, doch befahl er, daß man sollt ihn an eine Säule binden. Man gab ihm auch viel Geißelstreich von Haupt bis zu den Füßen, daß er ohnmächtig an der Säule hat niedersinken müssen".

Auf der gegenüberliegenden Seite des Säulenschaftes sieht man die Lampe des Malchus, in der eine Kerze brennt. Es wird an die Gefangennahme Jesu während der Nacht und an den Verrat durch Judas erinnert.

"Und Judas von ferne führte eine bewaffnete Schar mit Fackel und Laterne".

Darunter sehen wir eine brennende Fackel und das Schwert des Petrus mit dem abgehauenen Ohr des Malchus, einem Knecht des Hohenpriesters im Garten Gethsemane.

"Dem Petrus war sein Meister lieb, zog das Schwert in bangen Eilen, hieb das Ohr des Malchus ab, nur Jesus konnte es ihm heilen".

Aus einem aufgeschnürten Lederbeutel fallen 15 Geldstücke heraus. Jede Münze ist mit einem Kreuz versehen. Der Kreuzer war früher ein gängiges Zahlungsmittel in unserer Gegend. Es handelt sich um den Geldbeutel des Judas, der um 30 Silberlinge seinen Herrn verraten hat. Den Abschluss auf dieser Seite der Säule bilden drei Spielwürfel und der blutgetränkte ungenähte Rock des Herrn. Im Johannesevangelium findet man dazu die folgenden Worte:

"Nachdem nun die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie sein Obergewand, machten vier Teile daraus, dazu den Leibrock. Der Leibrock aber war ohne Naht von oben an im ganzen gewebt. Und sie sagten zueinander:,Wir wollen ihn nicht zerschneiden, sondern um ihn würfeln, wem er gehören soll".

Diese "Ecce-Homo-Säule" gehört zu den interessantesten und künstlerisch wertvollsten historischen Kunstdenkmälern und Steinmetzarbeiten im Ort.
Sebastiansäule

Sebastiansäule

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aus dem Jahre 1711 an der Bundesstraße nach Donnerskirchen, gegenüber der Lourdeskapelle

Mit der Unterzeichnung des Friedensvertrages von Szatmar am 26. Mai 1711 endete der Kuruzzenkrieg (1704-1711), der auch in Purbach gewütet hatte.

Der Heilige Sebastian war, der Legende nach, Offizier der kaiserlichen Leibgarde Diokletians (284-305). Um 300 wurde er, wegen seines Eintretens für die verfolgten Christen, auf Befehl des Kaisers verurteilt, er sollte mit Pfeilen erschossen werden. Da er daran nicht starb, wurde er durch Keulenschläge getötet. Sein Namensfest wird am 20. Jänner gefeiert.

Wenn man, von Donnerskirchen kommend, auf der Bundesstraße nach Purbach fährt, erblickt man in der Linkskurve vor der Stadt am rechten Straßenrand die Sebastianisäule.

Auf einer toskanischen Rundsäule steht der Schutzpatron, durchbohrt von vergoldeten Schmerzenspfeilen. Die Figur wurde gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, im Zuge von Kampfhandlungen, schwer beschädigt. Sie musste heruntergenommen werden, und so stand lange Zeit bloß die Säule verlassen da. Die Figur konnte erst im Jahre 1985, auf Veranlassung des Purbacher Pfarrers, Herrn Dechant Dr. Franz Hillinger und Dank der Spendenfreudigkeit der Stadtbevölkerung renoviert werden. Der neue Sebastiani stammt vom akademischen Bildhauer Josef Paulesich aus Draßburg.

Nach der Renovierung der Säule kann jetzt die nur bruchstückhaft erhaltene und in der Burgenländischen Landestopographie wiedergegebene Inschrift am Anfang ergänzt werden. Sie lautet:

"Anno 1711, den 12. Augusti, hab ich, Meister Michael Tingraf, Fleischhacker und Mitnachber im Markt Purbach und Eva, die meine..... Wirtin und heiliger Sebastian".

Diese Ehewirtin Eva wurde am 23. April 1663 als Tochter des Adam Goßmann und der Ehefrau Agnes in Purbach geboren. Adam Goßmann besaß damals das Halblehenshaus in der Kirchengasse Nr.17. Eva Goßmann heiratete am 9. Juni 1686 den "ehrbaren" Hans Haas, Wittiber und Gmain Leitgeb "Zur Halsen". Als Trauzeugen scheinen auf: Friedrich Goßmann (der Besitzer des Halblehenshauses mit dem "Türken im Rauchfang"), Mathias Haas, Hans Christoph Koller, ein Fleischhauermeister in Purbach und Hans Gabriel. Friedrich Goßmann war Ratsbürger und von 1673 bis 1681 Zechmeister der "Sankt-Sebastiani-Stiftung", einer kirchlichen Zeche in Purbach. Im Jahre 1704, nach Beginn des Kuruzzenkrieges, starb Johann Haas. Er hinterließ ein Viertelhaus in der Hauptgasse Nr. 13 im Wert von 400 Gulden, 3 Überlandweingärten um 322 Gulden, 50 Eimer um 200 Gulden, insgesamt 1070 Gulden. Neben der Witwe blieben fünf Kinder zurück, drei Söhne und zwei Töchter.

Während des Kuruzzenkrieges, am 11. Jänner 1708, heiratete die Witwe den Fleischhauermeister Michael Tingraf (Dingraf). Aus welchem Anlass das Ehepaar die Sebastianisäule errichten ließ, geht aus der nur teilweise erhaltenen Inschrift am Sockel nicht hervor. Interessant ist, dass unterhalb der Inschrift, nur schwer erkennbar, ein Osterlamm zu sehen ist. Das Osterlamm, das eine Kirchenfahne trägt, war damals das Zunftzeichen der Fleischhauer. Purbach war seit dem Jahre 1655 Sitz der Fleischhauerzunft in der Herrschaft Eisenstadt und Michael Tingraf wahrscheinlich Zunftmitglied. Am 20. Dezember 1728 wurde Michael Tingraf, "gewester Mitnachbar und Fleischhauermeister, 60 Jahre alt" im Purbacher Friedhof begraben. Seit dem Mittelalter gab es in Purbach eine "Sebastiani-Zeche", auch "Frühmeß-Zech" oder "Kaplanei-Stiftung" genannt. Fromme Purbacher hatten der Kirche Weingärten vermacht und hinterlassen. Aus dem Ertrag dieser Zechweingärten sollte ein Kaplan bestellt und bezahlt werden. Zum Besitz der "Sebastiani-Bruderschaft" in Purbach gehörten im Jahre 1597:

  1. Ein Haus, das "Frühmesserhaus" genannt.
  2. Ein Fischwasser, "Frühmesswasser" genannt, bei der "Großen Schweb" im Neusiedler See gelegen.
  3. Ein Achtel Weingarten im "Glaberinzer".
  4. Drei Achtel Weingarten in der "Setzen".
  5. Anschließend an diesen Weingarten ein Acker, den der jeweilige Zechmeister für sich nutzen durfte.Dieser "Sebastiani-Zeche", auch "kleine Zeche" genannt, stand ein Zechmeister vor. Dieser Zechmeister wurde vom Pfarrer jeweils für drei Jahre bestellt. Es war dies meist ein wohlhabender, gut wirtschaftender, tüchtiger Halblehensbauer, der mit Hilfe von ständigen Taglöhnern die Zechweingärten bewirtschaftete. Aus dem Ertrag dieser Weingärten und des Fischwassers wurde der Kaplan bezahlt, später der Schulmeister. Im Jahre 1638 scheint unter Pfarrer Johann Prey der heilige Sebastian als zweiter Kirchenpatron auf ("St. Nicolay und Sebastian Pfarrkirche zu Purpach"). Schon in der alten Pfarrkirche hat es eine Sebastianikapelle gegeben. Es gab auch zwei Kirchweihfeste, der "große Kirtag" wurde am 2. Sonntag nach Ostern gefeiert, der "kleine Kirtag"am 3. Sonntag nach Pfingsten. Der heilige Sebastian wurde nicht nur als Pestpatron verehrt, sondern auch als Schutzpatron der Schützen und Soldaten.

    Eine ähnliche Sebastianisäule steht im Wald von Sankt Georgen am Wallfahrerweg nach Loretto. Sie trägt auf dem Sockel folgende Inschrift: "Gott und unser lieben frauen und den hl. Sebastian zu Ehren, hab ich, Meister Johannes Ziegler, Hofpinter und Maria, mein Ewirtin, dieses Creitz allda sezen lasen. Gott sey ewig Tanckh gesagt 1711, den 29. July", Ferner sind die Zunftzeichen "Fass, Meßzirkel und Schlegel" zu erkennen.
Lourdeskapelle

Lourdeskapelle

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errichtet im Jahr 1886 an der Bundesstraße nach Donnerskirchen, gegenüber der Sebastiansäule

In der Grotte im Felsen von Massabielle bei Lourdes (heute im Stadtgebiet) erschien am 11. Februar der 14-jährigen Bernadette Soubirous, Tochter eines arbeitslosen Müllers, eine "Dame". Die Erscheinungen ereigneten sich insgesamt 18 mal, zuletzt am 16. Juli 1858. Am 25. Februar hatte die "Dame" dem Mädchen befohlen, von einer Quelle in der Grotte, die unmittelbar daraufhin entsprungen war, zu trinken und sich mit dem Wasser zu waschen. Die Quelle floss anfangs spärlich, dann reichlicher, heute gibt sie täglich 120.000 l Wasser. Die "Dame" verlangte außerdem den Bau einer Kapelle, zu der man in Prozessionen kommen solle und forderte die Menschen zu Gebet und Buße auf. Die zuständigen kirchlichen Stellen, besonders der Pfarrer Peyramale und der Bischof Laurence von Tarbes, dem Lourdes unterstand, verhielten sich lange sehr zurückhaltend, ja feindselig gegenüber Bernadette.

Erst als das Mädchen auf Geheiß des Pfarrers die "Dame" nach ihrem Namen fragte, antwortete diese: "Ich bin die Unbefleckte Empfängnis". Der Pfarrer war über die Antwort des völlig unerfahrenen Mädchens derart erschüttert, dass er von nun an an die Erscheinung glaubte. Sie erschien ihm wie eine unerwartete Bestätigung des Himmels über die Definition des Glaubenssatzes über die "Unbefleckte Empfängnis Maria" durch Papst Pius IX., am 8. Dezember 1854, aus dem Mund eines völlig unwissenden Mädchens, das den Katechismus kaum erlernen konnte.

Der Bischof setzte am 28. Juli 1858 eine Kommission ein, nach deren Urteil er am 18. Jänner erklärte, die Erscheinungen trügen alle Merkmale der Wahrheit an sich, und die Gläubigen seien berechtigt, an die Wahrheit der Erscheinungen zu glauben.

Nach Bernadettes Angaben schuf der Bildhauer J. Fabisch eine Marienstatue, die 1864 in der Grotte aufgestellt wurde. 1876 wurde über der Grotte eine Kirche eingeweiht.

Lourdes, am Nordrand der Pyrenäen, ist der größte Wallfahrtsort der Welt, Gläubige aus allen Nationen versammeln sich hier zum Gebet. Wenn man entlang der Bundessstraße von Purbach nach Donnerskirchen geht, steht nach dem Ortsende an der rechten Straßenseite, unter einer Baumgruppe, die "Lourdes-Kapelle", schräg gegenüber der Sebastianisäule.

Maria Kummer, eine Halbwirtin in der Hauptgasse Nr. 48-50, litt im Alter von 28 Jahren an einer schweren Krankheit. Mit ihrem Ehemann Georg suchte sie mehrere ungarische Ärzte und Heilbäder auf, aber es konnte ihr nicht geholfen werden, es gab keine Heilung.

Da hörte das Ehepaar von den wunderbaren Heilungen in Lourdes in Frankreich und schöpfte Hoffnung. Eine Fahrt nach Lourdes konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht gewagt werden. So riefen sie Maria in Lourdes um Hilfe an und gelobten ihr die Errichtung einer Wegkapelle, sollte die Frau wieder gesund werden. Und siehe da, die Frau genas, sie kam wieder zu Kräften und wurde 83 Jahre alt. Als Dank ließen die Eheleute im Jahre 1886 die Loretto-Kapelle errichten. Im Kirchenbuch ist vermerkt: "Am 16. August 1886 wurde die Statue Maria Lourdes durch den Herrn Abt und Stadtpfarrer in der Kirche benefiziert und feierlich an ihren Standort in der Nähe des heiligen Sebastian aufgestellt". Im Jahre 1934, ein Jahr nach der Heiligsprechung Bernadettes, ließen Anton und Therese Hackstock (Hauptgasse Nr.48-50) die Wegkapelle renovieren. Als 1945, im Zuge von Kampfhandlungen zum Kriegsende, die Marienstatue beschädigt wurde, ließ das Ehepaar Stephan und Rosalia Heustadl (Hauptgasse Nr.18) eine neue Marienstatue vom heimischen akademischen Bildhauer Professor Paul Steindl, anfertigen. Im Jubiläumsjahr 1985, hundert Jahre nach den ersten Marienerscheinungen in Lourdes, wurde die Marienfigur in der Pfarrkirche von Kreisdechant Monsignore Johann Kugler benefiziert und nach einer feierlichen Prozession mit weißgekleideten Mädchen in der Wegkapelle aufgestellt. Auch die im Jahre 1945 beschädigte Marienstatue ist noch vorhanden, sie wurde inzwischen ergänzt und restauriert, sie befindet sich in Privatbesitz.
Annakapelle

Annakapelle

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aus dem Jahr 1742 Im Friedhof

Die heilige Anna war die Mutter Marias. Annas Ehe mit Joachim blieb lange Zeit kinderlos, bis sie im hohen Alter Maria gebar. Die Verehrung der heiligen Anna erreichte im ausgehenden Mittelalter ihren Höhepunkt als Ausdruck der Mütterlichkeit, besonders unter dem Bild der "Anna selb dritt" (die greise Mutter Anna und Maria mit dem Jesuskind). Ihr Fest wurde im Jahre 1584 durch Papst Gregor XIII. für die ganze Kirche vorgeschrieben. Der Dienstag ist der heiligen Anna geweiht. Es gibt in Europa zahllose Kapellen, Kirchen, Wallfahrtsorte, Berge und Brunnen, die ihren Namen tragen. Durch die Reformation erfuhr die Verehrung der heiligen Anna eine Zeit lang einen Rückgang, blühte aber im 17. Jahrhundert im Zuge der Gegenreformation wieder auf. Die heilige Anna ist Patronin der Schwangeren, der Mütter, der Witwen und der Dienstmägde.

Im Jahre 1742 ließen Johanna und Susanna Prunner in Purbach unweit des Spitals auf dem Friedhof eine Kapelle errichten, die der heiligen Anna geweiht wurde. Johann und Susanna Prunner waren Ganzlehner in der Hauptgasse Nr. 38, der Besitz gehörte zur Herrschaft Scharfeneck- Mannersdorf in Niederösterreich. Nach einer gründlichen Renovierung wurde in diesem Gebäude das neue Gemeindezentrum eingerichtet.



Nach dem Tod der Ehefrau, einer geborenen Kießling, im Jahre 1759, heiratete der Witwer ein Jahr später Magdalena Reinprecht aus Donnerskirchen. In der Folgezeit hat die zweite Ehefrau für die Erhaltung der Spitalskapelle Sorge getragen und darauf gesehen, dass der Festtag, der Anna-Tag, am 26. Juli, feierlich begangen wird. Damals war Franz Jänitschke Schulmeister, Marktschreiber und Kantor in Purbach. In der Spitalskapelle wurden während des Jahres einige Messen gelesen. Dem Kantor gebührten für eine heilige Messe in der Annakapelle "vor seine Müh 6 Kreutzer". Die Annakapelle wird vor allem von den Spitalinsassen besucht worden sein, wenn ihnen der Weg zur Pfarrkirche zu weit war. Die Annakapelle ist ein zierlicher Barockbau, zwei Joche lang, mit halbrundem Abschluss. Die Fassade wird von zwei Pilastern eingefaßt, die Türe mit Segmentbogen geschlossen. Am Schlussstein befinden sich die Initialen "P.L." und die Jahreszahl "1742". Über dem Eingang steht die Steinfigur der heiligen Anna, ober der Nische ein breitovales Fenster und darüber eine leere Kartusche. Außerdem besitzt die Kapelle einen trapezförmigen Giebel mit rechteckigem Fenster, darüber eine leere Blattkartusche, sowie ein abgewalmtes Satteldach.

Zubau: Sakristei. Innenraum: Musikchor auf niedriger Korbbogentonne.

Hochaltar: Steinmensa, Holztabernakel, zwei adorierende Engel. Holzaltaraufbau mit korinthischen Säulen, geschweifter Aufsatz mit zwei Engeln und Auge Gottes mit Strahlenkranz.

Altarblatt: Heilige Anna mit Maria. Aufsatzbild: Dreifaltigkeit.
Seitliche Durchgänge aus Stein mit Holzfiguren: heiliger Josef und heilige Barbara.
Seitenaltäre: in den Nischen rechts heiliger Florian und links die Muttergottes.
Früher stand in der Kapelle eine riesige geweihte Osterkerze aus dem Jahre 1745.
Spitzkreuz (Rest einer Wegkapelle)

Spitzkreuz (Rest einer Wegkapelle)

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aus dem Jahre 1750 auf der rechten Seite der Auffahrt zum Restaurant Kloster am Spitz am unteren Ende eines Weingartens

Auf der rechten Seite der Auffahrt zum Restaurant Kloster am Spitz steht am unteren Ende des Weingartens die Giebelwand einer Antoniuskapelle, die den Namen "Spitzkreuz" trägt. In der Nische oberhalb des Torbogens steht die Heiligenfigur mit Jesuskind am Arm. Sie wurde nach dem 2. Weltkrieg vom akademischen Bildhauer Professor Paul Steindl restauriert und instandgesetzt. Im Keilstein über dem Kapelleneingang kann man die Initialen und die Jahreszahl " I P 1750 " ausnehmen.

Im Jahre 1750 kauften Joseph und Maria Praunstein " einen Keller und eine Wohnung in Spitz, außer des Marckts " um 700 Gulden. Joseph Praunstein war von 1750 bis 1753 Marktrichter in Purbach. Demnach düfte Joseph Praunstein den Ankauf des "Spitzkellers" und den Antritt seines Marktrichteramtes mit dem Bau der "Antoniuskapelle" gekrönt haben. Er erbte das Halblehenshaus in der Hauptgasse Nr. 52 von seiner Mutter, der Witwe nach Jakob Praunstein, ehemaligem Kirchenzechmeister und Marktrichter. Der Onkel Joseph Praunsteins, Christoph Praunstein, war von 1741 bis 1745 Pfarrer in Purbach.

Im Jahre 1783 erbte Anton, der Sohn Joseph Praunsteins, den "Spitzkeller" mit der Wohnung und eine dazugehörende Wiese.

Im Jahre 1847 erbte Anton Tinagl von seiner Mutter, Witwe nach Anton Lazerus, den "Spitzkeller" und ein Halblehenshaus in der Hauptgasse Nr. 36. Er betreute die Antoniuskapelle und war von 1858 bis 1861 Marktrichter in Purbach. In dieser Zeit dürfte die Antoniuskapelle abgebrannt sein. Auf der Perspektivkarte (1830- 1838) ist diese Wegkapelle eingezeichnet und deutlich zu erkennen.

Früher diente die Wegkapelle den Wallfahrern als Andachtsstätte und als Rastplatz, wenn sie zu Fuß über das Leithagebirge nach Loretto und Stotzing gingen oder von dort zurückkehrten.
Johannes von Nepomuk-Statue

Johannes von Nepomuk-Statue

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aus dem Jahre 1730 auf der Terrasse des Restaurants Kloster am Spitz

Auf der Terrasse des Restaurants Kloster am Spitz in Purbach steht in einem schattigen Winkel eine schöne Nepomukstatue. Der Engel zu seinen Füßen mit Schweigegestus erinnert an das Beichtgeheimnis. Der Sockel trägt die Inschrift: "St. Johannes Nep. Renovatus Ano 1755, 1855" .

Nach Dehio stammt die Säule aus dem Jahre 1730. Sie soll früher an der Brücke gestanden sein, die über den Bach zur Mühle führte.

Nepomuk wurde 1345 in Pomuk, südlich von Pilsen in Böhmen als Sohn eines Amtmannes geboren. Im Jahre 1370 wurde er Kleriker und öffentlicher Notar der erzbischöflichen Gerichtskanzlei in Prag. 1380 war er Pfarrer in St. Gallus in Prag und Seelsorger der deutschen Kaufleute. Dann schickte ihn der Bischof nach Padua, wo er Jura studierte und 1387 Doktor wurde. Nach Prag zurückgekehrt, wurde er Generalvikar des Prager Erzbischofs. Da er gegen König Wenzel IV. (1378-1400) die Rechte des Bistums und des Domkapitels energisch vertrat, fiel er in Ungnade. 1393 wurde er festgenommen, gemartert und als Sterbender in der Moldau neben der Karlsbrücke ertränkt.

Der Legende nach hatte der König der Treue seiner Gattin, der Königin Johanna, misstraut, weil sie zu oft zur Beichte ging. Er habe daher von Johannes die Freigabe des ihm anvertrauten Beichtgeheimnisses seiner Gattin verlangt, was dieser aber beharrlich verweigerte.

Seine Verehrung setzte spontan nach seinem Tod ein, sein Grab im Prager Dom überdauerte die Wirren der Hussitenkriege und der Reformationszeit. Er wurde 1729 heiliggesprochen, sein Namenstag wird am 16. Mai gefeiert. Die unzähligen Nachbildungen des auf der Prager Karlsbrücke errichteten Standbildes machten ihn zum bekanntesten Brückenheiligen.

Er ist Schutzherr von Böhmen und Patron der Beichtväter, der Zungenleidenden, der Schiffer und der Müller. Er wird bei Wassernot und bei falscher Verdächtigung um Hilfe angerufen.

Er wird als Priester mit Talar, Chorrock und Birett mit dem Kruzifix in der Hand abgebildet.
Wegkreuz

Wegkreuz

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aus dem Jahr 1668 in der Weingartenried "Streifling"

In der Weingartenried "Streifling" steht unweit der "Donati-Säule" ein Wegkreuz, auf dem man nur mehr die Jahreszahl "1668" ausmachen kann . Auf einem Würfelsockel steht ein quadratischer Pfeiler mit Spiegeln und einer ausladenden Deckplatte.

Trotz intensiver Bemühung ist es bis jetzt nicht gelungen, Näheres über dieses Wegkreuz zu erfahren . Die Säule trägt keinen Namen mehr, er ist im Laufe der Jahrhunderte vergessen worden . Interessant ist das gusseiserne Kruzifix, das der Säule in späterer Zeit aufgesetzt wurde . Niemand in der Gemeinde weiß, welche Bewandtnis es mit diesem Kreuz auf sich hat, wann es aufgesetzt wurde, wer es angebracht hat und weshalb es auf den Pfeiler kam.

Die Votivtafel unterhalb des Gekreuzigten trägt von der Inschrift nur mehr die drei Buchstaben "I . H . S .", alles übrige hat der Regen weggewaschen . Das Kruzifix dürfte erst im 19 . Jahrhundert auf die Säule gekommen sein .

Vielleicht handelt es sich um ein altes Wetterkreuz aus dem Jahre 1668, da es im Purbacher Wetterwinkel steht . Das Kreuz steht am Rande des Weingartens des Herrn Spreitzenbarth und wird deshalb als "Spreitzenbarth - Kreuz " bezeichnet . Vor kurzem wurde es renoviert und dem Schaft ein steinernes Kreuz aufgesetzt .
Grill- oder Winkler-Kreuz

Grill- oder Winkler-Kreuz

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aus dem Jahre 1861 in der Nähe des Kirschblütenweges von Purbach nach Donnerskirchen

Auf dem Güter- und Radfahrweg von Purbach nach Donnerskirchen, unterhalb und unweit der Hotelpension Hölzl - Schwarz, steht eine Wegkapelle, Grill- oder Winklerkreuz genannt.

Der einfache Kapellenbau trägt eine Tafel mit der Inschrift: "Erpaut durch Georg Schüller 1861". Auf dem Giebel trägt ein durchbrochenes eisernes Kreuz die Jahreszahl "1861".

Georg Schüller, der Erbauer der Wegkapelle, war ein sogenannter Halbwirt in der Hauptgasse Nr.10. Viele ehemalige Halblehenshäuser beherbergten damals zwei Besitzer, zwei Halbwirte. An der Zimmerdecke des einen Hausteiles und an der Kellertür erinnern noch heute die Initialen und die Jahreszahl "G SL 1868" an Georg Schüller. Er stammte aus dem Hofstadthaus neben der "Nikolauszeche" in der Bodenzeile Nr. 2.

Georg Schüller beschäftige sich neben der Landwirtschaft mit dem Holzverkauf und dem Holzhandel, der bis nach Wien reichte. Wieder einmal hatte er im Wald eine große Anzahl von Bäumen gefällt und Holz gemacht, das er dann außerhalb der Marktmauer, in der heutigen Schmalkräftengasse zum Trocknen aufstapelte. Dieser Holzlagerplatz ist heute verbaut. Da brach ein Großfeuer aus, das viele Häuser in Schutt und Asche legte. Durch den Sturmwind angefacht wurde auch der Holzlagerplatz in Schutt und Asche gelegt. Aber wie durch ein Wunder blieb sein Holzstapel vom Feuer verschont. Er konnte nun sein Holz zu guten Preisen verkaufen. Mit Freude betrachtete er das viele eingenommene Geld in seiner Truhe, und mit Wonne wühlte er in den Silber- und Kupfermünzen. Wenn seiner kleinen Tochter die Zeit lang wurde, gab er ihr ein Simperl in die Hand und ließ das Kind nach Herzenslust mit den Silbertalern spielen.

Diese Geldtruhe wird noch auf einem Dachboden in Purbach aufbewahrt, nur die schweren Schlösser sind im Laufe der Jahre verlorengegangen.


Als Dank für die Verschonung vor dem Feuer ließ der gottesfürchtige wohlhabende Mann am Rand seines Weingartens die Wegkapelle errichten, die noch heute von seinen Nachkommen betreut wird. Da der vorbeiführende Weg immer wieder aufgeschüttet werden musste, versank die Kapelle im Laufe der Zeit im Boden. Vor kurzem legte man ein Betonfundament und hob die gesamte Kapelle mit Hilfe von hydraulischen Pressen um 40 Zentimeter. Anschließend wurde sie gründlich renoviert. Die Restaurierung der Kapelle hat Gemeinderat Roman Opitz in die Wege geleitet und organisiert. Seiner Tatkraft ist es zu verdanken, dass die Arbeiten so zügig und rasch durchgeführt werden konnten.

In Rahmen einer kurzen Andacht wurde am 26. Oktober 1993 die renovierte Kapelle geweiht.

In der Wegkapelle soll früher ein Bild mit dem Heiland zu sehen gewesen sein, wie er mit ausgebreiteten Armen die Flur segnet. Die Leute nannten sie früher auch die "Auferstehungskapelle".
Donati-Kreuz

Donati-Kreuz

[21]
aus dem Jahre 1718 inmitten der Weinberge

Unweit der Winkler-Kapelle, inmitten der Weinberge, steht die Donati-Säule. Der gottesfürchtige Hufschmied Paul Scheibstock, er war auch Kirchenvater und Ratsgeschworener, ließ dieses Wetterkreuz im Jahre 1718 errichten. Seine Werkstatt hatte er im Gebäude der "Nikolauszeche", in der Bodenzeile Nr.3.

Die toskanische Säule steht auf einem mächtigen Sockel, sie krönt eine wolkenverhangene Nische, darin kniet Donatus, der Wetterheilige.

Der Sockel der Säule trägt folgende Inschrift: "Gott und dem heil. Donati zu Ehren hab ich, M. Paul Scheibstock und Barbara, meine Ehewirtin, diese Säulen aufrichten lassen, dass uns Gott durch die Vorbitt des heil. Donati vor Schauer und Gefrier,Wasserguss und schädlichem Ungewitter gnädiglich behüten wolle. Amen. 1718."


Diese Donati-Säule steht im Wetterwinkel von Purbach, dort brauen sich die Unwetter und die für die Weingärten oft folgenschweren Hagelgewitter zusammen. Ein Hagelschlag kann die gesamte Weinernte vernichten. Das gleiche können auch strenge Nachtfröste bewirken, besonders im Frühjahr, wenn die Reben schon Knospen angesetzt haben. Der Heilige soll also den kostbarsten Besitz der Purbacher, ihre Weingärten, vor Schaden und vor den Wetterunbilden bewahren.

Wer war nun Donatus, und wie kam er in unsere Gegend? Wie kommt Donatus dazu, bei uns als Wetterheiliger verehrt zu werden?

Donatus (= der von Gott Geschenkte) war Bischof von Arezzo in der Toskana in Italien und starb wahrscheinlich den Märtyrertod im Jahre 362 unter Kaiser Julian Apostata (361- 362).


Im Jahre 1650 wurde in den Katakomben Roms der Leichnam eines Märtyrers entdeckt, der den Namen "Donatus" erhielt. Als 1652 seine Reliquien in das neuerrichtete Jesuitenkolleg nach Münstereifel in Nordrhein-Westfalen überführt wurden, wandelte sich der strömende Regen, der bis dahin in Münstereifel geherrscht hatte, in herrliches Sonnenwetter (daherWetterpatron).

So war Donatus durch die Übertragung seiner Gebeine wieder der Vergessenheit entrissen worden, war ein moderner Heiliger geworden, wenn man diesen Ausdruck so gebrauchen will. Die Verehrung wurde von den Jesuiten gefördert, da sein Leib in einem ihrer Klöster ruhte.

Das Volk brachte seinen Namen mit dem Begriff "Donner" in Zusammenhang. Sein Namensfest wird in unserer Gegend am 7.August gefeiert, dieser Tag ist oft verregnet.
Mariahilferkreuz (Tschigerlkreuz)

Mariahilferkreuz (Tschigerlkreuz)

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Jahr: unbekannt In der verlängerten Friedhofsgasse

In der burgenländischen Landestopographie und im Dehio-Handbuch "Burgenland" wird das Mariahilferkreuz auch "Tschigerlkreuz" genannt. Diese Bezeichnung ist den Purbachern nicht bekannt. Die Wegkapelle steht in der verlängerten Friedhofgasse an einer Weggabelung. Die einfache rechteckige Kapellennische ist an den Felsen gebaut, am Giebel ist ein niedriges Ankerkreuz angebracht.

Zur Kapelle führen zehn Stufen hinauf. Über der Bogenöffnung steht die Inschrift:"Heilige Maria, bitte hilf uns !"

Ein alter Hohlweg führt von den "Rosenberi-Weingärten" herunter. In das Kalkgestein haben im Laufe der Jahrhunderte die Wagenräder tiefe Fahrrinnen, wie Geleise, eingegraben.

Über diesen Karrenweg kam zur Zeit der Weinlese der Bauer Andreas Erber mit der "Load", dem vollen Maischefaß auf dem Wagen, heruntergefahren. Auf dem Fuhrwerk saß auch seine Ehefrau, die in gesegneten Umständen war. Sie wollte nach Hause, um das Mittagessen zu kochen. es herrschte schlechtes Wetter, ein Gewitter stieg über dem Grünwald auf, es begann zu blitzen und zu donnern. Der Regen wurde immer heftiger und nach einem grellen Blitz scheuten die Pferde. Sie gingen mit dem Wagen durch. Das "Gspia", die Sperrkette riss ab, die Frau wurde abgeworfen und der Bauer konnte den Wagen nicht mehr halten. Das Gefährt stürzte um und der Bauer kam unter dem Wagen zu liegen. In seiner Not schickte er ein Stoßgebet zum Himmel und flehte Maria um Schutz und Hilfe an.

Und siehe da - wie durch ein Wunder beruhigten sich die Pferde und blieben schließlich mit dem umgestürzten Wagen stehen. Dem Ehepaar war weiter nichts geschehen, es kam mit dem bloßen Schrecken davon. Zum Dank für die Errettung aus Todesgefahr und zur Erinnerung an dieses denkwürdige Ereignis ließ der gottesfürchtige wohlhabende Bauer die Wegkapelle an jener Stelle errichten, an der sich das Unglück ereignet hatte.

Herr Paul Brunecker (Raiffeisenplatz Nr. 4), ein Nachkomme der Verunglückten, der diese Wegkapelle betreute, ließ die steinerne Marienfigur vom akademischen Bildhauer Professor Karl Bucher restaurieren.

Gegenüber der Wegkapelle wurden von der Gemeinde Purbach zwei Parkbänke aufgestellt. Der Hohlweg wird jetzt nur mehr von Wanderern und Spaziergängern benützt. Die tiefen Radspuren im Kalkgestein wurden zum großen Teil zugeschüttet und eingeebnet.
Florianisäule

Florianisäule

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aus dem Jahre 1668 auf der ehemaligen Viehweide, auf "der Schön"

Florianus soll keltischer oder illyrischer Abstammung gewesen sein und im heutigen Zeiselmauer in Niederösterreich geboren sein. Ort seines Wirkens und Sterbens war Lauriacum (heute Lorch bei Enns in Oberösterreich). Lauriacum war unter Kaiser Marcus Aurelius (161-180) als römisches Kastell gegen die Markomannen errichtet worden und entwickelte sich in der Folgezeit zu einer Stadt. Diocletian (254-305) erhob Lauriacum zum Sitz des kaiserlichen Statthalters und damit zur Hauptstadt der Provinz Ufer-Noricum (das Gebiet zwischen Inn und Raab).

Zugleich war Lauriacum der kirchliche Mittelpunkt der Provinz. Florian war zuerst Offizier im römischen Heer und später Vorstand der Kanzlein des Statthalters Aquilinus. Bei Ausbruch der Christenverfolgung durch Diocletian 303/304 wurden 40 Christen aufgespürt und eingekerkert, darunter viele Soldaten. Florian wollte ihnen beistehen und wurde dabei selbst ergriffen. Der Statthalter wollte ihn zum vorgeschriebenen Götteropfer, gemäß dem kaiserlichen Edikt vom Frühjahr 304, überreden. Weil Florian dies ablehnte, wurde er gefoltert und schließlich, mit einem Stein beschwert, in die Enns gestürzt.

Weit außerhalb der Purbacher Marktmauer, auf dem Schönberg, bei der ehemaligen Viehhalt, steht die Florianisäule. Heute ist diese Säule von den Häusern der "Florianisiedlung" umgeben, sie wird von den Hausbewohnern liebevoll geschmückt und betreut. Auf einem Pfeiler steht, in Gestalt eines römischen Offiziers, der heilige Florian und löscht mit einem Wasserschaff ein brennendes Haus. Die Säule trägt folgende Inschrift: "Mathias und Michael Kummer, beede Brueder, haben dieses Creutz alhiro setzen lassen. Gott, der Allmächtige, wolle durch die Fürbit des heiligen Florian diesen Markt vor Feiersnoth behiten, anno 1668". Vor 300 Jahren waren die Häuser mit Stroh oder Schilf gedeckt. Brach in einem Haus ein Feuer aus, brannte das Dach wie Zunder, und in kurzer Zeit stand eine ganze Häuserzeile in Flammen.

Viele Leute konnten dann oft nur ihr nacktes Leben retten und standen vor dem Nichts. Als Abbränder mussten sie betteln gehen und um milde Gaben bitten. Mathias Kummer war ein Halblehensbauer, sein Haus steht in der Hauptgasse Nr. 14. Im Keller dieses Hauses findet man die Initialien und die Jahreszahl "16 M K 65 ", die an diesen Mann noch heute errinnern. Er war von 1663 bis 1666 Marktrichter in Purbach. Sein Bruder Michael war "kaiserlicher Untertan " und besaß das " kaiserliche Ganzlehenshaus der Herrschaft Mannersdorf " in der Hauptgasse Nr. 30 (jetzt Gemeindezentrum). Im Jahre 1669 war er Kirchenzechmeister des "Sanct- Nicolai- Benefizium ", einer kirchlichen Stiftung in Purbach.

Es war damals eine sehr unruhige und unsichere Zeit. Viele kaiserliche Soldaten waren in Purbach einquartiert. 1663 wurden die Türken bei Mogersdorf von einem christlichen Heer unter Führung des kaiserlichen Feldherrn Montecucculi in die Flucht geschlagen.

Alljährlich zieht am Florianitag, am 4. Mai, der Ortspfarrer mit den Feuerwehrmännern und den Gläubigen in einer Prozession auf den Schönberg, um vor der festlich geschmückten Florianisäule eine Messe zu feiern. Der Florianitag war früher ein kirchlich gebotener Feiertag, er wurde von Kaiser Josef II. (1780- 1790) abgeschafft. Die Bauern, vor allem aber die Knechte und Mägde, hielten sich lange Zeit nicht an dieses Verbot und feierten ihn weiter. An diesem Tag halten die Windener ihren Kirtag ab, der von den Purbachern gern besucht wurde.

Zu Floriani laichen ("bodln") die Karpfen und kommen nahe zum Seeufer, wo sie an seichten Stellen verhältnismäßig leicht zu fangen sind.

Der heilige Florian steht weit draußen auf dem "Schönberg". Früher weideten dort die Kühe und Ochsen unter Aufsicht eines Hirten. Es sieht so aus, als ob man das Weidevieh tagsüber dem Schutz des heiligen Florian anvertraut hätte. Das Vieh gehörte damals, neben dem Wein, zum kostbarsten Besitz der Bauern.
Marienkapelle (Weninger-Kreuz)

Marienkapelle (Weninger-Kreuz)

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aus dem Jahre 1816 auf der Weingartenstrasse nach Breitenbrunn

Das "Weninger - Kreuz" oder das "Erste Kreuz" steht am Ortsende von Purbach an der Bundesstraße nach Breitenbrunn. Der kleine Giebelbau hat eine Rundbogenöffnung und eine eiserne Gittertür. Am Gitter kann man die Jahreszahl "1816" und die Initialen "A. M. W." lesen. Demnach hat Anna Maria Weninger diese Wegkapelle im Jahre 1816 errichten lassen.

Anna Maria Weninger, eine geborene Hackstock, war die zweite Ehefrau des kaiserlichen Ganzlehners Josef Weninger in der Kirchengasse Nr. 45. Die "kaiserlichen Bauern" zahlten ihre Steuern und Abgaben nach Mannersdorf und besaßen das Privileg, ihren Eigenbauwein zollfrei und unbehindert nach Niederösterreich ausführen zu dürfen. Josef Weninger hatte Anna Maria Hackstock im Jahre 1784 geheiratet, sie schenkte ihm sieben Kinder, sechs Knaben und ein Mädchen. Josef Weninger starb im Jahre 1806. Das Jahr 1816 spielte im Leben der Anna Maria Weninger eine besondere Rolle. In diesem Jahr übergab die 57-jährige Witwe ihre Ganzlehenswirtschaft dem 25 Jahre alten Sohn Josef, der im gleichen Jahre heiratete.

Im Jahre 1816 waren es zehn Jahre, dass die Witwe ihren Ehegatten verloren hatte. Warum sie die Wegkapelle errichten ließ, ist nicht bekannt. Vielleicht hatte sie Sorge um das Seelenheil ihres verstorbenen Mannes. Nach mündlicher Überlieferung hing früher ein Bild in der Kapelle, auf dem die "Armen Seelen im Fegefeuer" zu sehen waren. Die Wegkapelle könnte der Purbacher Maurermeister Josef Pratschner errichtet haben.

Die Witwe Anna Maria Weninger starb im Jahre 1834 im Alter von 75 Jahren. Die Wegkapelle erhielt später den Namen "Hackl-Kreuz", als Ludwig Hackl, der Pächter des Gemeindegasthofs neben dem "Türken-Tor", sie betreute. Er war mit einer Weninger- Tochter verheiratet. Der Weingarten, auf dessen Grund die Kapelle steht, gehörte damals ihm.

Die in der Burgenländischen Landestopographie und im Dehio-Handbuch "Burgenland" angeführten Namen "Dreifaltigkeitskapelle" und "Preßlkreuz" sind unrichtig. Die Purbacher bezeichnen das "Dritte Kreuz" als "Preßl-Kreuz". Zwischen diesen beiden Wegkapellen steht die "Dreifaltigkeitssäule", die Andreas Grein errichten ließ, der 1647 von den Tataren verschleppt wurde und dem es gelang, aus der türkischen Gefangenschaft zu entfliehen und heimzukehren.

Früher, als der Straßenverkehr noch nicht so dicht und gefährlich war, führte der Pfarrer am Christi- Himmelfahrtstag eine Prozession zu den mit Blumen geschmückten drei Kreuzen an der Bundesstraße.

Dort wurden jeweils eine Andacht gehalten, das Evangelium gelesen, um reichlichen Erntesegen gebetet und schließlich die Weingärten und Felder gesegnet.
Dreifaltigkeitssäule (Koppi-Kreuz)

Dreifaltigkeitssäule (Koppi-Kreuz)

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Aus dem Jahre 1647
Auf dem Weingartenweg nach Breitenbrunn


Der Sage nach wurde im Jahre 1647 der zwölfjährige Andreas Grein mit anderen Leidensgenossen auf der Landstraße, unweit der Marktgemeinde Purbach, von Tataren abgefangen. Die Beute wurde einem alten Tataren mit struppigem Bart zugesprochen, der den kleinen Andreas gleich unbarmherzig fesselte. Er legte ihm je eine Schlinge um den Hals und um die beiden Oberarme, verband die drei Schlingen miteinander und wickelte sich das Ende des Strickes um seinen eigenen Arm. Dann bestieg er sein Pferd und trieb den Buben vor sich her. Andreas weinte bitterlich, er getraute sich nicht einmal zu seinem Heimatort zurückzuschauen, weil ihm der Tatar gedroht hatte, er jage ihm sofort einen Pfeil in den Leib, wenn er es wagen sollte zu entfliehen.

So zogen sie drei Tage lang von einem Lager zum anderen. Andreas war sehr traurig, er bat den lieben Gott, ihn von diesem schrecklichen Tataren zu befreien. Er betete, so wie er es zu Hause von seiner Mutter gelernt hatte, zur Heiligen Dreifaltigkeit, zur seligen Jungfrau und zum heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron der Purbacher. Nachts schreckte er öfters aus dem Schlaf, weil er sich in seinen dünnen Kleidern nicht erwärmen konnte. Die Zeit ging schon dem Herbst zu und die Nächte waren kühl. Eines Nachts fuhr er aus dem Schlaf und bemerkte, dass sich der Strick an einem seiner Arme gelockert hatte. Er konnte seine Hand frei bewegen und den anderen Arm, sowie seinen Hals, von den Stricken befreien. Er schaute herum- alles schlief, nur hie und da stand ein Pferd angepflockt und zupfte das erreichbare Gras ab. Rückwärts gehend schlich er sich vorsichtig und leise davon, so dass seine Fußspuren nach dem Lager zeigten, um seine Verfolger zu täuschen. Er bewegte sich in jene Richtung, in der er glaubte, die Landstraße zu finden.

Als er schließlich die Landstraße gefunden hatte, lief er auf ihr weiter, solange er nur konnte. Manchmal blieb er stehen, verschnaufte eine Weile, dann trabte er weiter bis der Morgen graute. Schließlich versteckte er sich in einem Kukuruzfeld. Müde zusammengesunken beobachtete er von weitem die Landstraße. Spät in der Nacht setzte er seine Flucht fort. Beim geringsten Geräusch verließ er die Straße, um sich zu verkriechen oder durch die Felder zu schleichen. Zu essen hatte er nur die milchigen Maiskörner, zu trinken gab es nichts. So ging er drei Tage und drei Nächte lang. In der vierten Nacht erreichte er endlich den Purbacher Hotter. Zwischen Breitenbrunn und Purbach liegt die Ried "Am Zelter". Hier brach er am Rand des Weingartens seiner Eltern ohnmächtig zusammen. In der Früh wurde er von Taglöhnern entdeckt, die ihn in das Haus seiner Eltern brachten.

Andreas überlebte, und es wurde ein rechtschaffener Bauer aus ihm, der für seine wunderbare Errettung bis zu seinem Tod Gott dankte. An der Stelle, wo der Heimgekehrte ohnmächtig zusammengesunken war, am Ende seines Weingartens, ließ er zu Ehren der Dreifaltigkeit eine schöne Säule errichten. Auf einer korinthischen Säule, mit Weinranken umwunden, ruht der Gnadenstuhl. Der auf dem Thron sitzende Gott Vater mit der dreifachen Papstkrone auf dem Haupt hält den ans Kreuz genagelten Christus vor sich auf dem Schoß, während die Taube des Heiligen Geistes zuunterst mit ausgebreiteten Schwingen schwebt. An der Säulendeckplatte kann man die Jahreszahl "1647" lesen.

Überdies ließ Andreas Grein die Begebenheit, wie ihn sein tatarischer Besitzer gefesselt aus dem Heimatort wegtrieb, auf Leinwand malen.

Das Bild trägt folgende Inschrift: "Ich Andreas Grein, bin in 1647 von den Tartarn gefangen worden und durch die Vorbitt der Hl. Dreifaltigkeit und Mutter Gottes wie auch durch Vorbitt St. Nicolaus errettet worden." Dieses Votivbild hing lange Zeit im Flur des Halblehenshauses in der Schulgasse Nr. 25, das Andreas Grein gehörte. Auch seine Nachkommen hielten dieses Bild in Ehren. Besonders bemühte sich der Hausbesitzer Mathias Koppi um die Erhaltung der Dreifaltigkeitssäule, er war von 1849 bis 1853 auch Marktrichter. Im Volksmund heißt die Säule auch "Koppi-Kreuz" oder "Zweites-Kreuz". Derzeit hängt dieses Votivbild in der "Nikolauszeche" in der Bodenzeile Nr. 3.

Herr Dechant Dr. Franz Hillinger sammelte Geld in der Pfarrgemeinde und ließ die Dreifaltigkeitssäule beim Mannersdorfer Steinmetzmeister und Bildhauer Robert Widhalm restaurieren. Dabei wurden am oberen Rand des Säulenschaftes die Initialen "G W" entdeckt, die noch gedeutet werden müssen. Am 14. Mai 1989, am Dreifaltigkeitssonntag, wegen seiner Heiligkeit auch goldener Sonntag genannt, wurde die Säule nach einer Prozession eingeweiht.
Dreifaltigkeitskapelle (Preßl - Kreuz)

Dreifaltigkeitskapelle (Preßl - Kreuz)

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Jahr: unbekannt an der Bundesstraße nach Breitenbrunn

Das Preßl -Kreuz, auch "Drittes Kreuz" genannt, stand früher auf einer Anhöhe und war von einem grünen Lattenzaun umgeben. Wegen des vielen Schnees und wegen der Schneeverwehungen wurde es an den Straßenrand herunterversetzt und zum Schutz eine Kapelle errichtet.

Die Wegkapelle trägt die Aufschrift : " Heilige Maria bitt für uns ! " und auf dem Sockel kann man lesen : " Hilf uns ! " Die in der Kapelle befindliche Marienstatue ähnelt der Statue im "Mariahilferkreuz".

Früher zogen am Christi-Himmelfahrtstag in einer Prozession der Pfarrer mit der Musikkapelle, die Burschen mit der Burschenfahne und die Gläubigen zu den drei festlich geschmückten "Kreuzen" an der Bundesstraße Richtung Breitenbrunn. Bei jedem "Kreuz" wurde angehalten, das Evangelium gelesen, um reichen Erntesegen gebetet und die Flur gesegnet.

Das Preßl-Kreuz ist auch unter dem Namen "Dreifaltigkeitskapelle" bekannt.
Heigl-Kreuz

Heigl-Kreuz

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Jahr: unbekannt Sätzgasse 9a

In der Sätzgasse steht vor dem Haus Nr. 9a ein eisernes Sühnekreuz auf einem Steinsockel, das an eine grausige Bluttat erinnert.

Nach mündlicher Überlieferung war ein Mädchen beim Schmiedemeister Johann Rauchbauer in der Hofstatt, in der Bodenzeile Nr. 3, im Dienst. Am Abend ging die Dienstmagd in das gegenüberliegende "Gußmann-Haus" (heute Heustadl) zum Federnschleißen. Ein junger Bursche, der bei einem Bauern als Knecht arbeitete, war in das hübsche Mädchen verliebt. Aus verschmähter Liebe lauerte er der Dienstmagd beim Nachhausegehen auf und erstach es. Den leblosen Körper versteckte er auf der Heide vor dem "Ruster-Tor" unter einem Gebüsch. Die Heide war damals noch nicht verbaut. An der Stelle, wo der leblose Körper des Mädchen aufgefunden wurde, setzte man später das Sühnekreuz.

Das Mädchen, das aus Deutschkreutz stammte, wurde dorthin überführt und begraben. Der Knecht wurde ausgeforscht, verhaftet und zu einer langjährigen Kerkerstrafe verurteilt.

Nach Verbüßung seiner Kerkerstrafe arbeitete der Knecht in Oggau bei einem Bauern. Er fiel einem tragischen Unfall zum Opfer, der von den Leuten als Gottesstrafe angesehen wurde.

Beim Pflügen hatte er sich die Zügel der Pferde um seinen Leib geschlungen. Als die Pferde scheuten und durchgingen, schleiften sie den Mann zu Tode.

Es sind weder der Name der Dienstmagd noch der des Knechtes bekannt. Auf dem Steinsockel des Sühnekreuzes ist ein Vers angebracht, der im Laufe der Zeit fast unleserlich geworden ist.

Er lautet ungefähr so:

"Wanderer, lies und stehe still !

Was das Kreuz dir sagen will:

Ein teuflischer Mörder

hat hier mit Messer und Beil

zartes Mädchenblut verspritzt

und sie zerhackt.

Der Herr verzeih dem Mörder

und gib beiden die ewige Ruh !"

Das Sühnekreuz wurde vor kurzem renoviert und neu aufgestellt. Am Nationalfeiertag, am 26. Oktober 1995, wurde es von Dechant Dr. Franz Hillinger im Beisein der Dorfbevölkerung feierlich eingesegnet.
Kreuzkapelle

Kreuzkapelle

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Jahr: unbekannt Hauptgasse 28

Die Familien Reichard-Brunäcker in der Hauptgasse Nr. 62 sind Besitzer einer Wegkapelle. Im Jahre 1972 wurde das alte Wohngebäude abgerissen und neu erbaut. Die Kapelle selbst blieb aber damals an Ort und Stelle stehen. Sie wurde hergerichtet und äußerlich der Fassade des Neubaues angepaßt. Es handelt sich um einen Rundbogenbau mit zwei kleinen Nischen links und rechts vom Altar.

Einige Stufen führen zum Eingang der Kapelle, die von einem kunstvollen Schmiedeeisengitter abgesichert wird. Auf dem Altartisch befindet sich eine holzgeschnitzte Pieta, die Darstellung der schmerzhaften Gottesmutter mit dem Leichnam Jesu auf ihrem Schoß. Diese Statue ist etwa 250 Jahre alt, etwa so alt wie die Hauskapelle selber. Frau Johanna Reichardt ließ diese Pieta auf eigene Kosten restaurieren.

Bei den Renovierungsarbeiten mussten mehrere Farbschichten von früheren Anstrichen entfernt werden, nun strahlt sie wieder in ihren ursprünglichen Farben. Es gehört in Purbach zur Tradition, dass diese Wegkapellen zu Fronleichnam und am Palmsonntag von den Familien, in deren Besitz sie sind, schön geschmückt werden. Dann zieht der Priester mit den Gläubigen in einer Prozession zu den Kapellen, um dort zu beten, die Messe zu feiern oder die Palmkätzchen zu weihen.
Wegkapelle

Wegkapelle

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Jahr: unbekannt Kirchengasse 37

Im ehemaligen "Reichardt -Haus", in der Kirchengasse Nr.37, steht die dritte Wegkapelle im Ort. Sie ist vorne durch ein kunstvoll geschmiedetes Gitter abgesichert und geschmückt. Das Jesuitenwappen in Herzform mit dem Christusmonogramm "JHS", auf dem Mittelbalken des " H" ein Kreuz stehend und darüber die ungarische Königskrone, erinnern an die Monachie, als Thron und Altar eine Einheit bildeten.

Es erinnert aber auch an die erfolgreichen Jesuitenmissionen im Ort. Auf der Mensa steht eine moderne Marienstatue, früher war eine "Maria- Lourdes- Statue" aufgestellt, sie wurde gestohlen. Darunter kann man auf blauem Grund in goldenen Lettern lesen:

"Der im Heiligen Sakrament zugegen ist als wahrer Gott und Mensch. Hochgelobt und gebenedeit sei das Allerheiligste sakrament des Altars!"

Die Palmkätzchensträuße werden jedes Jahr, der Reihe nach vor einem anderen Hausaltar geweiht.
Wegkapelle

Wegkapelle

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aus dem Jahr 1972 Hauptgasse 62

Zum Haus der Familie Franz Schmidt in der Hauptgasse Nr. 62 gehört die Wegkapelle. Sie wurde früher "Kreuzkapelle" genannt, noch heute ist darin ein großes Kruzifix zu sehen. Der heilige Florian in der Nische erinnert wahrscheinlich an den Großbrand im Jahre 1673, der in diesem Haus in der Selch ausgebrochen war und den ganzen Ort in Asche legte.

Die Wegkapellen im Ort werden zu Fronleichnam und am Palmsonntag festlich für die Prozession hergerichtet und geschmückt. Schon im Jahre 1593 wird eine "Fronleichnam-Bruderschaft" in Purbach erwähnt. Bevor sich das Luthertum im Ort durchgesetzt hatte, wurde "nach verrichtung des umgangs an dem gottsleichnamstag ein mahlzeit gehalten", dabei gingen 18-20 Gulden auf. In der evangelischen Zeit gab es keine Fronleichnamsprozession. Statt dessen wurden die Pfarrer aus den Nachbarorten am Kirchtag eingeladen und bewirtet, dafür wurden aber nur mehr 2-3 Gulden ausgegeben.

Die Zechmeister drehten damals jeden Gulden zweimal um, bevor sie ihn ausgaben.

Im Zuge der Gegenreformation wurde die Frohnleichnamsprozession wieder abgehalten, dabei spielten auch die Handwerkszünfte, die in Purbach ihren Sitz hatten, eine Rolle. Als erste hatten die Schneider 1599 hier ihre Zunft errichtet. Bis 1669 entwickelte sich der Ort zu einem Zentrum der Handwerkszünfte in der Herrschaft Eisenstadt. Es muss ein farbenprächtiges Bild gewesen sein, wenn am Fronleichnamstag die Meister, Gesellen und Lehrjungen aus den umliegenden Orten in ihren festlichen Handwerkstrachten mit ihren Zunftfahnen und Schilden die Prozession zierten. Am Nachmittag hielten diese Zünfte gewöhnlich ihre Jahresversammlungen im Hause des jeweiligen Zechmeisters in Purbach ab.

Die drei Wegkapellen im Ort erinnern an diese gesellige Zeit.

Burgstall

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Leithagebirge
geführte Wanderung auf Anfrage im Touristinfobüro


Nordwestlich des Ortes liegt der Burgstall Purbach am Neusiedler See, eine der größten und am besten erhaltenen urzeitlichen Befestigungsanlagen Österreichs. Er ist seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts als archäologische Fundstelle bekannt.

Der Burgstall liegt auf einer durch zwei schluchtartige Einschnitte natürlich geschützten Rückfallkuppe und besteht aus einem Ringwall, dem an der leichter zugänglichen Nordseite Abschnittswälle und -gräben vorgelagert sind. Die Gesamtausdehnung der Befestigung beträgt rund 1300 m, die größte Breite etwa 600 m.

Das Zentrum der Anlage bildet die Plattform der Rückfallkuppe, die von einem bis zu 3 m hohen Wall mit vorgelagertem Graben umschlossen wird. Den Zugang bildet das an der N-Seite situierte sog. Türkenschanztor. An der Nord-Seite ist ein durch Wälle und Gräben vom Plateau abgeriegeltes Vorwerk in die Befestigung miteinbezogen. An der Sw-Seite befindet sich ein natürlicher, ebenfalls durch den Ringwall geschützter Wasseraustritt.

Diese innere Befestigung weist an der leichter zugänglichen NW-Seite mehrfache weitere Bewehrungen auf. Knapp außerhalb des Ringwalls liegt ein mächtiger Halsgraben, dem in einigem Abstand der innerste Vorwall folgt. Dieser verläuft gerade und besitzt einen an der Außenseite vorgelegten Graben. Der mittlere Wall verläuft bogenförmig und besitzt einen inneren Befestigungsgraben. Das Ende der Befestigung stellt ein schwach gekrümmter Außenwall von rund 330 m Länge und 2 m Höhe dar, dem an der Außenseite ein Graben vorgelagert ist.

Zwischen dem äußersten und dem innersten Abschnittswall liegen zwei Hügelgräberfelder, von denen das äußere rund 14, das innerne 40 Grabhügel zählt und das ältere Flachgräber überlagert. Die Hügelgräber selbst gehören der Hallstattkultur und damit der Hauptnutzungsphase der Befestigungsanlage an.

Die ältesten Besiedlungsspuren und wohl auch die Errichtung der ersten Befestigungsanlagen fallen in die Urnenfelderzeit, auf die auch einzelne Grabfunde hinweisen. Während der Hallstattkultur war die gesamte Kuppe besiedelt und dürfte mit dem Ringwall, dessen innersten Kern eine Trockenmauer bildet, umgeben worden sein.

Funde aus der Latene-und Völkerwanderungszeit lassen auf eine Nach-und Weiterbenützung des Burgstalles schließen. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit wurde der Burgstall erneut aufgesucht und erhielt seine heutige Ausgestaltung.